Warum und wann Antibiotika?

Bunte Antibiotikumtabletten und -kapseln.

Infektionskrankheiten und ihre Behandlung heute und morgen

Heutzutage ist es gang und gäbe, dass bakterielle Infektionen mit einem Antibiotikum behandelt werden. Seit Entdeckung des Penicillins vor rund 80 Jahren wurden viele antibiotische Wirkstoffe entwickelt, die zielgerichtet für die Behandlung verschiedenster bakterieller Erkrankungen eingesetzt werden können.

Sorgfältig mit Antibiotika umgehen

Bakterien entwickeln im Laufe der Zeit Resistenzen: Das Antibiotikum wirkt bei ihnen nicht mehr. Ein sorgfältiger Umgang mit Antibiotika ist deshalb unerlässlich.

Wie Antibiotika gegen Infektionen wirken - zwei Beispiele

Chronische Magenschleimhautentzündung

1982 wurde ein Erreger entdeckt, der den Magen und den Zwölffingerdarm besiedelt. Dieses Bakterium, Helicobacter pylori genannt, ist auf der ganzen Welt verbreitet. Die Erkrankung beginnt mit einer Magenschleimhautentzündung, die bald chronisch wird und den Boden für die Entstehung von Magen und Zwölffingerdarmgeschwüren bildet. Das Risiko, an einem Magentumor zu erkranken, ist dabei etwa um das 2,7- bis 12-fache erhöht.



Tuberkulose

Weltweit sind derzeit 1,7 Milliarden Menschen infiziert, d. h. etwa ein Viertel der Weltbevölkerung. Jedes Jahr infizieren sich weitere zehn Millionen Menschen neu, und drei Millionen Menschen sterben an Tuberkulose. Die Zahl der Erkrankten nimmt – besonders auch in den Industrieländern – seit 1987 wieder stetig zu.

Die Antibiotika und ihre Geschichte

Das Denkmal für den Entdecker des Penicillins, Sir Alexander Fleming.
Bild: Anibal Trejo - Shutterstock

Mit der Entdeckung des Penicillins im Jahre 1928  durch Sir Alexander Fleming begann das sogenannte Antibiotika-Zeitalter. In den folgenden Jahren glaubte man, dass Infektionen durch Bakterien bald vollkommen bekämpft und somit der Vergangenheit angehören würden.

Infektionskrankheiten auf dem Vormarsch

Doch dieses Ziel konnte bis heute nicht erreicht werden. Viele Infektionskrankheiten sind heute wieder auf dem Vormarsch.

 

Folgende Gründe spielen hierbei eine Rolle:

 

  • Antibiotika-Resistenz
  • Reisefreudigkeit  – gerade Fernreisen bergen die Gefahr schwerer Infektionen
  • Schwere Infektionen mit oft kaum behandelbaren Erregern bei Patienten, deren Abwehrsystem unzureichend funktioniert  (AIDS-Patienten; Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen)

Was ist ein Antibiotikum und wie wirkt es?

Alle Lebensformen, ob Menschen, Tiere oder auch Bakterien, entwickeln ständig neue Mechanismen, um in einer sich stetig verändernden Umwelt zu überleben. Pilze und Bakterien bilden z. B. Substanzen, die schon in geringer Menge das Wachstum von anderen Mikroorganismen hemmen oder abtöten. Diese Stoffe nennt man Antibiotika.

Wirksam gegen bakterielle Infektionen

Antibiotika werden heute biologisch oder synthetisch hergestellt und in der Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten des Menschen eingesetzt. Werden z. B. Menschen mit einer Gehirnhautentzündung nicht behandelt, sterben über 50 Prozent. Bei optimaler Behandlung mit Antibiotika können über 90 Prozent geheilt werden.


Antibiogramm vor der Therapie


Es gibt eine Vielzahl von Antibiotika, die unnötig jeweils immer nur gegen eine gewisse Auswahl von Bakterien und niemals gegen alle wirken. Deshalb sollte der Krankheitserreger identifiziert werden, bevor mit der Therapie begonnen wird. Ein sogenanntes Antibiogramm ermöglicht dem Arzt, genau das Antibiotikum auszusuchen, das speziell bei der Infektion wirkt.

Wann Antibiotika nehmen?

Grundsätzlich gilt:

 

  • Antibiotika werden zur Behandlung von bakteriellen Infektionen eingesetzt.
  • Antibiotika wirken nicht bei Virusinfekten.
  • Bei Erkältungskrankheiten („grippale Infekte“) sollte festgestellt werden, ob überhaupt eine bakterielle Infektion vorliegt, da ansonsten auf eine Antibiotika-Therapie verzichtet werden kann.
  • Es sollte immer ein Erregernachweis, möglichst mit Resistenzbestimmung (Antibiogramm), erstellt werden, um das wirksamste Antibiotikum einsetzen zu können.

Antibiotika und Resistenzen

Stäbchenbakterien, die von Antibiotikum bekämpft werden.
Bild: Michael Design - Shutterstock

Was ist eine Antibiotika-Resistenz?

Eine regelmäßig mit einem bestimmten Antibiotikum konfrontierte Bakterienart kann "dazulernen", indem sie sich verändert, dass das Antibiotikum nicht mehr wirken kann. Dadurch können sich die Krankheitserreger trotz antibiotische Behandlung ungestört weiter vermehren und so bei einer schweren Infektion des Menschen wie z.B. Lungenentzündung zum Tode führen.

 

Wie verbreiten sich Antibiotika-Resistenzen?

Dieses Phänomen der erworbenen Widerstandsfähigkeit gegen ursprünglich wirksame Antibiotika nennt man Antibiotika- Resistenz. Diese kann von einer Generation auf die nächste oder sogar auf andere Bakterienarten weitergegeben werden. Bei Ansteckung werden dann diese veränderten „resistenten“ Bakterien von Mensch zu Mensch oder von Tier zu Mensch übertragen.

Wie häufig kommen gegen Antibiotika resistente Bakterien vor?

In einigen Ländern sind aufgrund unsachgemäßer Anwendung dieser lebenswichtigen Arzneimittel (z. B. unnötige Gabe von Antibiotika bei Virusinfekten oder Gabe eines für eine spezifische Erregerart nicht hochwirksamen Präparates) die Resistenzraten schon so hoch, dass die Bakterien auf kein bekanntes Antibiotikum mehr ansprechen und den erkrankten Menschen medizinisch nicht mehr geholfen werden kann.

Treten gegen Antibiotika resistente Keime auch in Krankenhäusern auf?

Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) stellen gegen Antibiotika resistente Keime auch in Deutschland ein Problem dar. ziehen sich hierzulande jährlich etwa 600.000 Krankenhauspatienten in der Klinik eine Infektion zu, 30.000 sterben daran. Diese Infektionen werden immer öfter von Erregern ausgelöst, gegen die die üblichen Antibiotika nicht mehr wirken.

Was bedeutet Multiresistenz?

Keime, die gegen ein oder gar mehrere Antibiotika Resistenzen entwickelt haben, stellen daher eine große Herausforderung für die Kliniken dar, zumal sie sich rasant ausbreiten. Der bekannteste multiresistente Erreger ist ein Bakterium, das als MRSA, als Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, bezeichnet wird.

Aktiv werden gegen Antibiotika-Resistenzen

Petrischale mit Antikiotikum, das auf Wirksamkeit gegen Bakterien getestet wird.
Bild: GGW1962 - Shutterstock

Unser heutiges Handeln beeinflusst das Morgen:

Antibiogramm vor Antibiotika-Behandlung

Wir wissen heute, dass viele Erkrankungen durch Bakterien hervorgerufen werden und somit durch geeignete Antibiotika behandelt werden können, wenn zuvor eine ausreichende Diagnostik (Erregernachweis, Antibiogramm) durchgeführt wurde.


Liegen die Ergebnisse der Labordiagnostik (Erregernachweis und Antibiogramm) vor, kann der Arzt zielgerichtet therapieren, d. h. das richtige Antibiotikum auswählen und einer Resistenzentwicklung vorbeugen.



Zunehmenden Resistenzen vorbeugen


Nach einigen Tagen der Behandlung mit einem Antibiotikum sind die Bakterien zunächst nur im Wachstum gehemmt und noch nicht vollständig abgetötet. Bei zu kurzer Therapie können sie sich wieder vermehren und damit einen Rückfall verursachen oder Abwehrmechanismen, also Resistenzen, gegen die Medikamente entwickeln.


Das können Sie selbst tun:

Mann drückt Antibiotikum aus Tablettenblister auf seine die Hand
Bild: Bepsy - Shutterstock

Setzen Sie Antibiotika nicht selbsttätig ab, sondern nehmen Sie sie exakt nach den Angaben Ihres behandelnden Arztes ein. So können Sie selbst aktiv vorbeugen und Resistenzen vermeiden helfen.

 

Informieren Sie Haus- und Fachärzte darüber, welche Antibiotika Sie wann genommen haben. Am besten bitten Sie Ihre Ärzte um eine entsprechende Dokumentation.

 

 

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