Nierenversagen: sechs Laborparameter erlauben bessere Vorhersage

Etwa neun Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer chronischen Nierenerkrankung. Diagnostizieren Mediziner*innen eine Niereninsuffizienz, bleibt unklar, wann die Nieren gänzlich versagen. Ein neuer Risikoscore auf Basis von sechs routinemäßig verfügbaren Blut- und Urinwerten erlaubt nun eine deutlich bessere Vorhersage, wann eine Dialyse erforderlich wird.

Junge Arzthelferin führt Dialyse bei männlichem Patient auf Behandlungsstuhl durch.
Tyler Olson | Adobe Stock

Neue Risiko-Formel

In ihrer Studie filterten die Wissenschaftler*innen mithilfe von maschinellem Lernen  aus 22 Laborparametern sowie aus demographischen Daten und Körpermaßen von 5.000 Studienteilnehmer*innen diejenigen heraus, die zur Vorhersage des Nierenver­sagens maßgeblich sind. Die neue Risikoformel umfasst die Laborparameter Kreatinin, Albumin, Cystatin C und Harnstoff, alle aus Blutserum gemessen. Zusätzlich gehören der Hämoglobin-Wert und das Albumin-zu-Kreatinin-Verhältnis im Urin zu den Vorhersageparametern.

Zuverlässiger als bisheriger Goldstandard

Die benötigten Laborwerte stehen den Forscher*innen routinemäßig zur Verfügung und sind unkompliziert zu bestimmen. Es zeigte sich, dass die Werte ein drohendes Nierenversagen zuverlässiger vorhersagen als der bisherige Goldstandard, der Tangri-Score. Die Studienergebnisse wurden in drei unabhängigen, internationalen Validierungskohorten, die mehr als 3.000 Patient*innen mit chronischer Nierenerkrankung umfassten, bestätigt. Die Forscher*innen erhoffen sich von der Anwendung des neuen Scores, Patient*innen zu identifizieren, die von einer intensivierten fachärztlichen Betreuung profitieren würden.

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