HPV Vorsorge gegen Gebärmutterhalskrebs

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HPV – diese drei Buchstaben stehen für eine der weltweit häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Experten schätzen, dass sich 60 bis 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen schon einmal mit Humanen Papillomaviren (HPV) angesteckt haben. Zu den über 150 Typen des HP-Virus gehören auch solche, die Gebärmutterhalskrebs auslösen. Viele Menschen wissen nicht, dass sie sich über Sexualkontakt mit HPV infizieren können.

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HPV ist nicht gleich HPV

In Deutschland werden pro Jahr bei 170 von 100.000 Einwohnern Genitalwarzen (Kondylome) festgestellt. Bereits winzige Hautschuppen der Warzen reichen aus, um sich mit HPV zu infizieren. 

Gelangen die Hautpartikel in Kontakt mit Verletzungen auf der Haut oder auf den Schleimhäuten, setzen sich die Viren auch in den bis dahin gesunden Geweben fest. Sind sie in der Harnröhre des Mannes angesiedelt, kann auch Sperma ansteckend sein.

Es gibt mehr als 150 Typen des HP-Virus. Viele davon sind für die Gesundheit ungefährlich. Sie besiedeln Hautzellen und verursachen gewöhnliche Warzen, etwa an Händen und Füßen oder im Gesicht. Das ist zwar lästig, aber völlig harmlos. Manche der Viren befallen jedoch auch die Zellen der Schleimhäute. Mediziner unterscheiden bei diesen Typen zwischen Niedrigrisiko-Viren (NR-HPV) und Hochrisiko-Viren (HR-HPV). Die gutartigen Kondylome entstehen vor allem durch den Kontakt mit NR-HPV der Typen 6 und 11. Infektionen mit HR-HPV steigern hingegen das Krebsrisiko.

Gebärmutterhalskrebs und HPV

Mediziner und Wissenschaftler sind sich einig: Chronische Infektionen mit HR-HPV sind die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs. In fast allen bösartigen Tumoren des Gebärmutterhalses (über 99 Prozent) befinden sich DNA-Spuren dieser Viren. Auffällig: Die Mehrzahl der bösartigen Gewebeveränderungen (etwa 70 Prozent) geht auf die beiden Hochrisikotypen HPV 16 und 18 zurück. Umso wichtiger ist es, diese Ursachen bei der Krebsvorsorge zu berücksichtigen – etwa mit einem HPV-Screening im Rahmen der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen. Den Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen hatte der Virologe Harald zur Hausen entdeckt und nachgewiesen. 2008 erhielt er für seine Forschung den Nobelpreis für Medizin.

Wissenswertes zu Hochrisiko-HP-Viren

Ebenso wie die NR-HPV werden auch die HR-HPV beim Sex übertragen. Das gilt für Geschlechtsverkehr ebenso wie für orale Praktiken. Kondome können vor einer Ansteckung schützen. Tückisch: Im Gegensatz zu Infektionen mit NR-HPV, die sich durch Warzen bemerkbar machen, verlaufen Ansteckungen mit HR-HPV in der Regel ohne Symptome. Daher bleiben sie ohne HPV-Test meist unbemerkt.

Vor allem junge Menschen stecken sich mit HPV an, denn sie leben ihre Sexualität in der Regel aktiver aus. In Deutschland sind aktuellen Studien zufolge 23 von 100 Frauen im Alter von 26 Jahren mit HR-HPV-Typen infiziert. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es noch sechs von 100. Für Männer in Deutschland liegen keine gesicherten Daten vor. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) errechnet aus der aktuellen internationalen Studienlage, dass bis zu 65 von 100 Männern HP-Viren in sich tragen. Bei den Hochrisikotypen liegt die Rate bei bis zu 35 von 100.

Eine HPV-Impfung schützt wirksam vor den gefährlichsten HPV-Typen und senkt damit das Risiko für diese Krebserkrankungen. Für den bestmöglichen Schutz sollte die Impfung ihre Wirkung bereits vor dem ersten sexuellen Kontakt entfalten können. Darum empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen im Alter zwischen sieben und 14 Jahren. Jugendliche, die bis zum Alter von 15 Jahren noch nicht gegen HPV geimpft worden sind, sollten die Impfung möglichst bald und noch vor dem 18. Geburtstag nachholen. Die Kosten für die Impfung tragen die Krankenkassen.

WICHTIG: Die Impfung bietet keinen vollständigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs und ersetzt nicht die regelmäßigen Krebsvorsorgeuntersuchungen!

Gut zu wissen: Vorsorgeuntersuchungen nutzen!

Wenn eine Infektion mit HR-HPV vorliegt, entsteht daraus nur selten Krebs, so das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Wer regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen nutzt, dem bleibt zumeist ausreichend Zeit, Krebsvorstufen aufspüren und wenn nötig entfernen zu lassen. Die Krankenkassen übernehmen für alle Frauen in Deutschland ab einem Alter von 20 Jahren die Kosten für eine gynäkologische Vorsorgeuntersuchung pro Jahr. Dazu gehört auch der Pap-Test: Der Arzt entnimmt mit einem kleinen Spatel Zellen von Gebärmuttermund und -hals. Im Labor untersuchen Pathologen diese Abstriche auf Zellveränderungen (zytologische Untersuchung).

Fragen und Antworten zum HPV-Test

Wie beim Pap-Test entnehmen die Gynäkologen Zellen aus dem Bereich des Gebärmutterhalses. Diese werden im Labor auf HPV-Erbgut (DNS) oder deren Aktivität (RNS) untersucht.

Die molekulare Zelluntersuchung stellt sehr zuverlässig fest, ob eine Infektion mit HP-Viren vorliegt und zeigt, ob es sich um HR-HPV-Typen handelt. Der Test gibt keine Auskunft darüber, ob bzw. in welchem Grad sich Zellen verändert haben.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfiehlt in ihrer derzeitigen Behandlungsleitlinie* einen HPV-Test, wenn der Pap-Test leichte oder mäßige Veränderungen nachweist, die weiter abgeklärt werden müssen. Bestätigt der HPV-Test eine Infektion mit HR-HPV, sollten sich Betroffene alle sechs Monate  untersuchen lassen.

*Die Leitlinie wird zurzeit überarbeitet.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfiehlt in ihrer Behandlungsleitlinie* den HPV-Test für Frauen ab 30 Jahren als ergänzende Untersuchung, auch wenn deren Pap-Test keine Veränderungen nachweist. Hintergrund: Vor dem 30. Lebensjahr sind HPV-Infektionen so häufig, dass ein Test keine besondere Aussagekraft hätte. Sollte bei einer Patientin ab 30 Jahren der Test auf HR-HPV positiv ausfallen, kann der Arzt mit einem speziellen Mikroskop den äußerlich sichtbaren Teil des Gebärmutterhalses auf Gewebeveränderungen untersuchen (Kolposkopie). So steigt die Wahrscheinlichkeit, Vorstufen von Krebs früher zu entdecken.

*Die Leitlinie wird zurzeit überarbeitet.

Nur der Pap-Test zeigt, ob und in welchem Umfang Zellen durch HR-HPV geschädigt sind. Viele Studien sprechen dafür, beide Testverfahren zu kombinieren. Die Projektgruppe Zervita am Institut für Frauengesundheit Baden-Württemberg geht davon aus, dass so zu fast 100 Prozent sichergestellt werden kann, dass „keine höhergradige Gewebeveränderung und kein Gebärmutterhalskrebs vorliegt und in den folgenden sechs Jahren auch nicht auftreten wird“.

HPV-Sceening kann Vorsorge verbessern

Bereits 2007 ergab eine medizinische Entscheidungsanalyse und Kosten-Nutzen-Bewertung zur Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge: HPV-Tests könnten die Screening-Praxis verbessern. Die medizinischen Gutachter des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) hielten in ihrem Bericht fest, es sei nicht mehr die Frage, ob, sondern in welcher Weise der HPV-Test genutzt werden sollte. Offen war für die Experten damals noch, in welchen Zeitabständen und für welchen Altersbereich die Untersuchung angeboten werden könnte.

60 bis 70 Prozent mehr Schutz mit HPV-Screening

2013 wertete ein internationales Wissenschaftlerteam in einer großen europäischen Studie, die unter anderem von der Europäischen Union unterstützt wurde, Daten aus Schweden, Großbritannien, Italien und den Niederlanden aus. Sie kamen zu einem sehr deutlichen Ergebnis: Das HPV-Screening schützt um 60 bis 70 Prozent besser vor Gebärmutterhalskrebs als der Pap-Test allein. Die Forscher um Studienleiter Dr. Guglielmo Ronco vom Zentrum für Krebsepidemiologie und Prävention der Universität Turin empfehlen: Vom 30. Lebensjahr an sollte Frauen ein HPV-basiertes Screening mindestens alle fünf Jahre angeboten werden. Fällt der Test positiv aus, soll eine zytologische Untersuchung folgen.

HPV-Screening in Sicht

Die Bemühungen, den HPV-Test für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs in Deutschland flächendeckend einzusetzen, beginnen vor über 15 Jahren: Im November 2003 beantragt der Bundesverband der Innungskrankenkassen (IKK-BV) beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), HPV-Tests als Screening-Untersuchung zuzulassen. Der G-BA bestimmt, welche Leis­tungen der medi­zi­ni­schen Versor­gung von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Bis März 2015 sah es so aus, als sollten zehn Jahre Beratung im G-BA ohne Ergebnis bleiben. Nun soll das Screening im Jahr 2020 starten.

Der lange Weg durch die Institutionen

Im Juni 2014 untermauern die Ökonomen und Mediziner des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) noch einmal, was sie bereits 2012 in ihrem Abschlussbericht bestätigten: „dass mit Hilfe eines Tests auf Humane Papillomaviren (HPV) Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses früher erkannt und behandelt werden können und Tumore in der Folge seltener auftreten“. Vorangegangen waren dem Abschlussbericht zwei Jahre, in denen die Mitarbeiter des IQWiG internationale Studien, Kongressberichte und Fachveröffentlichungen zum HPV-Screening prüften und auswerteten. Tatsächlich beschließt der G-BA im März 2015, den HPV-Test zukünftig in die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs einzubinden. Im September 2016 korrigiert das Gremium dann jedoch noch einmal die beschlossenen Eckpunkte.

HPV-Test ab 2020

Im Januar 2017 beauftragt der G-BA erst einmal das Institut für Qualitätssicherheit und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) damit, ein Konzept für die Bewertung des Screenings aus Zervixkarzinom zu erarbeiten. Inzwischen haben die Gremien grundsätzlich entschieden: Der HPV-Test soll tatsächlich eingeführt werden. Das Screening soll im Januar 2020 dann endlich starten. 

HPV-Screening: So soll es ablaufen

Alle gesetzlich krankenversicherten Frauen ab dem Alter von 20 Jahren können am HPV-Screening teilnehmen. Voraussichtlich ab dem 1. Januar 2020 werden die Krankenkassen erste Informationsschreiben zur Teilnahme versenden. Bis zu diesem Stichtag stellt eine Übergangsregelung den Anspruch auf die bisherigen Leistungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs sicher.

Persönliche und regelmäßige Informationen zur Teilnahme am Programm
  • Gesetzlich krankenversicherte Frauen im Alter von 20 bis 65 Jahren werden zukünftig persönlich und regelmäßig über die Möglichkeit zur Teilnahme am Krebsfrüherkennungsprogramm informiert.
  • Sie erhalten von ihrer Krankenkasse alle fünf Jahre ein Anschreiben mit näheren Erläuterungen zum Programm und zum Nutzen und den Risiken der angebotenen Untersuchungen.
  • Da für die vorgesehene Evaluation des Programms auch personenbezogene Daten verarbeitet werden sollen, werden die Frauen zudem über die geplante Datenerhebung und -verarbeitung und das hierzu bestehende Widerspruchsrecht informiert.
  • Die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen können von den Frauen auch unabhängig von den Anschreiben der Krankenkassen und über das 65. Lebensjahr hinaus in Anspruch genommen werden.
Altersabhängige Untersuchungsangebote

können  wie bislang einmal jährlich eine zytologische Untersuchung mittels des sogenannten Pap-Tests wahrnehmen. Dabei wird ein Abstrich vom Gebärmutterhals entnommen und auf veränderte Zellen untersucht. Je nach Ergebnis können sich weitere Untersuchungen anschließen: eine weitere zytologische Untersuchung, ein Test auf genitale Infektionen mit humanen Papillomaviren (HPV-Test) oder eine Kolposkopie (Spiegelung) des Gebärmutterhalses.

wird statt der derzeitigen jährlichen zytologischen Untersuchung – zukünftig alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung (Ko-Testung), bestehend aus Pap-Abstrich und HPV-Test, angeboten. Ein vom Gebärmutterhals entnommener Abstrich wird hierbei sowohl auf HP-Viren als auch auf Zellveränderungen untersucht. Je nach Ergebnis können sich weitere Untersuchungen anschließen: eine weitere Ko-Testung oder eine Kolposkopie des Gebärmutterhalses. 

haben neben den genannten Tests zudem Anspruch auf eine jährliche klinische Untersuchung. Dabei tatstet die Gynäkologin wie bisher auch die Brust ab, untersucht die Scheide von außen und innen und sucht mittels Tastuntersuchung nach Auffälligkeiten an Gebärmutter und Eierstöcken.

HPV-Tests weltweit: Diese Länder nutzen den HPV-Test bereits als Vorsorgeuntersuchung

Die meisten Fachgesellschaften empfehlen eine Kombination aus HPV- und Pap-Test für die primäre Diagnostik.

2013 startete in Ontario ein Screening-Programm, das auf einem  HPV-Test basiert. Die Befunde der HPV-positiven Frauen werden mittels zytologischer Untersuchungen weiter abgeklärt.

2013 startete der National Health Service ein Pilotprojekt zum HPV-Screening.

Die Gesundheitsbehörden führten 2013 ein Vorsorgeprogramm ein, das – ähnlich wie in Kanada – auf einem HPV-Screening beruht. Anschließend werden die Positiv-Befunde zytologisch abgeklärt.

Einige Provinzen verwenden bereits den HPV-Test im Rahmen des Primärscreenings.

Pilotprogramme sollen den HPV-Test als primäre Vorsorgeuntersuchung etablieren.

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