Schutz von Anfang an Vorsorge-Impfungen bei Kindern

Kinder: Wenn sie das Licht der Welt erblicken, muss sich ihr Immunsystem spätestens nach der Stillzeit erst Stück für Stück aufbauen. Im Kindergartenalter durchleben sie die typischen Kinderkrankheiten, gegen die sie dann lebenslang immun sind. Doch aufgepasst: Manche Kinderkrankheit kann zu gefährlichen Komplikationen und Folgeschäden führen; im Erwachsenenalter verlaufen sie ohnedies schwerer. Impfen lautet da die Devise.

Stand Mai 2019

Immunologischer Nestschutz

Das Immunsystem: Täglich wehrt es eine Flut von Keimen aus der Umwelt ab – auch bei Neugeborenen. Sie haben einen immunologischen Nestschutz. Denn bereits während der Schwangerschaft gibt die Mutter über die Nabelschnur Antikörper an ihr Kind ab, sodass das Kind denselben Immunstatus wie die Mutter besitzt. 

Immunstatus vor Schwangerschaft prüfen

In der Stillzeit bleibt dieser Schutz über die Muttermilch erhalten. Frauen sollten deshalb am besten vor einer Schwangerschaft den eigenen Immunstatus vom Arzt überprüfen lassen. Denn die Immunität der Schwangeren schützt auch das Ungeborene.

Vorsorgen von U1 bis U9

Nach der Geburt wird das körpereigene Abwehrsystem Schritt für Schritt aufgebaut. Ob dies störungsfrei geschieht, wird auch durch die Vorsorgeuntersuchungen, die sogenannten U1- bis U9-Untersuchungen, kontrolliert, die das Kind während seiner Entwicklung bis zum sechsten Lebensjahr begleiten.

Typische Kinderkrankheiten oder Krankheiten in der Kindheit?

Schnupfen, Halsentzündungen, Bronchitis sind häufige Krankheiten im Kindesalter. Drei bis fünf Erkältungen im Jahr sind völlig normal. Kommen dazu jedoch Husten und Fieber, sollte der Arzt aufgesucht werden. Grundsätzlich gilt: Je jünger das Kind, desto eher zum Arzt.

Schnell angesteckt

Häufigste Ursachen für Kinderkrankheiten sind Viren oder Bakterien. Ob eine Infektion auch zu einer Erkrankung führt, hängt von der Art der Erreger sowie der Abwehrlage des kindlichen Organismus ab. Kinderkrankheiten zeichnen sich durch eine besonders hohe Ansteckungsgeschwindigkeit aus, bedingt durch den engen Kontakt der Kinder untereinander – etwa in Kindergärten oder Schulen.

Gefährliche Komplikationen

Typische Kinderkrankheiten sind Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken. Sie sind meist mit Hautausschlägen verbunden und können zu gefährlichen Komplikationen führen: Mittelohr-, Lungen- oder Hirnhautentzündungen und spätere Unfruchtbarkeit bei Männern sind mögliche Folgen von Masern, Mumps oder Röteln. Gefährlich sind auch Diphtherie und Kinderlähmung. Dank systematischer Schutzimpfungen sind sie in Deutschland kaum mehr vorhanden. Zur Diagnose macht man Bluttests oder Abstrichuntersuchungen aus dem Rachenraum bei Diphtherie, Scharlach und Keuchhusten.

Impfen schützt – keine Angst vor Nebenwirkungen

Kinder sollten so früh und so vollständig wie möglich geimpft werden, das ist das erklärte Ziel der Ständigen Impfkommissionam Robert Koch-lnstitut (STIKO).

Die STIKO empfiehlt:

Ab einem Alter von sechs Wochen Schutzimpfung gegen

  •  Rotaviren

Ab einem Alter von zwei Monaten Schutzimpfung gegen

  • Diphtherie,
  • Keuchhusten (Pertussis),
  • Wundstarrkrampf(Tetanus),
  • Pneumokokken,
  • die Impfung gegen einen bestimmten Erreger der Hirnhautentzündung (Haemophilus influenzae Typb),
  • Hepatitis B,
  • Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Je nach Impfung erfolgt der kleine Piks alle vier bis sechs Wochen mehrmals wiederholt.

 

Ab dem 11. bis 14. Lebensmonat Schutzimpfung gegen

  • Masern,
  • Mumps,
  • Röteln,
  • Varizellen

Ab dem 12. Lebensmonat Schutzimpfung gegen

  • Meningokokken C

Auf vollständigen Impfschutz und Auffrischung achten

Dank der Verwendung von Kombinationsimpfstoffen können Kleinkinder heute mit nur sechs Injektionen effektiv gegen neun Infektionskrankheiten geschützt werden. Auffrischungen sind mit fünf bis sechs Jahren und zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr nötig. Auch Erwachsene sollten ihren Impfschutz regelmäßig auffrischen lassen. Für Erwachsene empfiehlt die STIKO in diesem Zusammenhang eine Keuchhusten-Impfung in Kombination mit der Diphterie- und Tetanusimpfung. Empfohlen wird dies, weil sich in der Vergangenheit immer wieder Erwachsene bei anderen Erwachsenen und Kindern infiziert haben.

Eine Übersicht aller Impfungen, die die STIKO für Kinder und Erwachsene empfiehlt, finden Sie auch hier: zum Impfkalender der STIKO

Impfreaktionen weniger gefährlich als Folgeschäden einer Infektion

Mögliche Impfreaktionen sind Fieber, Übelkeit und Ausschlag. Dies sollte kein Grund sein, die Kinder nicht impfen zu lassen. Eltern, die Impfungen ablehnen, nehmen das höhere Risiko in Kauf, dass ihre Kinder unter möglichen Folgeschäden einer Kinderkrankheit leiden.

Impfung gegen Hepatitis B

Doch es gibt noch weitere Erkrankungen, gegen die die STIKO eine Impfung empfiehlt. Sie rät zur Hepatitis-B-Impfung aller Kinder und Jugendlichen. Auch Frauen im gebärfähigen Alter sollten einen wirkungsvollen Hepatitis-B-Impfschutz aufweisen. Alle Schwangeren werden auf Hepatitis-B-Antigene getestet. Da die Hauptinfektionsgefahr unmittelbar nach der Geburt besteht, ist in Deutschland die Hepatitis-B-Impfung ab dem dritten Lebensmonat vorgesehen. Denn: Fast 90 Prozent der Infektionen verlaufen bei Neugeborenen chronisch und verursachen in vielen Fällen Komplikationen, wie etwa eine Leberzirrhose.

HPV-Impfung für Mädchen und Jungen

Des weiteren empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. In diesem Alter sind zwei Impfungen im Abstand von mindestens fünf Monaten notwendig. Sollte die erste HPV-Impfung im Alter von 15 Jahren oder älter verabreicht werden, sind insgesamt drei Impfungen erforderlich. Eine Nachholimpfung sollte bis zum Alter von 17 Jahren erfolgen. Ziel ist die Verringerung von HPV-assoziierten Tumoren. Die Kosten für die Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Impfstatus klären

Mit moderner Labordiagnostik kann ein Arzt auch über prüfen, ob gegen bestimmte Krankheiten ein Impfschutz besteht. Dazu misst er die Menge von Antikörpern im Blut, die der Körper gegen den jeweiligen Erreger gebildet hat.