S3-Leitlinie zu Hodentumoren veröffentlicht

Zum ersten Mal gibt es eine Leitlinie höchster Klassifikation zur Diagnose und Therapie von Keimzellentumoren der Hoden. Veröffentlicht wird sie im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie, das die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und die Deutsche Krebshilfe aufgelegt haben. Im Rahmen der als verbindlich vorgeschlagenen Diagnostik spielen Laboruntersuchungen eine ebenso wichtige Rolle wie in der Nachsorge.

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Schneller zur bestmöglichen Therapie

Keimzelltumoren (KZT) des Hodens zählen zu den Krebserkrankungen mit den höchsten Überlebenswahrscheinlichkeiten. Die relativen Fünf-Jahres-Überlebensraten liegen bei 96 Prozent, zehn Jahre nach Erkrankung sind immer noch 95 Prozent der Patienten am Leben. Allerdings zeigen Analysen des Nationalen Zweitmeinungs­projekts Hodentumor nach zehn Jahren Laufzeit und über 6.000 Zweitmeinungen, dass jede fünfte Zweitmeinung zu einer Optimierung der Therapieplanung führt. Die neue S3-Leitlinie soll nun dafür sorgen, dass Patienten schneller optimal behandelt werden können. Dazu gehört auch die Empfehlung, Patienten mit metastasierendem Hodenkrebs zügig an Einrichtungen mit ausgewiesener Expertise zu überweisen.

Serumtumormarker bestimmentypo3/#_msocom_1

Zur Erstdiagnose empfehlen die Autoren bildgebende Verfahren wie Sonografie und MRT. Labortests ergänzen die Diagnostik. So sollen die Serumtumormarker AFP, Beta-hCG und LDH sowohl in der Primärdiagnostik vor einer Operation sowie nach einer Operation zur Definition des klinischen Stadiums bestimmt werden. Präoperativ erhöhte Werte müssen am ersten Tag nach OP, danach alle fünf bis sieben Tage kontrolliert werden. Anhand des ermittelten Tiefstwertes der Serumtumormarker erfolgt die Festlegung des S-Stadiums. Der postoperative Nadir der Serumtumormarker wird ebenfalls für die UICC-Stadieneinteilung verwendet. Patienten mit metastasierter Erkrankung werden nach der International Germ Cell Cancer Collaborative Group (IGCCCG) eingeteilt. Hierfür müssen ebenfalls die Serumtumormarker-Werte bekannt sein.Zur Nachsorge sehen die Leitlinienautoren vierteljährliche Labortests auf Tumormarker vor. Je nach Verlauf der empfehlen sie erweiterte Labortests auf Hormon- und Lipidwerte.