Diabetes bei Kindern: Leitlinie empfiehlt smarte Technik für automatische Insulindosierung

Die Diabetes-Therapie entwickelt sich mit großer Geschwindigkeit. Regelmäßiges Blutzuckermessen mit Teststreifen und Insulin spritzen gehört inzwischen der Vergangenheit an. Diese Aufgaben übernehmen inzwischen Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und Insulinpumpen. In einer neuen Leitlinie empfehlen Fachleute, allen Kindern und Jugendlichen mit Diabetes nach deren Möglichkeiten eine Insulinpumpe, CGM und AID-System anzubieten.

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Automatische Insulin-Dosierung verhindert Unterzuckerung

Unterzuckerungen (Hypoglykämien) sind bei Kindern mit Diabetes nicht selten, vor allem in der Nacht. Gerade, wenn sie tagsüber sehr aktiv sind, kann der Blutzuckerspiegel in der Ruhephase dramatisch abfallen. Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung im Unterhautfettgewebe, die regelmäßig den Blutzuckerwert messen, sowie Insulinpumpen, die dauerhaft kleine Mengen Insulin abgeben, helfen dabei, solche Entgleisungen des Insulinstoffwechsels zu verhindern. Durch Systeme, die CGM und die Abgabe von Insulin mittels eines speziellen Algorithmus kombinieren (AID, Automatische Insulindosierung), kann die Therapie noch präziser gesteuert werden: Diese geschlossenen Systeme führt dem Körper abhängig von der gemessenen Glukose Insulin zu und ahmen dadurch die natürliche Funktion der Bauchspeicheldrüse bei stoffwechselgesunden Menschen nach.

Verbesserte Therapie für mehr Lebensqualität

Erste Erfahrungsberichte und Kurzzeitstudien belegen bereits jetzt, dass die Systeme die Therapie verbessern können. So korrelieren etwa die Messwerte der CGM gut mit dem Langzeitwert des Blutzuckerspiegels, dem sogenannten HbA1c-Wert, der regelmäßig zur Therapiekontrolle per Bluttest bestimmt werden muss. Dank des technischen Fortschritts ergeben sich zusätzlich Vorteile für junge Menschen mit Diabetes und ihre Familien bei der sozialen Teilhabe: Die verbesserte Stoffwechselkontrolle reduziert den Begleitungsaufwand durch Erwachsene, etwa in der Schule oder beim Ferienlager, deutlich. Die Autor*innen der neuen S3-Leitlinie weisen darauf hin, dass smarte Mess-Systeme in der Regel von den Krankenkassen bewilligt und die Kosten übernommen werden. Durch die neuen Empfehlungen erhoffen sie sich, dass auch AID-Systeme unkomplizierter verordnet werden können.

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