Viel mehr als nur Masern
Um mehr über die Auswirkungen einer Maserninfektion auf das Immunsystem zu erfahren, werteten Wissenschaftler in einer Studie Blutproben von 77 nicht geimpften Schulkindern aus, die 2013 in den Niederlanden eine Maserninfektion durchlebt hatten. Die erste Blutprobe stammte aus der Zeit vor der Erkrankung, die zweite wurde bis zu zwei Monate danach entnommen. Zum Vergleich untersuchten sie zusätzlich Blutproben von gegen Masern geimpften sowie von ungeimpften, nicht erkrankten Kindern. Die Auswertungen ergaben: Vor der Masernerkrankungen trugen alle Kinder zahlreiche Antikörper gegen gängige Erreger in sich, wie für gesunde Schulkinder typisch. Doch nach der Masernerkrankung sank die Menge und Vielfalt der Antikörper deutlich – bei einigen Kindern, die nur leicht an Masern erkrankt waren, sogar um 73 Prozent. Dieser Effekt hielt auch fünf Monate nach der Maserninfektion noch an. Die Kinder in der Kontrollgruppe behielten dagegen ihren vollen Immunschutz.
Impfung schützt Langzeitgedächtnis des Immunsystems
Durch eine Maserninfektion kann selbst der Immunschutz durch frühere Impfungen beispielsweise gegen Grippe wieder verlorengehen. Der Körper kann gegen andere Viren und Bakterien nicht mehr effektiv kämpfen. Das erklärt, warum Menschen nach einer Masernerkrankung häufiger auch an anderen Infekten erkranken. Nach Ansicht der Wissenschaftler bestätigen die Ergebnisse, dass das Masernvirus noch gefährlicher ist als angenommen – und dass eine Masernimpfung nicht nur vor diesem Virus schützt, sondern auch vor einer Immunschwäche gegen viele andere Erreger.
Quelle:
zu den Studien:
Michael Mina (Harvard Medical School, Boston) et al., Science, doi: 10.1126/science.aay6485; Velislava Petrova (Wellcome Sanger Institute, Cambridge) et al., Science Immunology, doi: 10.1126/sciimmunol.aay6125

