Gesund in den Urlaub und gesund wieder zurück Reisemedizin

Urlaubszeit – Reisezeit. Jedes Jahr nutzen Millionen Deutsche die schönsten Wochen des Jahres, um sich in tropischen und subtropischen Ländern zu erholen – an die vergleichsweise hohen Infektionsrisiken denkt jedoch kaum ein Urlauber. Doch nicht nur bei Fernreisen drohen Gefahren für die Gesundheit.

Gut vorbereitet in den Urlaub

Sechs von zehn Reisezielen im Ausland liegen in Gebieten mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko. Wer also allzu sorglos in den Urlaub fährt oder fliegt, kann folgenschwere Überraschungen erleben. Damit Reiselust nicht in Reisefrust umschlägt, sollten einige Grundregeln beachtet werden.

Vorbeugen ist besser als heilen

Bereits vor Reise-Antritt sollten einige Fragen geklärt sein:

  • Welche besonderen gesundheitlichen Risiken bestehen in der Urlaubsregion?
  • Welche Schutzimpfungen sind erforderlich?
  • Reicht der bestehende Impfschutz noch aus?
  • Wann muss eine Impfung erfolgen, damit sie am Reiseziel Schutz bietet?

Informationsquellen nutzen

Ärzte, Apotheker, Reiseveranstalter und Ratgeber-Lektüre leisten dabei wichtige Hilfestellung. Eine hervorragende Informationsquelle zum Thema Reise und Gesundheit ist außerdem der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts. Im Internet bietet es vielfältige länderspezifische Informationen auf der Website www.auswaertiges-amt.de.

Am Reiseziel selbst ist Folgendes zu beachten

In Speisen und Getränken lauern oft Gefahren für die Gesundheit, zum Beispiel Typhus, Hepatitis A (Leberentzündung) oder die häufigste Reisekrankheit, die Reisediarrhoe – eine auch als „Montezumas Rache“ bekannte Durchfallerkrankung.

Schälen, kochen – oder bleiben lassen

Daher sollte dort die Regel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Nahrungs- und Trinkwasserhygiene besonders beachtet werden: „Schäl es! Koch es! Oder vergiss es!“ Vor allem in Ländern mit einem niedrigen Hygienestandard, insbesondere in tropischen Ländern, sollte man kein ungeschältes Obst oder rohes Gemüse essen sowie Leitungswasser und Eiswürfel streng meiden.

Nach der Reise: Bei Verdacht zum Arzt!

Treten nach einer Reise Anzeichen einer Krankheit auf, sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden.

Erkennen, behandeln, heilen

Im Kampf gegen Infektionskrankheiten spielen moderne Labordiagnostika und Arzneimittel eine wichtige Rolle. Mit ihrer Hilfe können Erkrankungen rechtzeitig erkannt, behandelt und geheilt werden.

Zecken sind in Europa weit verbreitet. Die durch sie übertragenen Infektionskrankheiten können zum Beispiel zu Hirnhautentzündung (Zeckenenzephalitis oder Frühsommer-Meningoenzephalitis – FSME)bzw. Entzündung des Gehirns und des Rückenmarks (Borrelieninfektion) führen.

Für die Diagnostik stehen Testmethoden zum Nachweis von Antikörpern im Blut zur Verfügung. Impfstoffe bieten einen hohen Schutz vor FSME, aber nicht vor Borrelieninfektionen, die mit Antibiotika behandelt werden.

Da eine erfolgreiche Behandlung dieser weltweit vorkommenden Virusinfektion nicht möglich ist, ist die Schutzimpfung besonders wichtig. Der Erkrankungsnachweis erfolgt durch Labordiagnostika. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Indien mit jährlich über 30.000 Toten zusammen mit China die meisten Tollwutfälle der Welt.

Rechtzeitig vor der Reise sollte der Impfstatus im Impfpass überprüft werden. Eine Kombinationsimpfung bietet wirksamen Schutz gegen diese gefährlichen Infektionskrankheiten. 

Malaria ist eine Infektionskrankheit, die vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten vorkommt. Malaria-Parasiten (Plasmodien) werden durch Anopheles-Mücken übertragen. Vorbeugender Schutz und die Behandlung werden durch die in den letzten Jahren beobachtete zunehmende Widerstandsfähigkeit (Resistenz) der Erreger gegen Chemotherapeutika erschwert.

Die Plasmodien können durch Labordiagnostika nachgewiesen werden. Ein Impfstoff steht zurzeit nicht zur Verfügung. Die WHO empfiehlt die vorbeugende Einnahme von Chemotherapeutika. Wichtig ist das Verhindern der Infektion durch Anopheles-Mückenstiche, z. B. durch entsprechende Kleidung und Mückenschutzmittel.

Diese Virusinfektion tritt ausschließlich in Afrika – wo sie derzeit wieder auf dem Vormarsch ist – sowie in Mittel- und Südamerika auf. Eine spezifische Therapie der durch Stechmücken übertragenen Krankheit ist nicht möglich.

Bis zu 80 Prozent der Erkrankungen führen durch Leber- und Nierenversagen zum Tod. Impfungen zur Vorbeugung (in vielen Ländern Voraussetzung für die Einreise) bieten einen zehnjährigen Schutz.

Die bakterielle Infektionskrankheit tritt besonders in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen auf. Die Übertragung erfolgt durch verunreinigte Nahrungsmittel, verunreinigtes Wasser oder durch Schmierinfektion, also die Berührung infizierter Menschen oder mit Erregern kontaminierter Gegenstände. Der Nachweis erfolgt durch Labortests, die Behandlung mittels Antibiotika. Eine Schutzimpfung ist möglich.

Die weltweit vorkommende Infektionskrankheit wird meistens über das Blut, durch Sexualkontakt und intravenösen Drogenmissbrauch übertragen. Labordiagnostische Verfahren bilden eine wichtige Grundlage für die Behandlung.

Eine Impfung mit kombiniertem A+B-Impfstoff bietet auch Schutz vor Hepatitis A, die zum Beispiel über verunreinigte Lebensmittel oder ungenügend sauber gehaltene Toiletten übertragen. Eine Impfung gegen Hepatitis A wird von der STIKO (Ständige Impfkommission) bei Reisen in entsprechende Regionen empfohlen.

Angesichts der Zahl von weltweit rund 33,3 Millionen HIV-Infizierten (UNAIDS-Report 2010) und mehreren Millionen Neuinfektionen pro Jahr (2009: 2,6 Millionen) wird deutlich, wie groß die Gefahr bei Sexualkontakten mit Einheimischen vor allem in Afrika, Südostasien, Südamerika und der Karibik ist.

Gonorrhoe, Syphilis, Herpes genitalis, Chlamydien- und Papillomavirusinfektionen

Diese Erkrankungen sind wegen der Übertragungsgefahr bei Sexualkontakten zu bedenken.

Vorsicht bei Körperschmuck

Erhebliche Risiken gehen auch von Tätowierungen und Piercings aus, wenn die erforderlichen Hygienestandards nicht berücksichtigt werden. So können unzureichend gereinigte und nicht desinfizierte Arbeitsmittel zur Übertragung von schwerwiegenden Krankheiten (Hepatitis B, Hepatitis C, HIV usw.) führen.

Reiseapotheke nicht vergessen!

Eine gut sortierte Reiseapotheke gehört unbedingt ins Gepäck. Sie sollte unter anderem enthalten:

  • Medikamente gegen Durchfall
  • Arzneimittel gegen Übelkeit
  • Präparate gegen Erkältungen, Kopfschmerzen, Verstauchungen, Cremes gegen Sonnenbrand und Juckreiz
  • Fieberzäpfchen
  • Medikamente, die zu Hause regelmäßig eingenommen werden müssen
  • ein Antibiotikum (in Abstimmung mit dem Arzt)