Tuberkulose

Immer noch ein Problem

Viele Menschen kennen sie nur aus Thomas Manns „Zauberberg“: die Schwindsucht. Doch auch heute noch existiert die Tuberkulose in Deutschland – eine hochinfektiöse, meldepflichtige Krankheit. Bereits wenige Erreger genügen für eine Ansteckung. 

Labortests sichern Tuberkulose-Diagnose

Die Infektion mit den Bakterien kann über Jahre im Körper schlummern und sich erst dann zur Tuberkulose entwickeln. Die Diagnose ist nicht einfach, und im Verdachtsfall sind verschiedene Labortests sowie Untersuchungen nötig.

  • Definition
  • Ansteckung
  • Immunität

    Definition

    Was ist das, die Tuberkulose?

    Die Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt sie die Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten an. Weltweit sind etwa zwei Milliarden Menschen mit Tuberkulose infiziert. 

    Ansteckung

    Hustende Frau
    Wie steckt man sich mit Tuberkulose an?

    Die Ansteckung erfolgt vorwiegend durch Einatmen kleinster Tröpfchen. Bereits ein bis drei Tuberkulosebakterien, die ein an offener Tuberkulose erkrankter Mensch beim Sprechen, Husten oder Niesen ausgestoßen hat, genügen für eine Ansteckung. 

    Immunität

    Büste von Robert Koch
    Wird jeder Infizierte auch krank?

    Nur etwa fünf bis zehn Prozent der Infizierten erkranken an Tuberkulose. Die übrigen 90 bis 95 Prozent werden durch den Kontakt immunisiert und sind vor einer späteren Infektion geschützt. Es war der deutsche Bakteriologe Robert Koch, der 1882 den Erreger der Tuberkulose, das Mycobacterium tuberculosis, als Erster beschrieben hat.

Was machen die Tuberkulosebakterien?

Schematische Darstellung der Lunge

Die Tuberkulosebakterien werden mit der Atemluft in die Lunge transportiert, wo sie sich ansiedeln. Als Antwort bildet der Körper Antikörper gegen die Bakterien. Die Zellen schließen diese Bakterien ein, und in der Lunge bildet sich ein kleiner Herd. Gleichzeitig schwellen die nächstliegenden Lymphknoten an, es entsteht der sogenannte Primärkomplex, der noch nicht als Erkrankung gilt.

Ab wann kann man Tuberkulose im Labor nachweisen?

Etwa sechs Wochen nach der Infektion wird die Immunantwort im Tuberkulin-Test positiv. Wenn die Abwehrkräfte diese Bakterien nicht unschädlich machen können, entwickelt sich die Infektion weiter. 

Wie entwickelt sich Tuberkulose, wenn sie nicht behandelt wird?

Die Tuberkulosebakterien können z. B. über die Blutbahn auch in andere Organe transportiert werden und dort tuberkulöse Entzündungen verursachen (z. B. in den Lymphknoten, im Urogenitaltrakt, im Rippenfell und in der Hirnhaut). Diese neuen Herde können entweder ruhen oder – auch nach vielen Jahren – eine Tuberkulose-Erkrankung verursachen.

Krankheitsformen und Symptome – Fragen und Antworten

Welche Formen der Tuberkulose kommen vor?

Bei der häufigsten Tuberkulose-Erkrankung, der Lungentuberkulose, wird zwischen der offenen und geschlossenen Form unterschieden. 

Was passiert bei einer offenen Tuberkulose?

Bei der offenen Form bekommt das tuberkulöse Gewebe Anschluss an einen Bronchus (Luftröhrenzweig) und wird ausgehustet. Die Erkrankten sind eine Ansteckungsgefahr für ihre Umgebung.

Wie unterscheiden sich offene und geschlossene Tuberkulose?

Die zweite Form ist die geschlossene Lungentuberkulose. Da keine Verbindung zu den Bronchien entsteht, werden auch keine Tuberkulosebakterien ausgehustet.

Was ist eine Miliartuberkulose?

Leidet ein Mensch unter Abwehrschwäche, können Tuberkulosebakterien über den Blutweg gleichzeitig in mehrere Organe wandern. An den betroffenen Stellen bilden sich kleine Knötchen, und man spricht von Miliartuberkulose.

Welche Krankheitssymptome gibt es?
Frau mit Brustschmerzen

Am Anfang fehlen charakteristische Beschwerden. Die Betroffenen klagen über Husten oder Hüsteln, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Gewichtsabnahme, leichtes Fieber, Stechen in der Brust und Nachtschweiß – also allgemeine Symptome. 

Zeigen alle Erkrankten Symptome?

Es kommt auch vor, dass Menschen, die an offener Lungentuberkulose erkrankt sind, keinerlei Beschwerden haben, was für die Betroffenen wie ihre Umwelt besonders gefährlich ist: Die Erkrankung kann sich im Körper ausbreiten und die Umgebung wird durch das hohe Ansteckungsrisiko gefährdet.

Worauf müssen Menschen mit geschwächtem Immunsystem achten?

Immungeschwächte Menschen wie AIDS-Kranke und HIV-Infizierte sollten sich daher regelmäßig, etwa in halbjährlichen Abständen, untersuchen lassen. Auch bei länger als drei Wochen anhaltendem Husten sollte der Arzt aufgesucht werden.

Tuberkulin-Test zur Diagnose

Der Tuberkulin-Test kann entweder in Form eines Hauttests (Intracutan-Tests) oder als Bluttest durchgeführt werden. Eine positive Reaktion bedeutet nicht immer eine Erkrankung. Auch wenn der Betroffene eine Infektion mit Tuberkulosebakterien durchgemacht hat oder gegen Tuberkulose geimpft wurde, ist die Reaktion positiv.

Mehr Sicherheit durch Röntgen und bakteriologische Untersuchung

Andererseits kann trotz einer schweren Tuberkulose-Erkrankung (z. B. Miliartuberkulose) oder bei einer Immunschwäche (z. B. HIV) die Reaktion negativ sein. Weitere wichtige Untersuchungen sind die Röntgenaufnahme der Lunge und die bakteriologische Untersuchung.

 

 

Blutproben

Schwierige Tuberkulose-Diagnose: Ein Bluttest allein reicht nicht unbedingt aus

Ärztin mit Röntgenaufnahme einer Lunge

Eine Röntgenaufnahme der Lunge und eine bakteriologische Untersuchung unterstützen die Diagnose

Untersuchungen für klare Diagnose

Folgende Untersuchungen können durchgeführt werden:

  • Nachweis des für Tuberkulosebakterien spezifischen Teils ihrer Erbsubstanz durch eine DNA-Untersuchung
  • Züchtung vermehrungsfähiger Formen auf künstlichen Nährmedien

Die angezüchteten Tuberkulosebakterien kann man auf speziellen Nährböden unter Zusatz von unterschiedlichen Medikamenten auf ihre Wirksamkeit testen.

Behandlung der Tuberkulose

  • Ziel
  • Medikamente
  • Behandlung
  • Rückfälle

    Ziel

    Erreger abtöten

    Ohne Behandlung würden etwa 50 Prozent der Erkrankten an Tuberkulose sterben und weitere 25 Prozent würden später einen Rückfall erleiden. Deshalb ist das Ziel der Behandlung die Abtötung des Erregers. 

    Medikamente

    Behandlung mit Tuberkulostatika

    Die Medikamente, die Patienten gegeben werden, heißen Tuberkulostatika. Die wichtigsten Medikamente sind: Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Pyrazinamid (PZA), Ethambutol (EMB) und Streptomycin (SM). 

    Behandlung

    Langfristig wirksam

    Wegen der unterschiedlichen Wirkung auf die Tuberkulosebakterien und ihre Lebensformen müssen anfangs vier verschiedene Medikamente gleichzeitig eingenommen werden. Bei erfolgreichem Verlauf werden diese Medikamente nach etwa sechs Wochen für weitere vier Monate auf zwei reduziert.  

    Rückfälle

    Rückfälle werden anders behandelt

    Für die Behandlung von Rückfallerkrankungen, extrapulmonaler Tuberkulose oder resistenter Tuberkulose gelten andere Behandlungsmöglichkeiten und -zeiten.

Patienten müssen mitarbeiten

Hand mit Tablette

Ohne die Mitarbeit des Patienten können die besten Medikamente nichts ausrichten. Besonders wichtig ist, dass der Patient alle verordneten Medikamente konsequent, in vorgeschriebener Menge und täglich einnimmt. Wie auch andere Medikamente haben die Tuberkulostatika Nebenwirkungen. Diese sind ausführlich in der Packungsbeilage der entsprechenden Medikamente beschrieben.

Kontrolluntersuchungen

Während der Behandlung werden in gewissen Abständen Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen der Lunge und bakteriologische Kontrollen durchgeführt. Bei der Behandlung mit Ethambutol werden zusätzlich augenärztliche Untersuchungen festgelegt, bei der Behandlung mit Streptomycin Kontrollen beim HNO-Arzt. Die Tuberkuloseschutzimpfung wird derzeit in Europa in der Regel nicht empfohlen.

Meldepflicht

Nach dem Infektionsschutzgesetz müssen der bakterielle Nachweis und die Einleitung der antituberkulösen Therapie dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden. Die Meldepflicht besteht auch bei Tod des Patienten und bei Abbruch der Behandlung. Die Gesundheitsämter veranlassen gegebenenfalls auch Untersuchungen von Menschen, die mit einem Infizierten Kontakt hatten.

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