Damit die Nieren nicht versagen Nierenerkrankungen

In Deutschland sind rund 60.000 Patienten von der Dialyse abhängig, weil ihre Nieren nicht mehr ausreichend funktionieren. Fast hundertmal so viele Menschen, rund fünf Millionen, leiden an Nierenfunktionsstörungen – viele ohne es zu wissen, Tendenz steigend.

Stand Mai 2013

Lebensgefährliches Nierenversagen

Lebensgefährlich wird es, wenn die Nieren nur noch 15 Prozent ihrer Leistung bringen: Dialyse und Nierentransplantation sind dann der letzte Ausweg. Die Nieren versagen jedoch nicht von einer Minute zur anderen. 

Vorsorgemöglichkeiten nutzen!

Nierenerkrankungen kündigen sich an. Deshalb gewinnen Früherkennungs- und Vorsorgemaßnahmen immer mehr an Bedeutung und sind auch im Vorsorgeprogramm der gesetzlichen Krankenversicherung enthalten.

Warum sind Vorsorgetests für Nierenerkrankungen sinnvoll?

Häufig sind Nierenleiden die Folge anderer Krankheiten wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck. Auch überhöhter Schmerzmittelkonsum oder entzündliche Nierenerkrankungen können zu dauerhaften Schädigungen führen. 

Kranke Nieren haben Folgen

Zu viel Harnstoff im Blut

Dann können die Nieren die wichtigsten Funktionen wie die Entgiftung des Körpers, die Regelung des Blutdrucks sowie des Säure-Basen-Haushalts, die Regelung des Flüssigkeitshaushalts und des Knochenstoffwechsels nicht mehr wahrnehmen. Stoffe, die eigentlich in den Harn gelangen sollten, reichern sich im Blut an und gelangen von dort über die Lungen in die Atemluft: Der Betroffene riecht nach Urin.

Bluthochdruck und Magen-Darm-Beschwerden

Spürbare Symptome treten meistens erst dann auf, wenn die Nieren bereits erheblich geschädigt sind. Zunächst bleibt der Krankheitsverlauf unerkannt. Erst Bluthochdruck oder Magen-Darm-Beschwerden sind häufig Indizien für eine Nierenschädigung. 

Überwässerung, Blutarmut, Juckreiz

Oft zeigen die Patienten durch die mangelnde Flüssigkeitsausscheidung deutliche Anzeichen von Überwässerung. Dazu zählen unter anderem Lungenödeme oder Wassereinlagerungen im Gewebe. Außerdem leiden die Patienten oft unter Blutarmut, Knochenveränderungen, Juckreiz und Wadenkrämpfen.

Wie können Nierenerkrankungen im Labor festgestellt werden?

Für die Nierenuntersuchungen reicht dem Arzt oft schon eine Blut- oder Urinprobe. Der Experte kann beispielsweise an der Konzentration sogenannter harnpflichtiger Stoffe im Blut beurteilen, ob eine Schädigung der Niere vorliegt.

Eiweiße im Urin

Auch wenn bestimmte Eiweiße mit dem Urin ausgeschieden werden, deutet dies auf Nierenfunktionsstörungen hin. Der behandelnde Arzt wird aufgrund der Ergebnisse die weiteren Behandlungsschritte einleiten.

Vorsorgeprogramme der gesetzlichen Krankenkassen nutzen

Ab dem vollendeten35.Lebensjahrhaben gesetzlich Versicherte alle drei JahreAnspruch auf die Gesundheitsuntersuchung Check-up. Dabei werden die Patienten unter anderem auch auf Nieren sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus untersucht. 

Eiweiß-Werte oft zu spät aussagekräftig

Im Rahmen der kostenlosen Gesundheitsuntersuchung misst der Arzt auch mit einem Harnstreifentest den Eiweißgehalt im Urin, um die Funktionsfähigkeit der Nieren zu überprüfen. Allerdings zeigt der Test erst dann Eiweiß-Werte an, wenn die Nieren bereits irreversibel geschädigt sind.

Zusätzlicher Schutz durch neue Tests

Durch neue Testverfahren ist eine frühere Erkennung möglich. Sie haben eine bislang nicht erreichte Empfindlichkeit, durch die Nierenerkrankungen noch besser und vor allem früher diagnostiziert werden können. Doch welcher Patient kennt schon die zusätzlichen Früherkennungsmöglichkeiten?

Mehrere kombinierte Blut- und Urinuntersuchungen stehen dem Arzt zur Verfügung, durch die die Konzentration der Eiweiße Cystatin C, Albumin sowie von Kreatinin, einem Produkt des Muskelstoffwechsels, gemessen werden kann.

Das Cystatin C lässt besonders detaillierte Rückschlüsse auf die Filtrationsleistung der Nieren zu, da die Untersuchungsergebnisse unabhängig von Alter, Geschlecht und Muskelmasse bewertet werden können.

Der Vorteil: Durch diesen Test können beginnende Schädigungen frühzeitig erkannt und entsprechende Therapien eingeleitet werden, während andere Testergebnisse noch unauffällig sind.

Die Bestimmung des Kreatinins im Blut ist derzeit die am meisten verbreitete Methode zur Bestimmung der Nierenfunktion. Allerdings ist der Wert stark abhängig von Alter, Muskelmasse und Geschlecht. Die Konzentration des Kreatinins steigt erst an, wenn die Nieren nur noch die Hälfte ihrer Leistung erbringen.

Eine erhöhte Ausscheidung des Eiweißes Albumin im Urin deutet ebenfalls auf eine beginnende Nierenschädigung hin. Je nach Albumingehalt kann der Arzt den Grad der Erkrankung feststellen und entsprechende Maßnahmen einleiten. 

Neuere Tests keine GKV-Leistung

Allerdings gehören die neueren Labortests – anders als die Gesundheitsuntersuchung der GKV – nicht zu den Vorsorgeleistungen der gesetzlichen Krankenkassen und werden von ihnen nicht finanziert.

Kostenübernahme nur bei begründetem Krankheitsverdacht

Diese Kosten übernehmen sie nur, wenn ein begründeter Krankheitsverdacht vorliegt. Sinnvoll ist zur umfassenden Vorsorge die Durchführung dieser Tests und zusätzlich ein Test mittels Urinteststreifen zum Nitritnachweis.

Kosten

Der zusätzlich notwendige Schutz auf Privatrechnung ist in der Regel billiger, als die meisten Menschen denken. Reden Sie mit Ihrem Arzt darüber. Der Arzt hat im Rahmen der staatlich festgelegten Gebührenordnung einen gewissen Spielraum, wobei auch der Umfang seiner Beratung und Tätigkeit eine Rolle spielt.

 

  • Was wird untersucht? Urin und Blut
  • Leistung der GKV: Keine Vorsorgeleistung, nur bei Verdacht
  • Eigenverantwortliche Prävention: Zur Sicherheit ab dem 35. Lebensjahr alle fünf Jahre
  • Vorgeschlagene Tests: Albumin, Cystatin C und Urinteststreifen
  • Kosten: max. 50,42 € (Beratung inkl. Blutabnahme 20,11 €, Labor 30,31 €).