Personalisierte Medizin bei Krebs

Unternehmen unterstützt Mitarbeiter

Dr. Werner Eberhardt
Dr. Natalie Lotzmann

In Deutschland erkranken nach Studien des Robert Koch-Instituts über 50 Prozent der Männer und über 40 Prozent aller Frauen irgendwann an Krebs – eine Vielzahl bereits während ihres Arbeitslebens. Durch neue Technologien und molekulargenetische Forschung sind Krebspatienten heute aber wesentlich effizienter zu behandeln als früher. Um erkrankten Mitarbeitern Zugang zu den neuen Entwicklungen zu ermöglichen, hat das Softwareunternehmen SAP SE das „Corporate Oncology Program for Employees“ (COPE) 2014 eingeführt. DiG sprach mit Dr. Natalie Lotzmann, Vice President HR & Chief Medical Officer, Global Health Management und Dr. Werner Eberhardt, Vice President Healthcare Development von SAP.

Was ist das Besondere an COPE?

SAP-Mitarbeiter, die an COPE teilnehmen, erhalten kostenfreien Zugang zur Softwarelösung TreatmentMAP™ des Heidelberger Bio- und Medizininformatikunternehmens Molecular Health. Die Software gibt Ärzten alle Informationen an die Hand, sich zusammen mit dem Patienten für die wirksamste und sicherste Krebstherapie zu entscheiden.

 

Wie funktioniert die Diagnostik?

Bevor sich TreatmentMAP nutzen lässt, ist zunächst die Analyse der Tumor-DNA des Patienten erforderlich. Basierend auf den Sequenzierungsergebnissen wird mit der Software eine individuelle Tumordatenanalyse erstellt und mit biomedizinischen Daten aus wissenschaftlichen Datenbanken abgeglichen sowie um Informationen zu Medikamenten, deren Wirkungsweise und Nebenwirkungen ergänzt. Die Software analysiert gegenwärtig ausschließlich solide Tumore. Aus den Analysedaten wird ein umfassender Bericht erstellt, der dem behandelnden Arzt als Grundlage für weitere Entscheidungen dient. Die vorgeschlagenen Behandlungsoptionen sind auf die spezifischen genetischen Veränderungen in den Tumorzellen und auf das klinische Patientenprofil abgestimmt. Durch die molekulare Analyse der Tumor-DNA sollen die Wirksamkeit von Krebsbehandlungen erhöht und unerwünschte Nebenwirkungen minimiert werden.

 

Wie kann betriebliche Gesundheitsförderung aussehen?

SAP geht durch die Kooperation mit Molecular Health neue Wege: Als erster Arbeitgeber weltweit bietet SAP mit COPE kostenfreien Zugang zu neuen Möglichkeiten der personalisierten Krebsmedizin an. Das Angebot des betrieblichen Gesundheitswesens bei SAP geht über präventive Maßnahmen wie Haut- oder Darmkrebsscreening hinaus und ermöglicht eine neuartige Zusatzleistung im Fall einer Krebsdiagnose. Die betriebliche Gesundheitsförderung gewinnt durch die personalisierte Medizin eine völlig neue Dimension. In Zukunft sind zum Beispiel auch ähnliche Programme zu Volkskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck vorstellbar. Mit COPE verdeutlicht SAP den Stellenwert, den die Gesundheit der Belegschaft für das Unternehmen spielt. Nach den Pilotprojekten in Deutschland und den USA laufen derzeit Vorbereitungen, um COPE in weiteren Ländern einzuführen. Für SAP ist größtmöglicher Datenschutz bei COPE ein zentrales Anliegen: Die Berechtigungsprüfung und Rechnungsverarbeitung übernimmt ein eigens eingerichtetes Trust Center, das speziellen Vertraulichkeitsrichtlinien unterliegt. Das Center verlassen keine Informationen darüber, wer am COPE-Programm teilnimmt oder teilgenommen hat. SAP und das Trust Center erhalten zudem keinerlei Zugriffe auf die Analyseergebnisse der Patienten.

 

VDGH Diagnostik im Gespräch 2/2015

 

Wie ermöglicht SAP Personalisierte Medizin?

Personalisierte Medizin mit differenzierten Behandlungsempfehlungen ist nicht zuletzt deshalb möglich, weil die SAP HANA Platform Terabytes an Daten in Sekundenschnelle analysiert. Genetische Veränderungen zu identifizieren, gleicht der Suche nach wenigen Tippfehlern in einem über 40 Meter dicken Buch! Für Ärzte wird es insgesamt immer schwieriger, alle zur Verfügung stehen Informationen zu berücksichtigen und selbst auf dem neusten Forschungsstand zu bleiben. Eine zentrale Säule der personalisierten Medizin bilden daher IT-basierte Analysen von Zellen, DNA oder Proteinen sowie IT-basierte Entscheidungshilfen für Ärzte.

 

Wo sieht SAP die Zukunft?

SAP treibt personalisierte Medizin mit verschiedenen Produkten und Projekten voran: So unterstützt SAP Medical Research Insight u. a. Echtzeitanalysen klinischer Daten. Ein Beispiel für eine weitere Kooperation ist der Aufbau und Betrieb der CancerLinQ™ Platform für die ASCO (American Society of Clinical Oncology) durch SAP.

19.01.2016