Die Kehrseite der Liebe Sexuell übertragbare Krankheiten

Sexuell übertragbare Krankheiten sind ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsproblem. Sie werden oftmals nicht erkannt, weil sie häufig kaum Beschwerden verursachen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie harmlos sind, denn sie können zu schweren Allgemeinerkrankungen führen. Eine Vielzahl von Bakterien, Viren, Pilzen und auch Parasiten können beim Geschlechtsverkehr auf den Partner oder die Partnerin übertragen werden.

Stand Januar 2018

Kein Randthema

Sexuell übertragbare Infektionen betreffen Menschen aller Gesellschaftsschichten und Altersklassen und sind weit verbreitet. Beispiel HIV: Die Zahl von weltweit rund 36,7 Millionen HIV-Infizierten und 1,8 Millionen Neuinfektionen pro Jahr (UNAIDS-Report 2017) zeigt, wie groß die Ansteckungsgefahr ist.

Auf dem Vormarsch: Chlamydien & Co

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht von jährlich 131 Millionen Neuinfektionen mit genitalen Chlamydien aus. In Deutschland sind Chlamydien-Infektionen nicht meldepflichtig (Ausnahme: Sachsen), und die Zahl der Neuinfektionen kann nur geschätzt werden. Das Robert Koch-Institut geht von rund 300.000 Neuinfektionen pro Jahr aus. Infektionen mit Chlamydien, dem humanen Papillomvirus (HPV) oder dem Herpes-simplex-Virus (HSV) sind die häufigsten sexuell übertragenen Krankheiten. Trotz Aufklärungsprogrammen nimmt ihre Zahl weiter zu. Infektionskrankheiten werden von Mensch zu Mensch durch engen körperlichen Kontakt, durch Körperflüssigkeiten und Blut übertragen.

Vom Juckreiz bis zum Ausfluss

So nistet sich bei engem Kontakt z. B. die Filzlaus in den Schamhaaren und die Krätzemilbe in der Haut ein. Diese Parasiten machen sich durch starken Juckreiz bemerkbar. Eine Geschlechtskrankheit kann Geschwüre oder Pusteln an den Geschlechtsorganen, im Analbereich oder auch in der Mundschleimhaut hervorrufen (z. B. bei der Syphilis oder bei Infektionen mit Herpes-Viren). 

Schmerzhafte Beschwerden

Sexuell übertragbare Krankheiten können zu entzündlichen Veränderungen am Eintrittsort, also am Urogenitaltrakt, führen. Oft kommt es zu einer Infektion der Harnröhre oder der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane.

Anzeichen sind Ausfluss aus Harnröhre oder Scheide. Das Wasserlassen bereitet Beschwerden: Oft juckt oder brennt es. Auch Lymphknotenschwellungen in der Leiste können auf eine Infektion hindeuten.

Erhöhtes Krebsrisiko

Bei einer Infektion mit bestimmten Niedrigrisiko-Typen des humanen Papillomvirus (HPV) können sich Warzen an den Geschlechtsorganen oder im Analbereich bilden. Zudem können bestimmte Hochrisiko-HPV-Typen fortschreitende Veränderungen am Gebärmutterhals hervorrufen, die – sofern unerkannt – Krebs auslösen können. Bei einer Infektion mit bestimmten Hochrisiko-Typen des Warzenvirus (HPV) erhöht sich das Risiko für einen Gebärmutterhalskrebs deutlich. Es ist mittlerweile gesichert, dass der Gebärmutterhalskrebs fast immer durch eine HPV-Infektion hervorgerufen wird.

Symptome nicht an Geschlechtsorganen

Infektionen durch sexuelle Kontakte, die sich nicht unmittelbar an den Geschlechtsorganen bemerkbar machen, werden z. B. durch das humane Immunschwächevirus (HIV) und das Hepatitis-B-Virus (HBV) ausgelöst.

Infektion mit schwerwiegenden Folgen

Die Folgen einer sexuell übertragbaren Krankheit können schwerwiegend sein. So kann es bei einer Chlamydien-Infektion zu einer Schädigung der Eileiter kommen, was in der Hälfte der Fälle zur Sterilität oder eventuell zu schweren Komplikationen bei einer Schwangerschaft führt.

Komplikationen in der Schwangerschaft

Sexuell übertragbare Infektionen verursachen oft auch Komplikationen während der Schwangerschaft, Erkrankungen des Neugeborenen oder, im Falle von Chlamydien und Gonorrhö, die Unfruchtbarkeit der Frau und des Mannes.

Hepatitis erhöht Krebsrisiko

Bei der Hepatitis B, einer virusbedingten Entzündung der Leber, besteht ein bis zu 300-fach erhöhtes Risiko, einen Leberkrebs zu entwickeln.

Tückische HIV-Infektion

Die Infektion mit HIV ist besonders tückisch, da sie im Anfangsstadium häufig ohne Beschwerden verläuft. Erst nach Monaten bis Jahren kommt es zu Lungenentzündungen und anderen schweren Infektionskrankheiten. Trotzdem ist der Infizierte bereits in einem sehr frühen Stadium stark ansteckend.

Früherkennung

Neben der von den Kassen getragenen jährlichen Untersuchung auf Gebärmutterhalskrebs (PAP-Abstrich) gibt es seit 2008 in Deutschland ein jährliches Chlamydien-Screening für junge Frauen bis 25 Jahre. Für die Diagnose wird eine Urinprobe im Labor einer DNA-Analyse unterzogen. Die Akzeptanz dieses Früherkennungsprogramms ist sowohl bei den Ärzten als auch bei den jungen Frauen gering, da zum einen die Ärzte keine Vergütung für den Beratungsaufwand erhalten und zum anderen die jungen Frauen nicht ausreichend informiert sind. Für Männer existiert keinerlei Früherkennungsprogramm.

Bei Beschwerden zum Arzt!

Wer nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr unsicher ist, sollte bei den geringsten Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Dieser erkennt während einer körperlichen Untersuchung und mit Hilfe von adäquater Labordiagnostik eine mögliche Infektion mit einer Geschlechtskrankheit.

Vorsorge bei Geschlechtskrankheiten

Die beste Vorsorge besteht in der Risikovermeidung: kein ungeschützter Geschlechtsverkehr außerhalb fester Beziehungen. Als Schutz gegen Infektionen eignen sich vor allem Kondome. Aber auch diese Maßnahme bietet keine absolute Sicherheit, da Viren nicht nur auf sexuellem Weg, sondern auch durch Körperflüssigkeiten übertragen werden. Für die Leberentzündung Hepatitis B wurden mehrere Übertragungswege festgestellt: Das Virus kann außer durch sexuelle Kontakte durch Nadeln, Tätowierungen und Ohrpunktionen übertragen werden, wenn die Instrumente nicht fachgerecht sterilisiert werden.