Lungenembolie: Labortest kann unnötige Computertomografie verhindern

Um den Verdacht auf ein Blutgerinnsel in der Lunge auszuschließen, nutzen Mediziner*innen zunehmend bildgebende Verfahren. Untersuchungen zeigen jedoch, dass auf diese Weise nicht mehr klinisch relevante Embolien entdeckt werden. Französische Ärzt*innen haben ein neues Verfahren erprobt, das bildgebende Untersuchungen reduzieren kann und gleichzeitig eine sichere Diagnose ermöglicht.

Gerendertes Bild eines Blutgerinnsels, das Thrombose auslösen kann.
Sebastian Kaulitzki | Fotolia Sebastian Kaulitzki | Shutterstock

Mehr Bildgebung verbessert Lungenembolie-Diagnostik nicht

Mélanie Roussel von der Universität von Rouen und ihr Team erforschten in ihrer Studie, ob sich der Verdacht auf Lungenembolie mit einer Kombination von Anamnese-Frage und einem Bluttest auf D-Dimere sicher ausschließen lässt. D-Dimere sind Spaltprodukte, die bei Blutgerinnungsprozessen entstehen. Hohe Werte weisen auf Thrombosen hin. Bisher sehen Leitlinien für bei Patient*innen ohne bekannte Gerinnungsstörungen vor, Thrombosen in der Lunge anhand umfangreicher Anamnese-Fragen (Wells-Score), eines Tests auf D-Dimere und je nach Testergebnis eines speziellen Lungen-CTs (CTPA) zu untersuchen. Das Problem dabei: Die CTPA-Raten steigen seit den 2000er-Jahren an, aber es werden vor allem mehr Niedrig-Risiko-Lungenembolien entdeckt.

Eine Frage und ein angepasster D-Dimer-Test für alle

Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Forscher*innen insgesamt 1.221 Proband*innen mit Verdacht auf Lungenembolie mit einem neuen Diagnose-Algorithmus. Diese modifizierte simplifizierte Diagnosestrategie (MODS) sieht bei Verdacht auf Lungenembolie an erster Stelle anstatt eines Scores eine einzige Frage vor: Ist Lungenembolie die wahrscheinlichste Diagnose?

Unabhängig von der Antwort folgt darauf ein D-Dimer-Test. Die Grenzwerte für eine anschließende CTPA lagen bei negativer Antwort („nicht die wahrscheinlichste Diagnose“) bei 1000 ng/ml. Bei positiver Antwort („die wahrscheinlichste Diagnose) kam ein altersadaptierter Grenzwert zum Einsatz (Menschen unter 50 Jahre 500 ng/ml, über 50 Jahre Alter x 10 ng/ml). Nur wenn der jeweilige Grenzwert überschritten ist, sollte anschließend eine CTPA angefertigt werden.

Keine Lungenembolie übersehen

Bei der Auswertung der Daten zeigte sich: Es wurden keine Erkrankungen übersehen. Eine Bildgebung war bei 33 Prozent der Studienteilnehmer*innen erfolgt. Mit der Standarddiagnostik mit Wells-Score und 500-ng/ml-Grenze für die D-Dimere hätten 50 Prozent bildgebend untersucht werden müssen. Durch die veränderte Diagnosestrategie konnten die Ärzt*innen also ein Drittel der Untersuchungen vermeiden.

Quelle:

Ärztezeitung

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