Schutz von Anfang an Vorsorge-Impfungen bei Kindern

Kinder: Wenn sie das Licht der Welt erblicken, muss sich ihr Immunsystem spätestens nach der Stillzeit erst Stück für Stück aufbauen. Im Kindergartenalter durchleben sie die typischen Kinderkrankheiten, gegen die sie dann lebenslang immun sind. Doch aufgepasst: Manche Kinderkrankheit kann zu gefährlichen Komplikationen und Folgeschäden führen; im Erwachsenenalter verlaufen sie ohnedies schwerer. Impfen lautet da die Devise.

Zuletzt überarbeitet August 2021

Informationen zur Corona-Schutzimpfung

Zurzeit empfiehlt die Ständie Impfkommission die Schutzimpfung gegen COVID-19 für Kinder ab 12 Jahren. Es sind die Impfstoffe Comirnaty (Biontech/Pfizer) und Spikevax (Moderna) durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassen. Die jeweils aktuelle Informationen finden Sie auf der Webseite des Robert Koch-Instituts: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/gesamt.html

Immunologischer Nestschutz

Das Immunsystem: Täglich wehrt es eine Flut von Keimen aus der Umwelt ab – auch bei Neugeborenen. Sie haben einen immunologischen Nestschutz. Denn bereits während der Schwangerschaft gibt die Mutter über die Nabelschnur Antikörper an ihr Kind ab, sodass das Kind denselben Immunstatus wie die Mutter besitzt. 

Immunstatus vor Schwangerschaft prüfen

In der Stillzeit bleibt dieser Schutz über die Muttermilch erhalten. Frauen sollten deshalb am besten vor einer Schwangerschaft den eigenen Immunstatus vom Arzt überprüfen lassen. Denn die Immunität der Schwangeren schützt auch das Ungeborene.

Vorsorgen von U1 bis U9

Nach der Geburt wird das körpereigene Abwehrsystem Schritt für Schritt aufgebaut. Ob dies störungsfrei geschieht, wird auch durch die Vorsorgeuntersuchungen, die sogenannten U1- bis U9-Untersuchungen, kontrolliert, die das Kind während seiner Entwicklung bis zum sechsten Lebensjahr begleiten.

Typische Kinderkrankheiten oder Krankheiten in der Kindheit?

Schnupfen, Halsentzündungen, Bronchitis sind häufige Krankheiten im Kindesalter. Drei bis fünf Erkältungen im Jahr sind völlig normal. Kommen dazu jedoch Husten und Fieber, sollte der Arzt aufgesucht werden. Grundsätzlich gilt: Je jünger das Kind, desto eher zum Arzt.

Schnell angesteckt

Häufigste Ursachen für Kinderkrankheiten sind Viren oder Bakterien. Ob eine Infektion auch zu einer Erkrankung führt, hängt von der Art der Erreger sowie der Abwehrlage des kindlichen Organismus ab. Kinderkrankheiten zeichnen sich durch eine besonders hohe Ansteckungsgeschwindigkeit aus, bedingt durch den engen Kontakt der Kinder untereinander – etwa in Kindergärten oder Schulen.

Gefährliche Komplikationen

Typische Kinderkrankheiten sind Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken. Sie sind meist mit Hautausschlägen verbunden und können zu gefährlichen Komplikationen führen: Mittelohr-, Lungen- oder Hirnhautentzündungen und spätere Unfruchtbarkeit bei Männern sind mögliche Folgen von Masern, Mumps oder Röteln. Gefährlich sind auch Diphtherie und Kinderlähmung. Dank systematischer Schutzimpfungen sind sie in Deutschland kaum mehr vorhanden. Zur Diagnose macht man Bluttests oder Abstrichuntersuchungen aus dem Rachenraum bei Diphtherie, Scharlach und Keuchhusten.

Impfen schützt – keine Angst vor Nebenwirkungen

Kinder sollten so früh und so vollständig wie möglich geimpft werden, das ist das erklärte Ziel der Ständigen Impfkommissionam Robert Koch-lnstitut (STIKO).

Die STIKO empfiehlt:

Ab einem Alter von sechs Wochen Schutzimpfung gegen

  •  Rotaviren

Ab einem Alter von zwei Monaten Schutzimpfung gegen

  • Diphtherie,
  • Keuchhusten (Pertussis),
  • Wundstarrkrampf(Tetanus),
  • Pneumokokken,
  • die Impfung gegen einen bestimmten Erreger der Hirnhautentzündung (Haemophilus influenzae Typb),
  • Hepatitis B,
  • Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Je nach Impfung erfolgt der kleine Piks alle vier bis sechs Wochen mehrmals wiederholt. Bei den Schutzimpfungen werden dem gesunden Kind abgeschwächte Erreger gespritzt. Es entwickelt Antikörper, ohne zu erkranken. Kommt es ein zweites Mal mit den Erregern in Kontakt, erkennt sein Immunsystem diese sofort und wehrt sie ab.

 

Ab dem 11. bis 14. Lebensmonat Schutzimpfung gegen

  • Masern,
  • Mumps,
  • Röteln,
  • Varizellen

Ab dem 12. Lebensmonat Schutzimpfung gegen

  • Meningokokken C

Auf vollständigen Impfschutz und Auffrischung achten

Dank der Verwendung von Kombinationsimpfstoffen können Kleinkinder heute mit nur sechs Injektionen effektiv gegen neun Infektionskrankheiten geschützt werden. Auffrischungen sind mit fünf bis sechs Jahren und zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr nötig. Auch Erwachsene sollten ihren Impfschutz regelmäßig auffrischen lassen. Für Erwachsene empfiehlt die STIKO in diesem Zusammenhang eine Keuchhusten-Impfung in Kombination mit der Diphterie- und Tetanusimpfung. Empfohlen wird dies, weil sich in der Vergangenheit immer wieder Erwachsene bei anderen Erwachsenen und Kindern infiziert haben.

Hier finden Sie den aktuell gültigen Impfkalender 2019/2020 der STIKO

Impfreaktionen weniger gefährlich als Folgeschäden einer Infektion

Mögliche Impfreaktionen sind Fieber, Übelkeit und Ausschlag. Dies sollte kein Grund sein, die Kinder nicht impfen zu lassen. Eltern, die Impfungen ablehnen, nehmen das höhere Risiko in Kauf, dass ihre Kinder unter möglichen Folgeschäden einer Kinderkrankheit leiden.

Masern – ein besonderer Fall

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten beim Menschen. Sie bergen die Gefahr für schwere Komplikationen. Kinder und Erwachsene, die diese Krankheit durchmachen, tragen zudem das Risiko, eine Gehirnentzündung (SSPE – subakute sklerosierende Panenzephalitis) zu entwickeln. Es kann 15 Jahre dauern, bis diese Spätfolge auftritt, und die Erkrankung endet immer tödlich. Aktuelle Studien deuten inzwischen darauf hin, dass das Risiko für SSPE in Deutschland, Großbritannien und den USA deutlich höher ist als bislang angenommen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich zum Ziel gesetzt, die Ausbreitung von Masern durch einen ausreichenden Impfschutz zu verhindern. Dies ist möglich, wenn 95 Prozent der Bevölkerung gegen Masern geschützt sind. Deutschland hat dieses Ziel noch nicht erreicht. Im Gegenteil: Seit 15 Jahren stagniert die Anzahl der gemeldeten Fälle. Es kommt regional immer wieder zu Ausbrüchen. Das Robert Koch-Institut geht zudem von einer höheren Dunkelziffer bei der Erkrankung aus. Da Kleinstkinder erst ab 11 Monaten geimpft werden sollten, sind sie jedoch besonders auf eine Herdenimmunität ihrer Umwelt angewiesen.

Die STIKO empfiehlt die zweimalige Impfung gegen Masern für alle Kinder zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat. Die zweite Impfung sollte vor dem zweiten Geburtstag erfolgen. Verpasste Impfungen in späteren Lebensjahren sollten so schnell wie möglich nachgeholt werden. Die Impfung erfolgt als Kombinationsimpfung gemeinsam mit der Impfung gegen Mumps und Röteln (und eventuell Windpocken).

Impfpflicht Masernschutzgesetz (seit 1. März 2020)

Im Hinblick auf den Schutz von Schul- und Kindergartenkindern besteht bereits ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in Kindergarten oder Schule eine Nachweispflicht. Das bedeutet: Nur mit nachgewiesenem Impfschutz kann die Kita oder die Schule besucht werden. Auch bei der Betreuung durch eine Kindertagespflegeperson muss in der Regel ein Nachweis über die Masernimpfung erfolgen. Dies gilt u. a. auch für Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen tätig sind (z. B. Erzieher, Lehrer, Tagespflegepersonen und medizinisches Personal).

Impfung gegen Hepatitis B

Doch es gibt noch weitere Erkrankungen, gegen die die STIKO eine Impfung empfiehlt. Sie rät zur Hepatitis-B-Impfung aller Kinder und Jugendlichen. Auch Frauen im gebärfähigen Alter sollten einen wirkungsvollen Hepatitis-B-Impfschutz aufweisen. Alle Schwangeren werden auf Hepatitis-B-Antigene getestet. Da die Hauptinfektionsgefahr unmittelbar nach der Geburt besteht, ist in Deutschland die Hepatitis-B-Impfung ab dem dritten Lebensmonat vorgesehen. Denn: Fast 90 Prozent der Infektionen verlaufen bei Neugeborenen chronisch und verursachen in vielen Fällen Komplikationen, wie etwa eine Leberzirrhose.

HPV-Impfung für Mädchen und Jungen

Des weiteren empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. In diesem Alter sind zwei Impfungen im Abstand von mindestens fünf Monaten notwendig. Sollte die erste HPV-Impfung im Alter von 15 Jahren oder älter verabreicht werden, sind insgesamt drei Impfungen erforderlich. Eine Nachholimpfung sollte bis zum Alter von 17 Jahren erfolgen. Ziel ist die Verringerung von HPV-assoziierten Tumoren. Die Kosten für die Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Mit moderner Labordiagnostik kann ein Arzt auch überprüfen, ob gegen bestimmte Krankheiten ein Impfschutz besteht. Dazu misst er die Menge von Antikörpern im Blut, die der Körper gegen den jeweiligen Erreger gebildet hat. 

Corona-Virus

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat im August 2021 eine Empfehlung für eine COVID-19-Impfung für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 12- bis 17 Jahren mit den mRNA-Impfstoffen Comirnaty (BioNTech/Pfizer) und Spikevax (Moderna) ausgesprochen. Besonders deutlich überwiegt der Nutzen der Impfung die Risiken bei Kindern und Jugendlichen, die aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung haben. Geimpft wird mit zwei Dosen, die Abstände zwischen der Erst- und Zweitimpfung sind abhängig vom Impfstoff. Welche Empfehlungen zum Thema Impfung gegen COVID-19 für Kinder und Jugendlichen aktuell sind, lässt sich auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts nachverfolgen unter https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/gesamt.html.

Impfstatus klären

Mit moderner Labordiagnostik kann ein Arzt auch über prüfen, ob gegen bestimmte Krankheiten ein Impfschutz besteht. Dazu misst er die Menge von Antikörpern im Blut, die der Körper gegen den jeweiligen Erreger gebildet hat.