Nur schnelle Diagnose rettet Leben: IPF informiert über Sepsis

BERLIN – In Deutschland erkranken jährlich rund 180.000 Menschen an einer Sepsis. Nach Angaben von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Jena stieg die Zahl der Sepsis-bedingten Todesfälle von 2011 bis 2013 von 50.000 auf 75.000. Das sind mehr Tote als durch Herzinfarkt. Laut den Experten könnten deutlich mehr Menschen überleben, wenn die Infektion schneller erkannt und behandelt würde.

Um Patienten, Angehörige und Ärzte zu sensibilisieren, informiert das IPF auf www.vorsorge-online.de ausführlich über Ursachen sowie Warnhinweise und Möglichkeiten, eine Sepsis frühzeitig zu diagnostizieren. Dafür hat das IPF einen der führenden Experten, Prof. Dr. med. Frank M. Brunkhorst vom Center of Sepsis Control and Care (CSCC) am Universitätsklinikum Jena, befragt.

 

Die wichtigste Maßnahme, um eine Sepsis sowie die auslösenden Erreger eindeutig festzustellen, sind Blutkulturen. Biomarker wie Procalcitonin (PCT) unterstützen eine präzise Diagnostik. Allerdings besteht in Deutschland deutlicher Verbesserungsbedarf: Aktuelle Richtlinien empfehlen, zwischen 100 und 200 Blutkultursets auf 1.000 Patiententage anzufertigen. Zahlen des European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) zeigen jedoch, dass es in Kliniken hierzulande nur rund 16 Sets sind. Dabei braucht es die Blutuntersuchungen unbedingt – auch wegen zunehmender Antibiotika-Resistenzen. „Wir sind dringend aufgerufen, weniger Antibiotika einzusetzen und die Therapiedauer zu reduzieren. Da brauchen wir diese Diagnostik, sonst fahren wir blind“, so Prof. Brunkhorst. Der Geschäftsführer des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH), Dr. Martin Walger, unterstreicht die Bedeutung der Labordiagnostik: „Moderne Testverfahren im Labor ermöglichen bereits zuverlässige Befunde bei Blutkulturen. Die Diagnostik-Unternehmen arbeiten intensiv an weiteren Biomarkern.“

 

Etwa 40 Prozent der Sepsis-Fälle entwickeln sich ambulant. Deshalb rät Prof. Brunkhorst Hausärzten oder Ärzten im Notdienst zu höchster Aufmerksamkeit, wenn Patienten mit Verdacht auf eine Infektion fiebern, Schüttelfrost haben und verwirrt sind. Auch niedriger Blutdruck in Kombination mit erhöhter Herz- und Atemfrequenz spricht für den Beginn einer Sepsis. Beim geringsten Verdacht sollten Ärzte die Patienten ins Krankenhaus einweisen. Das kann Leben retten: „Bei der Verdachtsdiagnose Sepsis müssen die Krankenhausärzte gleich die in den Leitlinien vorgesehene Diagnostik durchführen“, erläutert der Experte. Angehörige sollten die Mediziner bei verdächtigen Symptomen unbedingt auf Vorerkrankungen wie Krebs, Diabetes oder bestehende Immunschwächen hinweisen. Diese steigern das Sepsis-Risiko.

 

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