Urinstreifen und Mikroskop
Experten der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM gehen in ihrer S1-Handlungsempfehlung „Nicht-sichtbare Hämaturie“ von einer Prävalenz von bis zu 20 Prozent bei Patienten in Deutschland aus. Dazu kommt: Jeder zweite Gesunde weist nach Forschungsergebnissen eine Mikrohämaturie auf. Fällt ein erster Urinstreifentest positiv aus, sollte er laut DEGAM zwei Mal wiederholt werden. Zudem empfehlen Mediziner des Deutschen Hausärzteverbandes, den Befund durch mikroskopische Untersuchungen des Urins bzw. Urinsediments (Kammer- oder Sedimentzählung) abzusichern. Eine Mikrohämaturie besteht, wenn in zwei von drei sauber aufgefangenen Proben aus dem Mittelstrahlurin mehr als drei Erythrozyten pro Gesichtsfeld nachgewiesen werden.
Risikoprofil und Alter
Bei einer Mikrohämaturie gilt es zunächst, akute oder chronische Harnwegsinfekte auszuschließen. Weisen weitere Laborwerte wie CPR, Kreatinin und Harnstoff auf urologische Erkrankungen wie etwa eine Niereninsuffizienz hin, sollten Allgemeinmediziner die Patienten an einen Nephrologen überweisen, so die DEGAM. Gleiches gilt bei zu viel Eiweiß im Urin sowie bei deutlichem Bluthochdruck über 140/90 mm Hg. Bei Patienten über 40 Jahren empfehlen die Experten die Überweisung an einen Urologen, wenn mindestens ein Risikofaktor für Blasenkrebs vorliegt. Zur Kontrolle von abgeklärten und nicht mehr nachweisbaren Mikrohämaturien reichen je eine Laborkontrollen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Stellen sich trotz Abklärung immer wieder unsichtbare Blutungen ein, empfehlen US-amerikanische Mediziner in ihrer Leitlinie, jährlich den Urin zu untersuchen.
Quellen:
Medical Tribune, 17.10.2014
S1-Handlungsempfehlung der DEGAM
Deutscher Hausärzte-Verband e.V.
American Urological Association-Guidline
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