Multiresistente Keime: IPF unterstützt Forderung nach Patientenscreening

Gestapelte Petrischalen im Labor.

Bild: Branislavp – fotolia.com

BERLIN – Die Bedrohung durch Keime, die gegen mehrere Antibiotikaklassen resistent geworden sind, wächst. Antibiotika versagen inzwischen immer häufiger auch bei sogenannten gramnegativen Bakterien. Wissenschaftler des Berliner Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité befürchten, dass 2050 in Europa mehr Menschen an multiresistenten Keimen sterben könnten als an Krebs. Mit einem Themenschwerpunkt informiert das Infozentrum für Prävention und Früherkennung (IPF) auf www.vorsorge-online.de über die wichtigsten Gegenmaßnahmen.

Risikopatienten vor der Aufnahme ins Krankenhaus zu untersuchen, ist eine Schlüsselmaßnahme im Kampf gegen multiresistente Keime. Labortests zeigen, ob die Patienten gefährliche Bakterien in sich tragen. Bisher suchen Mediziner vor allem nach grampositiven Erregern wie dem multiresistenten Staphylococcus aureus (MRSA). Experten fordern, auch weitere Erreger regulär in das Screening einzubeziehen. Die Laboruntersuchungen sollen auch ambulant möglich sein, etwa vor planbaren Krankenhausaufenthalten. Mit dem Ersten Pflegestärkungsgesetz wird das Screening auf gramnegative Erreger, die gegen vier Antibiotikagruppen resistent sind (4MRGN), als Modellvorhaben eingeführt. Ziel ist es, Erkenntnisse zur Effektivität und zum Aufwand eines Screenings auf 4MRGN im Vorfeld eines planbaren Krankenhausaufenthalts zu gewinnen. Bis zum 31.12.2015 ist festzulegen, wo das Modellvorhaben durchgeführt wird.

 

Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) setzt sich seit langem politisch für gesetzliche Standards bei der Bekämpfung von multiresistenten Keimen in Kliniken, Arztpraxen und speziellen Einrichtungen wie Pflegeheimen ein: „Wir sehen, dass der Gesetzgeber einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht hat, dennoch ist Eile geboten - ein Stillstand ist ein Rückschritt: Keime machen vor Krankenhäusern nicht halt“, sagt der Geschäftsführer des VDGH, Dr. Martin Walger.

 

Auch Patienten selbst können etwas dafür tun, dass sich Antibiotikaresistenzen nicht übermäßig verbreiten. Da die Medikamente nur gegen Bakterien wirken, sollten Verbraucher sie nicht bei Erkältungen und anderen Virusinfektionen verlangen oder einnehmen. Ebenfalls wichtig: die Medikamente nicht eigenmächtig absetzen, sondern strikt nach Anweisung des Arztes einnehmen. So stellen Patienten sicher, dass die Wirkstoffe die Bakterien erfolgreich bekämpfen und vermeiden lange, wiederholte Behandlungszeiten. Diese nämlich können dazu führen, dass Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren.

 

Die Pressemeldung zum Download finden Sie hier.

Lesen Sie dazu auch Im Fokus: MRE – multiresistente Erreger