Allgemeinmedizin: mehr Mut zu Labortests

Für rund 40 Prozent der Konsultationen in der Primärversorgung reichen Anamnese und körperliche Untersuchung nicht für eine Diagnose aus. Dann sind weitere Tests nötig. Forscher um Dr. Jack O'Sullivan vom Zentrum für Evidenzbasierte Medizin der Universität Oxford kommen in einer Studie zu dem Ergebnis: Manche Tests könnten Allgemeinmediziner noch stärker nutzen als bisher.

Mehr Erleichterung durch Labortests

O'Sullivan und Kollegen haben 63 Studien aus 15 Ländern – darunter die USA, das Vereinigte Königreich, Finnland, Schweden, die Niederlande, Frankreich und Italien – einer Metaanalyse unterzogen, um möglicher Über- und Unterdiagnostik auf die Spur zu kommen. Sie werteten die Daten von mehr als 350.000 Patienten aus, die 47 verschiedenen Tests unterzogen worden waren. Maßgeblich für die korrekte Indikation von Tests waren einschlägige Leitlinien. Ihr Ergebnis: An der Spitze der zu selten gemachten Untersuchungen standen die Hepatitis-B-Serologie bei Verdacht auf akute Hepatitis, der Test auf Neisseria gonorrhoeae bei Verdacht auf Epididymitis und die Untersuchung auf Chlamydia trachomatis, ebenfalls bei Verdacht auf Epididymitis.

Diagnose als Hochleistungspuzzle

Für Allgemeinmediziner ist jede Diagnose ein komplexer Vorgang, so die Forsche der Universität Oxford. Meist undifferenzierte und multiple Symptome, eine geringe Prävalenz ernster Erkrankungen sowie ein hoher Grad an Überlappung von Symptomen ernster und benigner Krankheiten erfordern hohe Fachkompetenz. Zudem müssen Allgemeinmediziner auch die soziale und psychische Situation der Patienten überblicken und in die Diagnose einbinden.

 

Quelle:

Ärztezeitung