Forschung: Alternative zu Antibiotika?

Die zunehmende Bildung von Antibiotika-Resistenzen ist eines der drängendsten medizinischen Probleme. Frankfurter Forscher haben ein neues Konzept entwickelt, um die konventionelle Therapie zu unterstützen: Sie greifen in den Wirkmechanismus von Bakterien ein, ohne diese direkt anzugreifen.

Indirekter Angriff

Forscher der Goethe-Universität Frankfurt haben ein neues Konzept zur Bekämpfung von Bakterien entwickelt, ohne auf Antibiotika zurückgreifen zu müssen. Ihre Methode basiert nicht auf das direkte Ausschalten der Bakterien, sondern in dem Unschädlichmachen seiner hergestellten Enzyme, schreiben die Wissenschaftler in der Online-Ausgabe von "Nature". Bereits in einer früheren Studie konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass Bakterien mittels des Enzyms SdeA das Ubiquitin-System ihres Wirts manipulieren. Dadurch wird das Schutzsystem außer Kraft gesetzt, die Bakterien erlangen Kontrolle über den Wirtskörper.  In einem weiteren Forschungsschritt haben die Wissenschaftler nun die Struktur von SdeA analysiert und bewiesen: Die bakteriellen Enzyme sind gezielt angreifbar.

Manipulation auf Protein-Ebene: neue Therapieoptionen?

Die Frankfurter Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben bereits einen Inhibitor entwickelt, der das toxigene SdeA hemmt. Ihre Proteinhemmung könnte in Zukunft eine Antibiotika-Therapie unterstützen: "Wir glauben, dass wir die konventionelle Antibiotika-Therapie ergänzen können, indem wir bakterielle Effektorproteine gezielt mit rational entwickelten Wirkstoffen ausschalten, führt Dikic weiter aus. Ob dies zu einem geringeren Einsatz von Antibiotika  und damit zur Vermeidung von Resistenzen führt, bleibt jedoch noch offen.

 

Quelle:

Ärztezeitung online