Das sollten Sie wissen Volkskrankheit Diabetes

Über sieben Millionen Menschen in Deutschland haben Diabetes – Tendenz steigend. Zudem wird eine hohe Dunkelziffer vermutet. Die Folgen wiegen schwer: Diabetiker haben durchschnittlich eine bis zu sechs Jahren verkürzte Lebenserwartung. Moderne Labordiagnostik unterstützt dabei, die Krankheit frühzeitig zu entdecken und konsequent zu behandeln. Mit der Blutzuckerselbstmessung können Diabetiker ihre Erkrankung selbst managen und ihren Alltag eigenständig gestalten.

Stand Juni 2018

Diabetes auf die Spur kommen

Diabetes ist eine Stoffwechselkrankheit: Damit der Körper Zucker (Glukose) als Energielieferant verarbeiten kann, produziert die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin. Wenn die Insulinproduktion gestört ist oder die Zellen das Insulinsignal zur Zuckerverarbeitung nicht wahrnehmen können, sammelt sich Glukose im Blut an – der Blutzuckerspiegel steigt.

Vor allem starker Durst, große Urinmengen, Gewichtsabnahme trotz guten Appetits, Mattigkeit und Kraftlosigkeit, Juckreiz, Hautentzündungen und Ekzeme, Harnwegsinfektionen, Potenz- und Menstruationsstörungen können auftreten.

Übergewicht, zu wenig Bewegung, Bluthochdruck, stark erhöhte Blutfettwerte oder ein Typ-2-Diabetiker im engeren Familienkreis gelten als besondere Risikofaktoren. In diesen Fällen empfiehlt es sich, den Blutzucker beim Arzt in kürzeren Abständen bestimmen zu lassen. Eine erhöhte Zuckerausscheidung im Urin kann zwar auch einfach mit einem Teststreifen festgestellt werden. Ein solcher Suchtest reicht für eine genaue Messung jedoch nicht aus.

Übergewicht, zu wenig Bewegung, Bluthochdruck, stark erhöhte Blutfettwerte oder ein Typ-2-Diabetiker im engeren Familienkreis gelten als besondere Risikofaktoren. In diesen Fällen empfiehlt es sich, den Blutzucker beim Arzt in kürzeren Abständen bestim- men zu lassen.

Eine erhöhte Zuckerausscheidung im Urin kann zwar auch einfach mit einem Teststreifen festgestellt werden. Ein solcher Suchtest reicht für eine genaue Messung jedoch nicht aus. 

Diabetes – welcher Typ?

Wenn der Körper sich selbst angreift

Typ-1-Diabetes gehört zu den Autoimmunerkrankungen: Die Abwehrzellen zerstören die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Krankheit beginnt meistens schon im Kindes- und Jugendalter. Menschen mit Typ-1-Diabetes benötigen von Beginn der Krankheit an Insulin.

Insulinproduktion bis zur Erschöpfung

Bei einem Typ-2-Diabetes werden die Körperzellen nach und nach unempfindlich für das Hormon Insulin. Dann können sie die Glukose im Blut nicht mehr aufnehmen – es kommt zur Insulinresistenz. Um die Resistenz auszugleichen, produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin und versagt schließlich. Übergewicht und Bewegungsmangel fördern die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Diese Diabetesform ist die weitaus häufigste, sie tritt meistens nach dem 40. Lebensjahr auf. Ernährungsumstellung, die Einnahme von Tabletten und die Gabe von Insulin sind Bestandteile der Therapie.

Diabetes richtig managen

Selbstmessung unverzichtbar

Experten sind sich einig, dass der gesellschaftspolitischen Herausforderung Diabetes mellitus vor allem mit einer frühzeitigen Diagnose und mit präventiven Maßnahmen begegnet werden kann. Im Mittelpunkt steht dabei eine Änderung des Lebensstils (Verhalten, Bewegung, Ernährung). Für den an Diabetes Erkrankten ist die Blutzucker- oder Glukoseselbstmessung ein unverzichtbarer Bestandteil des Therapieregimes. Sie liefert dem behandelnden Arzt nicht nur regelmäßige Informationen. Sie zeigt den Betroffenen – so unmittelbar wie kein anderes Behandlungsinstrument –, ob ihre Bemühungen um stabile Blutzuckerwerte erfolgreich sind. Die Messung hilft ihnen auch dabei, Unterzuckerungen (Hypoglykämien) zu vermeiden. Des- halb ist die Blutzucker- oder Glukoseselbstmessung Voraussetzung für ein erfolgreiches Diabetes-Selbstmanagement.

Nach der Diagnose zur Schulung!

Diabetiker sollten unmittelbar nach der Diagnose spezielle Schulungen nutzen. Dort lernen sie, wie Blutzucker- oder Glukosemessgeräte funktionieren, wie sie ihren Blutzucker oder Glukosewert selbst prüfen, die Messwerte richtig deuten und sich korrekt Insulin spritzen.

Messgenauigkeit

Die Messgenauigkeit von Blutzucker- und Glukosemessgeräten ist ein wichtiger Qualitätsaspekt für das Diabetes-Selbstmanagement. Ungenauigkeiten bei der Messung können zu Stoffwechselentgleisungen wie Hypoglykämien und langfristig zu schweren Folgeerkrankungen führen. Der erfolgreiche Einsatz eines Blutzucker- oder Glukosemessgerätes hängt vor allem vom sicheren, gewohnten und eingeübten Umgang des Patienten mit dem Messgerät ab.

Was die Krankenkassen bezahlen

Keine Kosten für insulinpflichtige Diabetiker

Für Typ-1- und Typ-2-Diabetiker, die mit Insulin behandelt wer- den, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Blutzuckermessgeräte und die erforderlichen Teststreifen. Dabei gelten keine Obergrenzen für die Menge der Teststreifen: Der Arzt kann frei entscheiden, was medizinisch erforderlich ist. Auch gibt es keine verbindlichen Vorgaben der Kassen, welche Testgeräte der Arzt verschreiben muss.

CGM und FGM - Glukosemessung unter der Haut

Die sogenannte kontinuierliche Glukosemessung (CGM) wertet über eine dünne Nadel im Unterhautfettgewebe tausendfach pro Tag den Glukosewert aus. Studien zeigen: CGM kann bei Patienten, die sehr stark auf Insulin angewiesen sind, tatsächlich Unterzuckerungen reduzieren. Wichtig ist jedoch, dass das Gerät korrekt kalibriert wird. Seit Mitte 2016 gehört das CGM zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Einen anderen Ansatz wählt das Flash Glucose Monitoring (FGM). Dieses System misst die Glukosekonzentration ebenfalls in der Gewebeflüssigkeit, sendet die Daten jedoch nicht weiter. Stattdessen lesen die Patienten den Glukosewert einfach mit einem Scanner aus. Anders als CGM-Systeme warnen FGM-Systeme nicht vor Unterzuckerungen. Der Stich in den Finger entfällt jedoch auch bei FGM. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten für FGM-Systeme bereits.

Erstattung auch ohne Insulinpflicht möglich

Typ-2-Diabetikern, die kein Insulin spritzen, dürfen Geräte und Teststreifen seit einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) von 2011 nur in besonderen Fällen verordnet werden.
 Auch hier gilt: Der Arzt entscheidet, ob Patienten die Kriterien erfüllen. Betroffene sollten mit ihrem Arzt klären, ob sie Anspruch auf ein Messsystem haben.