Labortests bei Depressionen: Aktualisierte Leitlinie empfiehlt therapeutisches Drug Monitoring

Über neun Millionen Menschen in Deutschland leiden an Depressionen. Etwa fünf Millionen Betroffene nehmen Medikamente gegen die Erkrankung. Allerdings wirken diese Antidepressiva nicht bei allen. Fachmediziner*innen raten in Leitlinien dazu, in solchen Fällen den Medikamentenspiegel im Blut zu kontrollieren. Allerdings findet dieses sogenannte therapeutische Drug Monitoring (TDM) nur bei etwa 30 Prozent der ambulant behandelten Menschen mit Depressionen statt.

Das Foto zeigt einen Sonnenaufgang: Am Horizont leuchtet ein roter Streifen Himmel.
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Erst einmal Medikamentenspiegel im Blut bestimmen!

Gegen Depressionen steht eine Vielzahl an Medikamenten zur Verfügung: Rund 30 Wirkstoffe sind zur Behandlung von Depressionen zugelassen. Zumeist verändern die Medikamente die Wirkweise von bestimmten Botenstoffen im Gehirn oder steigern die verfügbare Menge der Botenstoffe. Zwar besteht über die genaue Wirkweise der Medikamente immer noch keine abschließende Klarheit. Unstrittig ist jedoch, dass die Medikamente in einer bestimmten Konzentration im Körper vorhanden sein müssen, um überhaupt eine Wirkung entfalten zu können. Wenn Antidepressiva keine Wirkung zeigen, sollte daher neben anderen Maßnahmen auch der Medikamentenspiegel im Blut gemessen werden. Welche Referenzwerte für welche Wirkstoffe sinnvoll sind, haben Fachmediziner*inne in einer aktuellen internationalen Leitlinie berechnet. Bleibt das Medikament trotz angemessener Werte wirkungslos, kann mit gutem Grund auf ein anderes Medikament gewechselt werden.

Gene, Alter und Lebensgewohnheiten beeinflussen Wirkstoffkonzentration

Die meisten Antidepressiva benötigen etwa vier Wochen, bis sich die ausreichende Wirkstoffkonzentration im Körper aufgebaut hat. Gene, Alter und Lebensgewohnheiten können jedoch dazu führen, dass zu wenig Wirkstoffe im Organismus ankommen. Neben genetischer Veranlagung zu einem sehr aktiven Stoffwechsel (Ultra Rapid Metabolizer) beeinflusst auch das Alter die Verarbeitung der Medikamente. Das liegt vor allem daran, dass die Leberleistung sich mit zunehmenden Lebensjahren deutlich verlangsamt – die meisten Antidepressiva jedoch hauptsächlich in der Leber verstoffwechselt werden. Auch wenn Menschen mit Depressionen regelmäßig rauchen, benötigen sie meist eine höhere Medikamentendosis, um die empfohlene Wirkstoffkonzentration zu erreichen. Da die Werte zur bestmöglichen Einstellung der Betroffenen mehrfach durch Bluttests bestimmt werden müssen, raten Expert*innen dazu, das TDM bevorzugt im stationären Setting durchzuführen.

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