Osteoporose-Prävention Knochen – Osteoporose-Prävention

Die Osteoporose gehört zu den chronischen Volkskrankheiten und ist eine Erkrankung des Knochens, die in der Regel mit zunehmendem Alter auftritt: Die Knochendichte nimmt ab, der Knochen wird brüchiger. Die Osteoporose wird deshalb auch als Knochenschwund bezeichnet. Vor allem Frauen nach der Menopause sind davon betroffen.

Zuletzt überarbeitet März 2021

Osteoporose entsteht schleichend

Der menschliche Knochen erscheint auf den ersten Blick fest, starr und unveränderlich. Dies ist er jedoch in Wahrheit nicht, sondern es findet ein ständiger Umbau statt, indem Knochenmasse ab- und aufgebaut wird. Bis etwa zum 30. Lebensjahr nimmt die Knochen­masse – stetig langsamer werdend – zu; danach herrscht einige Jahre ein Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau. Der etwa ab dem 40. Lebensjahr beginnende langsame Verlust an Knochenmasse ge­hört zum normalen Alterungsprozess. Gefährlich wird dieser Vor­gang erst dann, wenn die Abbaugeschwindigkeit ein bestimmtes Maß übersteigt oder in rasanter Weise zunimmt. Die Folge: Osteo­porose entsteht. Aufgrund der veränderten Altersstruktur – immer mehr Menschen werden immer älter – nimmt die Zahl der Men­schen, die an Osteoporose erkranken, stark zu. Nach entsprechen­dem Verlust von Knochenmasse können Knochenbrüche auftreten; besonders betroffen sind Rückenwirbel, Oberschenkelhals und Un­terarm. Neuere Daten weisen zudem darauf hin, dass nach einem ersten Knochenbruch das Risiko für weitere Brüche zunimmt.

Osteoporose: Wer ist gefährdet?

Laut Dachverband Osteologie e. V. (DVO) sind derzeit sechs Millionen Menschen hierzulande von Osteoporose betroffen. Die Hälfte von ihnen wird im Laufe ihres Lebens eine Fraktur aufgrund von Osteoporose erleiden. Lediglich 20 bis 40 Prozent aller Be­troffenen erhalten bislang eine adäquate Behandlung, sagt die wissenschaftliche Fachorganisation. Menschen, die von Nierenversagen, Krebserkrankungen und Autoimmunerkrankungen be­troffen sind, sowie Frauen in den Wechseljahren zählen zu den besonders gefährdeten Gruppen. Zudem gelten inzwischen auch verschiedene kardiovaskuläre Erkrankungen und diätetische Lebensweisen (z. B. vegane Ernährung) zu Risikofaktoren.

Osteoporose und Wechseljahre

Die Wechseljahre der Frauen begünstigen sehr häufig die Os­teoporose: Das von den Eierstöcken produzierte weibliche Ge­schlechtshormon Östradiol wirkt nämlich nicht nur auf die Geschlechtsfunktionen, sondern hat eine schützende Wirkung auf den Knochenstoffwechsel. Es verhindert einen zu starken Abbau von Knochensubstanz. In den Wechseljahren nimmt die Produktion des Hormons stetig ab. Etwa 30 bis 40 Prozent aller gesunden Frauen entwickeln nach der letzten Regelblutung (Menopause) durch die erheblich abnehmende Östrogen- Produktion des Körpers eine Osteoporose. Sie bauen in dieser Lebensphase massiv Knochen ab, und zwar meist erheblich mehr, als durch Reparaturvorgänge des Körpers aufgebaut werden kann.

Vitamin D-Mangel: auch Männer gefährdet

Ein weiterer Grund für den erhöhten Knochenabbau kann in einer suboptimalen Vitamin-D-Versorgung liegen, die häufig bei Frauen nach der Menopause zu beobachten ist, aber auch bei Männern ab dem 60. Lebensjahr. In vielen Fällen führt dies zu einer leichten bis deutlichen Mehrausschüttung von Nebenschilddrüsenhormonen (Parathormon). Darauf reagieren diese Personen unterschiedlich stark mit gesteigertem Knochenabbau.

Gut zu wissen: Gefahr für Folgebrüche

Im Rahmen des DVO Kongresses 2019 wiesen Experten auf das Risiko hin, dass ein erster Knochenbruch aufgrund von Osteoporose häufig weitere Brüche nach sich zieht. Studien zufolge treten im ersten Jahr nach einer diagnostizierten Erstfraktur der Wirbelsäule bei etwa 15 Prozent der Betroffenen Folgefrakturen auf. Bei den Brüchen in der Nähe des Hüftgelenks kam es bei 12 Prozent der Betroffenen zu weiteren Knochenbrüchen.

Quelle:

Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie

 

Diagnostik der Osteoporose

Dem Arzt stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung. Am häufigsten wird die Methode der Knochen­dichte-Messung durchgeführt. Sie kann jedoch nur eine Momentaufnahme des Knochenzustands liefern, was bedeutet, dass eine Osteoporose häufig zu spät – nachdem bereits ein erheblicher Abbau des Knochens stattgefunden hat – erkannt wird. Um rechtzeitig eingreifen zu können, ist es jedoch notwendig, den gesteigerten Knochenabbau frühzeitig zu erkennen.

Bluttests zeigen Osteoporose-Risiko

Das aktuelle Osteoporose-Risiko lässt sich durch neue, hoch­empfindliche Bluttests ermitteln, die den Abbau von Knochen­masse und nicht die vorhandene Knochenmasse anzeigen.

Mit der Messung von Pyridinolin und Desoxypyridinolin (soge­nannte Crosslinks) im Urin oder Typ-I-Kollagen-Telopeptiden im Blut ist ein erhöhter Knochenabbau frühzeitig erkennbar.

Eine weitere Möglichkeit, der Osteoporose auf die Spur zu kom­men, ist die Untersuchung von 25-OH-Vitamin D im Blut. Besonders sinnvoll ist eine diesbezügliche Untersuchung zwi­schen Januar und April, da zu dieser Zeit bei den meisten über 50-Jährigen ein Mangel an Vitamin D vorliegt, der zu gesteiger­tem Knochenabbau führt. Mit der Messung von 25-OH-Vitamin D wird die Vitamin-D-Versorgung untersucht. Ein Mangel an Vitamin D begünstigt gesteigerten Knochenabbau.

Zeitpunkt der Untersuchungen

Frauen sollten ab dem 50. Lebensjahr oder zwei Jahre nach der letzten Regelblutung alle fünf Jahre die Untersuchungen durchführen lassen, Männer ab dem 55. Lebensjahr ebenfalls alle fünf Jahre.

Biomarker für Osteoporose

Gemäß der bis 2022 gültigen DVO-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen  Frauen und bei Männern eignen sich diese Biomarker zur Diagnose einer Osteoporose:


Knochenaufbau
Osteocalcin (OC)
Prokollagen Typ 1 (P1NP)
Knochenalkalische Phosphatase (bALP), 

Knochenabbau
Pyridinolin (PYD)
Desoxypyridinolin (DPD) 
N-terminales Kollagen-Typ-I-Telepeptid (NTX) 
C-terminales-Kollagen-Typ-I-Telopeptid (CTX) 
Tartrat-resistent saure Phosphatase (TRAP5b)

Vorgeschlagene Tests bei Osteoporose

  • Pyridinolin und Desoxypyridinolin im Urin (am besten im 1. Morgenurin, d. h. beim Aufstehen ein Röhrchen Urin auffangen)
     
  • Typ-I-Kollagen-Telopeptide (auch genannt CTX = Cross-Laps oder NTX = Osteomark) im Blut (morgens nüchtern, am besten vor 08:30 Uhr, binnen einer halben Stunde, da eine deutliche Tagesrhythmik existiert)
     
  • 25-OH-Vitamin D im Blut (am besten zwischen Januar und April oder zusätzliche Untersuchung zwischen Januar und April), evtl. zusätzlich Parathormon (Nebenschilddrüsen-hormon) im Blut untersuchen (morgens nüchtern, da auch eine deutliche Tagesrhythmik existiert)

Strukturierte Behandlungsprogramme

Die aktualisierte Leitlinie zur Osteoporose-Behandlung wird turnusgemäß alle drei Jahre vom Dachverband Osteologie (DVO) und voraussichtlich Mitte 2021 veröffentlicht. Der Ge­meinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Januar 2020 ein Disease Management Programm (DMP) für Osteoporose be­schlossen, das am 1. Juli 2020 in Kraft getreten ist. Das DMP richtet sich an Patientinnen und Patienten mit einer medika­mentös behandlungsbedürftigen Osteoporose. Frauen können sich ab dem vollendeten 50. Lebensjahr in ein DMP einschrei­ben lassen, Männer ab dem vollendeten 60. Lebensjahr. DMPs sind strukturierte Behandlungsprogramme. Ziel des DMP ist es insbesondere, (weitere) Knochenbrüche zu vermeiden, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und Schmerzen zu reduzieren. Patientinnen und Patienten steht das neue DMP voraussichtlich ab dem ersten Halbjahr 2021 zur Verfügung.