Harnwegsinfektionen: Antibiotika-Resistenzen schneller erkennen

Harnwegsinfekte zählen zu den häufigsten bakteriellen Infektionen. Ebenfalls häufig: die Therapie mit einem Breitbandantibiotikum, ohne den Erreger der Infektion vorher mittels Antibiogramm zu bestimmen. Ein Grund dafür sind die mehrtägigen Wartezeiten auf die Ergebnisse dieser Untersuchung. Ein neues Verfahren kann Wissenschaftler*innen der TU München zufolge Antibiotikaresistenzen bei Harnwegsinfektionen deutlich schneller ermitteln als die Standardmethode

Breitbandantibiotika begünstingen Resistenzen

Bei der Diagnose geht es in der Regel noch schnell: Harnwegsinfektionen lassen sich in der Regel durch einen Schnelltest diagnostizieren, der erhöhte Nitrit- und Leukozytenzahlen im Urin messen kann. Ist ein Antibiotikum erforderlich, dauert es dann jedoch: Bis die Ergebnisse vorliegen, vergehen zwei bis drei Tage. Muss eine antibiotische Behandlung  schneller erfolgen – etwa bei Risikopatient*innen –, greifen Mediziner*innen zu Wirkstoffen, die gegen mehrere Erreger gleichzeitig helfen. Allerdings begünstigen solche Breitbandantibiotika die Entstehung von Resistenzen.

Urin direkt testen statt Bakterienkultur züchten

Eine Abeitsgruppe von Wissenschaftler*innen an der TU München hat nun eine Methode entwickelt, um Urinproben schneller auf die Wirksamkeit von Antibiotika zu untersuchen. Statt im ersten Schritt eine Bakterienkultur aus dem Testurin zu züchten, wird der Urin direkt auf eine Nährbodenplatte aufgetragen, auf der Antibiotikaplättchen angeordnet sind. Im Anschluss messen Labormediziner*innen, wie groß die Hemmhöfe sind – jene Bereiche, in denen Bakterien aufgrund des Antibiotikums nicht wachsen. Um die Ergebnisse abzusichern, berücksichtigt ein Algorithmus die tatsächliche Bakterienkonzentration im Urin und gleicht deren Einfluss auf die Hemmhöfe aus. 

Nur noch ein Tag bis zum Ergebnis

Mit der neuen Methode lässt sich die Zeit zwischen Test und Ergebnis um bis zu 24 Stunden verkürzen. Davon profitieren die Patient*innen: Sie können früher zielgerichtet mit dem passenden Antibiotikum behandelt werden und auf Breitband-Antibiotika verzichten. Das Verfahren soll noch verfeinert werden – und kann dann, so die Hoffnung der Forschenden, zukünftig als Point-of-Care-Test direkt in ärztlichen Praxen eingesetzt werden.

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