Diphterie-ähnliche Erkrankungen durch heimische Bakterien
Toxinbildende Stämme von Corynebacterium ulcerans können diphtherieähnliche Erkrankungen beim Menschen verursachen. Hierzu zählen lokale und systemische Manifestationen wie Rachen- und Hautdiphtherie sowie Herzmuskel- und Nervenschädigungen. Während die klassische Diphtherie vorwiegend aus Ländern mit geringer Durchimpfungsrate eingeschleppt wird, lauert C. ulcerans vor der Haustür: Die Erreger finden sich in Wild-, Zoo- sowie Nutz- und Haustiere.
Hoch infektiös
Studien zufolge finden sich die Erreger zunehmend bei Menschen. Bei Laboranalysen konnten Mediziner sie vor allem aus Haut- und Weichteilproben, seltener aus dem Mund-Rachenraum isolieren. Auffallend: der hohe Anteil toxischer Stämme. In 85 Prozent der von Menschen und bei 70 Prozent der von Tieren stammenden Isolate ließ sich das Diphtherietoxin-Gen nachweisen. Zum Vergleich: Nur acht Prozent der im selben Zeitraum isolierten C. diphtheriae-Stämme waren toxigen. Das Alter betroffener Menschen lag im Durchschnitt bei 52 Jahren; am häufigsten infizierten sich die Patienten durch Kontakt mit Tieren.
Behandlung mit Antibiotika und Immunisierung mit Impfstoff
Obwohl eine Übertragung von Mensch zu Mensch sich bislang noch nicht eindeutig nachweisen lässt, raten Mediziner dazu, enge Kontaktpersonen von Erkrankten so zu behandeln wie bei einer durch C. diphtheriae verursachten Diphtherie. Dazu gehört eine antibiotische Postexpositionsprophylaxe sowie – mangels einer C. ulcerans-spezifischen Vakzine – die aktive Immunisierung mit dem Diphtherie-Impfstoff. Und nicht vergessen: Ärzte müssen die Infektion melden.
Quellen:
Robert Koch-Institut, EpidBull 2018/8
