Harnwegsinfektion: ohne Labortest ein Drittel Fehldiagnosen

Harnwegsinfektionen (HWI) sind häufig: Über die Hälfte aller Frauen erkranken mindestens einmal im Leben daran. Für die Diagnose sind Labortests unverzichtbar. Bei Diagnosen allein auf Basis der klinischen Anzeichen kommt es zu einer Fehlerquote von bis zu einem Drittel.

Urinbecher für Labortests
Bjoern Wylezich - Fotolia

Labortest spüren Bakterien im Urin auf

Urinuntersuchungen helfen dabei, Harnwegsinfektionen eindeutig festzustellen. Am besten eignet sich dazu eine Urinprobe aus dem bereits laufenden Harnstrahl (Mittelstrahlurin). Der Grund: Zu Beginn des Wasserlassens verunreinigen in der Regel Keime, die den Harnröhrenausgang ganz normal besiedeln, die Probe. Für die Laboruntersuchung reichen schon 20 Milliliter – das entspricht der Menge Flüssigkeit in einem Schnapsglas. Zählen Labormediziner mehr als 100.000 Keime pro Milliliter, liegt auf eine Infektion der Harnwege vor.

Nachweis aus Urinkultur

Schweren Harnwegsinfektionen und Nierenbeckenentzündungen müssen in der Regel mit Antibiotika behandelt werden. Problematisch: Immer mehr Erreger entwickeln Widerstandskräfte gegen die Medikamente. Die Hauptursache für diese Antibiotika-Resistenzen sehen Fachmediziner darin, dass vor einer Behandlung zu selten die infektionsauslösenden Erreger identifiziert werden, etwa mittels Urinkultur. Sie verrät, um welche Bakterienstämme genau es sich handelt. Im Labor werden Proben aus dem Urin auf mikrobiologische Nährböden aufgetragen; anschließend können sich vorhandene Erreger bei 37 Grad im Inkubator vermehren. So gewinnen die Mediziner genug Material, um die Erregerart zu bestimmen, der behandelnde Arzt kann gezielt die wirksamsten Antibiotika verordnen. Neben solchen mikrobiologischen Verfahren gibt es auch molekulardiagnostische Methoden, um die Erreger zu bestimmen.

 

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