Tumore

Früherkennung und Nachsorge

Bis 2020 steigt die Zahl der Krebserkrankungen bei Männern und Frauen im Vergleich zu 2013 um 15 Prozent an. So berechnen es Experten des Robert Koch-Instituts (RKI).  Insgesamt 238 396 Menschen erlagen im Jahr 2016 einem Krebsleiden, darunter 125 128  Männer und 105 597 Frauen. Das belegen Daten des Statistischen Bundesamtes. Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache der Deutschen. Viele dieser Schicksalsschläge ließen sich vermeiden, würde die Krankheit rechtzeitig erkannt.

Bitte beachten Sie:

Dieses Faltblatt überarbeiten wir zur Zeit. Sie können es daher vorübergehend nicht herunterladen oder bestellen. Die Inhalte auf dieser Seite entsprechen dem aktuellen Stand der Regelungen zur Krebsvorsorge in Deutschland.

Vorsorgeuntersuchungen nutzen!

Je nach Alter haben die Versicherten Anspruch auf folgende Untersuchungen:

Mädchen und Jungen von 9 bis 14 Jahren

Impfung gegen Hochrisiko-HPV-Stämme (verantwortlich für Gebärmutterhalskrebs, Tumore im Hals, Mund-, Rachen-, Genital- und Analbereich)

 

Jugendliche, die bis zum Alter von 15 Jahren noch nicht gegen HPV geimpft worden sind, sollten die Impfung möglichst bald und noch vor dem 18. Geburtstag nachholen.

 

 

 

Frauen ab 20

Untersuchung der Geschlechtsorgane

Frauen ab 30 Jahren
Hautuntersuchung

zusätzlich zur Untersuchung der Geschlechtsorgane auch Untersuchung von Brust und Haut

Männer ab 45 Jahren

Geschlechtsorgane, Prostata, Haut

Männer und Frauen ab 50 Jahren

bis zu einem Alter von 54 Jahren jährlich ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl (iFOBT), bei auffälligem Stuhltest besteht Anspruch auf eine Abklärungskoloskopie

Männer ab 50 Jahren

zweimal im Abstand von 10 Jahren Koloskopie (Darmspiegelung) oder alle 2 Jahre Untersuchung auf Blut im Stuhl

Frauen ab 55 Jahren

zweimal im Abstand von 10 Jahren Koloskopie (Darmspiegelung) oder alle 2 Jahre Untersuchung auf Blut im Stuhl

Auf Warnsignale des Körpers achten

Frau mit Bauchbeschwerden

Doch darauf allein sollte man sich nicht verlassen. Je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Deshalb ist es wichtig, auch während der Intervalle zwischen den Vorsorgeuntersuchungen auf die Warnsignale des Körpers zu achten. 

Solche Warnsignale sollten vom Arzt abgeklärt werden:
  • Verdauungs- und Schluckstörungen
  • Veränderungen beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen
  • schlecht abheilende Wunden
  • ungewöhnliche Blutungen, z. B. Blut im Urin, beim Stuhlgang oder im Ausfluss
  • Verdickungen oder Knoten in der Brust oder an anderen Körperstellen
  • dauernder Husten oder Heiserkeit

Durch Vorsorge Darmkrebs verhindern

Darmkrebs

Seit April 2017 steht allen Versicherten ab 50 Jahren die Untersuchung von Stuhlproben mit  immunologischen Stuhltests (iFOBT) auf verborgenes (okkultes) Blut im Stuhl zu. Hintergrund: Darmtumore und ihre Vorstufen bluten häufig. Das Blut wird mit dem Stuhl ausgeschieden – meist jedoch nur in ganz geringen Mengen. Daher erkennen Betroffene mit dem bloßen Auge das Warnzeichen nicht. Der iFOBT kann jedoch kleinste Mengen Blut in einer Stuhlprobe entdecken. Studien haben gezeigt: Die immunologischen Tests spüren etwa doppelt so viele Krebserkrankungen und rund dreimal so viele der fortgeschrittenen Krebsvorstufen auf. Zugleich sind die Ergebnisse sehr genau: Beim iFOBT kommt es deutlich seltener zu falsch positiven Ergebnissen als bei den Vorläufern dieses Testverfahrens. Weiterer Vorteil für die Versicherten: Die Tests reagieren speziell auf den menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin. Bei enzymatischen Testverfahren konnten bestimmte Lebensmittel wie Fleisch oder Rote Beete das Testergebnis verfälschen. Dies ist beim iFOBT ausgeschlossen. Ein positives Testergebnis muss immer mit einer Darmspiegelung kontrolliert werden - und nicht zwangsläufig auf Darmkrebs hinweisen. So können beispielsweise auch akute Entzündungen im Darm zu Blutungen führen. Bei einer Darmspiegelung können Ärzte gleichzeitig Vorstufen von Darmkrebs entfernen. Damit gehört Darmkrebs zu den wenigen Tumorerkrankungen, die durch konsequente, rechtzeitige Vorsorge tatsächlich verhindert werden können.

Darmkrebsvorsorge im Überblick

Darmspiegelung (Koloskopie)

Anspruch auf zwei Früherkennungskoloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren haben:

 

  • Männer ab einem Alter von 50 Jahren.
  • Frauen ab einem Alter von 55 Jahren.

Wenn das Angebot erst ab dem Alter von 65 Jahren wahr genommen wird, besteht Anspruch auf eine Früherkennungskoloskopie.

Immunologischer Stuhltest (iFOBT)

  • Frauen und Männer im Alter von 50 bis 54 Jahren können jährlich einen iFOB-Test vornehmen lassen.
  • Ab einem Alter von 55 Jahren haben Frauen und Männer alle zwei Jahre Anspruch auf einen iFOB-Test, solange noch keine Koloskopie in Anspruch genommen wurde.
  • Bei auffälligem Stuhltest besteht der Anspruch auf eine Abklärungskoloskopie.

Weitere Informationen zur Darmkrebsvorsorge:

IPF-Faltblatt Darmkrebs

IPF Im Fokus Darmkrebs - Vorsorge rettet Leben

Bluttest spürt Prostatakarzinom auf

Älterer Mann

Das Prostatakarzinom ist in Deutschland mit zirka 64.000 Neuerkrankungen jährlich der häufigste Tumor des Mannes. Wird er im Frühstadium erkannt, können etwa 90 Prozent der Betroffenen durch eine radikale Prostataoperation geheilt werden.

Blutprobe
PSA-Wert bestimmen

Im Rahmen der gesetzlichen Krebsvorsorge bei Männern untersucht der Arzt die Prostata zunächst mit dem Finger. Ist die Drüse vergrößert, ist eine weitere Abklärung nötig. Dazu wird in einer Blutprobe ein spezielles Eiweiß, das prostataspezifische Antigen (PSA), bestimmt.

Was tun, wenn der PSA-Wert erhöht ist?

Das PSA wird in der Prostata gebildet. Bei einem Krebs, aber auch bei einer gutartigen Prostatavergrößerung, sind die Gesamt-PSA-Werte erhöht. Um festzustellen, welche Krankheit nun tatsächlich vorliegt, sind weitere Untersuchungen nötig.

Differenzierte Tests können Gewebeentnahmen vermeiden

Neben dem Nachweis des Gesamt-PSA stehen dazu heute Methoden zur Bestimmung des freien und komplexierten PSA zur Verfügung. Durch diese differenzierten Tests lässt sich oft eine Gewebeentnahme aus der Prostata vermeiden, die die übliche Methode ist, um die Ursache erhöhter PSA-Werte eindeutig aufzudecken.

Screening auf Gebärmutterhalskrebs ab 2020

Ab Januar 2020 soll das organisierte Programm zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs (Zervix-Karzinom) starten. Versicherte Frauen, die Anspruch auf diese Untersuchung haben, sollen dann per Informationsschreiben zu den Untersuchungen eingeladen werden. Bis dahin stellt eine Übergangsregelung die bisherigen  Früherkennungsleistungen sicher. Die Art der Untersuchungen im Rahmen des Screening-Programms werden sich je nach Alter unterscheiden.

Alterabgestufte Untersuchungen

  • So können Frauen zwischen 20 und 34 Jahren – wie bislang – einmal jährlich eine zytologische Untersuchung mittels des sogenannten Pap-Tests wahrnehmen.
  • Frauen ab dem Alter von 35 Jahren wird – statt der derzeitigen jährlichen zytologischen Untersuchung – künftig alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung (Ko-Testung), bestehend aus Pap-Abstrich und HPV-Test, angeboten.
  • Bei der zytologischen Untersuchung ist neu, dass sie künftig als konventioneller Abstrich oder mittels Dünnschichtverfahren durchgeführt werden kann.
  • Bei auffälligen Screeningbefunden können der Abstrich und/oder der HPV-Test wiederholt werden. Möglich ist künftig auch eine Abklärungskolposkopie.

Voraussichtlich tritt der Beschluss des G-BA zum 1. Juli 2019 in Kraft. Danach haben die Verbände der Krankenkassen sechs Monate Zeit, die Vergütung zu regeln sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung festzulegen. Dann kann das Programm Anfang 2020 starten.

Nachsorge – wozu Tumormarkerbestimmungen geeignet sind

Bei Tumormarkern handelt es sich um Proteine, Peptide oder andere biologische Substanzen im Blut oder in anderen Körperflüssigkeiten, deren erhöhte Konzentration auf einen Tumor oder auf einen Rückfall hindeuten kann. Damit sind Tumormarker geeignet, den Verlauf einer Krebserkrankung zu beobachten und den Erfolg einer Tumorbehandlung zu kontrollieren.

Fragen und Antworten zu Tumormarkern

Bei wem ist eine Markerbestimmung sinnvoll?

Für Gesunde sind Tumormarkerbestimmungen daher in der Regel nicht geeignet. Sinnvoll sind sie für Menschen, die beispielsweise im Beruf einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt sind.

Eignen sich Tumormarker zur Früherkennung?

Zur Früherkennung sind nur wenige Marker geeignet, etwa das prostataspezifische Antigen PSA zur Früherkennung von Prostatakrebs. Auch für Blasenkrebs gibt es einen Früherkennungstest, der in den USA und in Japan bereits zugelassen ist. 

Was sagen Tumormarker aus?

Mit der Bestimmung von Tumormarkern können der Krankheitsverlauf und der Erfolg einer Therapie beurteilt werden. Sinken etwa erhöhte Markerwerte nach einer Krebsoperation in den Normbereich, so spricht dies für eine vollständige Entfernung der Geschwulst. 

Was bedeuten erhöhte oder ansteigende Werte der Tumormarker?

Erhöhte oder ansteigende Werte sind Anzeichen dafür, dass Tumorgewebe im Körper geblieben ist und/ oder sich eventuell bereits Tochtergeschwülste gebildet haben. 

Wie helfen Tumormarker bei der Nachsorge?
Ärztin mit Blutprobe

Werden bei der Nachsorgeuntersuchung ansteigende Tumormarkerwerte gemessen, so kann der Tumor neu gewachsen sein oder es haben sich Metastasen gebildet.

Per Laboruntersuchung kann dies bis zu sechs Monate früher festgestellt werden als per Röntgen oder Ultraschall. Dadurch bietet sich die Chance einer frühen Therapie.

Bei welchen Tumoren werden Marker gemessen?

Besonders bei Krebserkrankungen an Dickdarm, Brust, Eierstöcken, Prostata und Hoden sowie beim Lungenkarzinom ist die Tumormarker-Bestimmung zur Therapiekontrolle und Rückfall-Früherkennung geeignet.

Reicht es für eine Diagnose, den Tumormarker zu bestimmen?

Ein häufig bestimmter Tumormarker ist das CEA (karzinoembryonales Antigen), das bei bösartigen Tumoren des Dickdarms, des Magens, der Brust und der Lunge vermehrt gebildet wird. Auch bei entzündlichen Erkrankungen, etwa des Darms, kann das CEA erhöht sein. Deshalb wird eine Krebsdiagnose niemals allein über die Tumormarkerwerte gestellt. Zusätzlich sichert eine Gewebeprobe die Diagnose und stellt den Bösartigkeitsgrad fest.

Durch Marker zum richtigen Medikament gegen Brustkrebs

Mammographie

Mit einer Testmethode zur Untersuchung von Tumorgewebe auf das Oberflächenprotein Her-2/neu (human epidermal growth factor receptor 2) kann eine aggressive Brustkrebsform, die in Deutschland bei einem Viertel der jährlich etwa 72.000 neu entdeckten Erkrankungen auftritt, erkannt und spezifisch behandelt werden.

Volle Wirksamkeit kann getestet werden

Dagegen gibt es ein Medikament, das ausschließlich bei den Patientinnen voll wirksam ist, deren Tumor das Eiweiß Her-2/neu im Übermaß bildet. Deshalb sollte vor der Behandlung eine Untersuchung auf Her-2/neu-Überexpression vorgenommen werden.

Labotests unterstützen Diagnose und Therapie

Das Medikament kann den Krebs zwar nicht heilen, aber sein Wachstum unterdrücken und das Leben der Patientinnen verlängern. Auch spezielle Tests auf Papillomviren (HPV) sind wichtig für die Krebs-Vorsorge bei Frauen, da sie einen Hinweis auf Gebärmutterhalskrebs geben können.

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