Wenn die Reisediarrhö bleibt

Die einen starten gerade in den Urlaub, die anderen kehren schon wieder zurück – manche mit unliebsamen Souvenirs: Etwa fünf bis zehn Prozent der Urlauber, die von Fernreisen in exotische Länder nach Hause kommen, leiden nach einer überstandenen Reisediarrhö noch an einem Reizdarm-Syndrom, so Experten des Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg. Um Patienten gezielt behandeln zu können, müssen Mediziner die Erreger nachweisen.

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Reizdarm oder Infektion?

In der Regel lassen die Beschwerden wie Durchfälle, Verstopfung, Bauchschmerzen und Blähungen mit der Zeit nach. Klagen Patienten aber länger als vier Wochen über Beschwerden oder leiden sie unter blutigen oder schleimigen Durchfällen, sollten Ärzte die systematisch reisebedingte Ursachen abklären. Wenn die Betroffenen überwiegend von wässrigen Durchfällen berichten, liegt der Verdacht auf eine Giardiasis nahe, eine der häufigsten Parasitenerkrankungen nach Tropenreisen. Mit PCR lassen sich die Erreger im Stuhl der Betroffenen sicher nachweisen. Ob die anhaltenden Beschwerden auf Wurmbefall zurückzuführen sind, können Ärzte mit einer Blutuntersuchung klären. Ein erhöhter Wert eosinophiler Granulozyten weist auf diese Erkrankung hin.

 

Antibiogramm bei bakteriellen Auslösern

Schweren Durchfällen begegnen Mediziner auch mit Antibiotika, wenn sich bei der Stuhluntersuchung weitere Bakterien wiederfinden. Da bakterielle Durchfallerreger zunehmend Resistenzen entwickeln, empfiehlt sich ein Antibiogramm. Je nach Ergebnis können Ärzte dann ein spezifisch wirksames Antibiotikum einsetzen. Bleibt die Suche nach Parasiten oder Bakterien jedoch erfolglos, helfen Basisdiagnostik, Koloskopie und Stufenbiopsie dabei, Ursachen für den chronischen Durchfall zu finden.

 

Quelle:
DMW – Deutsche Medizinische Wochenschrift

 

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IPF-Faltblatt Reisemedizin

VDGH Labortipp Calprotectin-Diagnostik unterscheidet Darmentzündung von Reizdarm

Reisemedizinisches Zentrum am Bernhard-Nocht-Institut / Fachinformationen

Medical Tribune zur Differenzialdiagnostik bei chronischem Durchfall

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