BMI als Screeninginstrument mit begrenzter Aussagekraft
Der BMI ergibt sich aus dem Verhältnis des Körpergewichts zur Körpergröße. Mit seiner Hilfe soll der Köperfettanteil abgeschätzt werden. Die Aussagekraft des Wertes für individuelle Gesundheitsrisiken ist jedoch begrenzt: Da der BMI weder das Verhältnis von Muskelmasse zu Körperfett noch die Fettverteilung berücksichtigt, können rein rechnerisch sowohl sehr muskulöse Menschen einen hohen BMI haben als auch sehr schlanke Menschen dennoch eine sehr ungünstige Fettverteilung aufweisen – etwa tief im Bauchraum und rund um die Organe. Gerade diese viszerale Fettverteilung verstärkt das Risiko etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
Laborwerte ergänzen neuen Risikoscore
Um die Auswirkungen des Körperfetts auf die Gesundheit präziser einordnen zu können, haben Forscher*innen vom Berlin Institute of Health at Charité und der Queen Mary University of London das Risikomodell OBSCORE entwickelt. Es basiert auf 20 Parametern, die neben Bezugspunkten wie Alter und Geschlecht und dem Taille-zu-Größe-Verhältnis auch Laborwerte umfasst. Dazu gehören Leberwerte (GGT und GTP), Nierenwerte (Harnsäure und Kreatinin), HDL-Cholesterin und der Langzeitblutzuckerwert HbA1c. Die Auswertung der Daten ergab, dass sich mit OBSCORE das Erkrankungsrisiko unter anderem von Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes besser vorhersagen lässt als mit dem BMI.
Zielgerichteter behandeln ohne BMI
Die Studienergebnisse wirken sich den Forscher*innen zufolge unmittelbar auf die Versorgung von Patient*innen aus. Immerhin drohen auch bei einem BMI unterhalb der Adipositasgrenze auf lange Sicht gesundheitliche Risiken für Herz, Kreislauf und Stoffwechsel, wenn Körperfett ungünstig verteilt oder der Anteil an Köperfett erhöht ist. Differenziertere Risikomodelle könnten daher helfen, diejenigen Menschen zu erkennen, die besonders von einer Behandlung profitieren – unabhängig davon, ob sie formal als adipös gelten.
