Labortests: Mikroalbuminurie richtig nachweisen

Fast jeder Zehnte in Deutschland hat Bluthochdruck, bei jedem dritten Erwachsenen stellen Ärzte hierzulande eine Hypertonie fest. Beide Erkrankungen bringen ein besonderes Risiko für Nierenerkrankungen mit sich. Aktuelle Leitlinien empfehlen daher für Risikopatienten ein regelmäßiges Screening auf Mikroalbuminurie (MAU). Experten weisen darauf hin, dass nur spezifische Labornachweisverfahren eine sichere Diagnose ermöglichen.

Urinproben in Bechern

Mikroalbuminurie signalisiert Endorganschäden

20 bis 40 Prozent aller Diabetiker entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung eine diabetische Nephropathie. Der Nachweis einer schon minimal erhöhten Proteinausscheidung im Urin (MAU) eignet sich als Warnhinweis. Frühzeitig diagnostiziert, besteht noch die Möglichkeit, die Nierenfunktion zu erhalten. Nicht nur aus nephrologischer Sicht fungiert das MAU-Screening als rote Flagge. Diabetiker und Hypertoniker tragen zusätzlich ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Internationale Studien zeigen, dass erhöhte Albumin-Werte bei diesen Patienten die kardiovaskuläre Mortalität fast um das Dreifache erhöhen. Darum sollten alle Risikofaktoren für das Herz-Kreislauf-System sorgfältig kontrolliert werden.

Spezifischer Nachweis erforderlich

Um bereits Albuminkonzentrationen von 20mg/l nachweisen zu können, empfehlen Praxisleitlinien besondere immunologische Urinschnelltests. Sie sind spezifisch für den Nachweis von humanem Albumin. So lassen sich Kreuzreaktionen mit anderen Humanproteinen wie IgG und IgA so gut wie ausschließen. Zum Nachweis braucht es drei Messungen im Spontanurin oder im 24-Stunden-Sammelurin. Fallen zwei von drei Tests positiv aus, gilt die MAU als nachgewiesen. Ärzte können alle drei Tests gemäß EBM und GOÄ abrechnen. Diabetes-Patienten sollten jährlich gescreent werden. Fällt der Test positiv aus, empfiehlt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft, die Albuminwerte zwei- bis vier Mal im Jahr zu kontrollieren. Die Leitlinie für das Management der arteriellen Hypertonie rät dazu, Patienten alle zwei Jahre auf eine MAU zu testen.

 

Quelle:

Ärztezeitung, 19.12.2016