Antibiotika: immer mehr resistente Typhuserreger

Eine Analyse von mehr als 7.500 bakteriellen Genomen zeigt, dass Typhuserreger offenbar zunehmend resistent gegen die wichtigsten Antibiotika werden. Die bislang größte Genomanalyse des Erregers ergab außerdem, dass resistente Stämme sich seit 1990 fast 200-mal vorwiegend von Südasien auf andere Länder ausgebreitet haben. Fachleute warnen: Es handelt sich um ein globales und keineswegs lokales Problem.

Wasserglas umgeben von verschiedenen Antibiotika-Tabletten
Bild: Fotolia

Gensequenzierung gibt Aufschluss über Resistenzen

Typhus ist hierzulande sehr selten geworden. Die meisten der in Deutschland gemeldeten Fälle werden aus überwiegend asiatischen Ländern importiert. Zwar lässt sich Typhus mit Antibiotika erfolgreich behandeln, allerdings treten immer häufiger gegen Antibiotika resistente Stämme von S. Typhi auf. In einer umfangreichen Studie untersuchten Wissenschaftler*innen von der Universität Stanford Blutproben, die zwischen 2014 und 2019 von Typhus-Patienten in Bangladesch, Indien, Nepal und Pakistan genommen wurden. Außerdem wurde eine Sammlung von 4169 S. Typhi-Proben sequenziert und analysiert, die zwischen 1905 und 2018 in mehr als 70 Ländern entnommen worden waren. Die Analyse ergab, dass sich resistente S. Typhi-Stämme seit 1990 mindestens 197-mal von einem Ursprungsland auf andere Länder ausgebreitet haben. Die meisten dieser Stämme traten in Südasien aus und verbreiteten sich von dort aus nach Südostasien, Ost- und Südafrika. Es gab aber auch Berichte über Fälle im Vereinigten Königreich, in den USA und Kanada.

Ausbreitung der resistenten Typhuserreger wahrscheinlich unterschätzt

Die sequenzierten S. Typhi-Genome machen nur einen Bruchteil der weltweiten Typhusfälle aus. Deshalb gehen die Stanford-Wissenschaftler*innen davon aus, dass ihre Schätzungen zu resistenzverursachenden Mutationen und zur internationalen Verbreitung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu niedrig angesetzt sind. Die genomische Überwachung muss ihrer Einschätzung nach dringend ausgeweitet werden, um einen besseren Überblick über das Auftreten und die Verbreitung antibiotikaresistenter Stämme zu erhalten. Gleichzeitig unterstreicht die Tatsache, dass resistente Stämme von S. Typhi sich so viele Male international verbreitet haben die Notwendigkeit, die Eindämmung von Typhus und Antibiotikaresistenzen im Allgemeinen als globales und nicht als lokales Problem anzusehen.

 

Quelle:

Ärzteblatt

 

 

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