Infektionen in der Schwangerschaft

Risikoabsicherung vor und in der Schwangerschaft 

Der Frauenarzt begleitet die werdende Mutter mit einem umfassenden Vorsorge-Programm durch ihre Schwangerschaft – zu ihrem Schutz und zum Schutze des Kindes. Ein Hauptaugenmerk sollte dabei auf möglichen Infektionen liegen, die vor allem der Gesundheit des Kindes schaden können. Das Tückische dabei: Von der werdenden Mutter werden die Infektionen oft gar nicht bemerkt.

Blutprobe

Wie stellen Schwangere fest, ob das Ungeborene gefährdet sein könnte?

Der Frauenarzt kann mit nur wenigen Labortests feststellen, ob ein besonderes Risiko für das Kind im Mutterleib vorliegt. Dafür bedarf es lediglich einiger Tropfen Blut!

Röteln – eine Erkrankung von Kindern und Jugendlichen?

Ja und nein. Meistens kommt die Erkrankung bei Kindern im Alter zwischen drei und zehn Jahren vor. Sie verläuft größtenteils harmlos und ohne Folgeschäden. 

  • Risiko
  • Ansteckung
  • Häufigkeit

    Risiko

    Gefahr fürs ungeborene Kind

    Infiziert sich eine werdende Mutter, die keine oder nicht mehr genügend eigene Abwehrkräfte (Antikörper) gegen das Röteln-Virus hat, dann besteht die Gefahr, dass sich auch das ungeborene Kind mit dem Virus ansteckt. Mögliche Folge: schwere Missbildungen

    Ansteckung

    Erkrankte Kinder sind Risiko für Schwangere

    Die Hauptansteckungsquelle sind Kinder, die an Röteln erkrankt sind – einem besonderen Risiko sind daher Schwangere ausgesetzt, die oft mit vielen Kindern zusammen sind, etwa Lehrerinnen oder Erzieherinnen.

    Häufigkeit

    Impfstatus prüfen lassen

    Neue Daten zeigen, dass jährlich etwa 36.000 Schwangerschaften in Deutschland durch eine Infektion der Mutter mit dem Röteln-Virus gefährdet sind. Frauen mit Kinderwunsch sollten dringend vor einer möglichen Schwangerschaft ihren Impfstatus überprüfen lassen und sich gegebenenfalls impfen lassen. 

Schnell zum Arzt

Auch bei einem Verdacht auf eine Ansteckung mit Röteln sollten Schwangere so schnell wie möglich ihren Frauenarzt aufsuchen. Innerhalb der ersten vier Tage nach der Ansteckung können Mutter und Kind noch ausreichend vor Folgeschäden geschützt werden.

Toxoplasmose – wie gefährlich ist sie?

Gesunden Erwachsenen kann der Toxoplasmose-Erreger normalerweise nichts anhaben. Nur: Steckt sich eine werdende Mutter erstmals mit diesem Erreger an, so kann er über das Blut zu dem noch ungeborenen Kind gelangen und dieses infizieren. 

Ansteckung ohne Krankheitszeichen

Schäden der Augen und des Gehirns bis hin zu schwersten Missbildungen können die Folge sein. Die Ansteckung des Erwachsenen erfolgt in der Regel, ohne dass irgendwelche Krankheitszeichen auftreten. Zumindest keine sichtbaren – denn nachweisen lässt sich diese Infektion nur mit Hilfe von Labortests.

Infektion in der Schwangerschaft

Geschützt sind Mutter und Kind, wenn bereits vor der Schwangerschaft ausreichend Abwehrkräfte gegen diesen Erreger gebildet wurden – denn nur, wenn die erste Infektion während einer Schwangerschaft erfolgt, ist auch das Ungeborene gefährdet. 

Toxoplasmose verhindern

Empfehlenswert ist deshalb die Feststellung von Toxoplasmose-Antikörpern vor oder zu Beginn einer Schwangerschaft! Beim Verdacht auf eine Ansteckung während der Schwangerschaft, zum Beispiel bei Nachbars Katze, ist eine Untersuchung ratsam – denn: Früh genug festgestellt, lässt sich Toxoplasmose beim Kind verhindern.

Zytomegalie-Virus (CMV): Tückisch

Neugeborenes
Zytomegalie-Virus: Auch durch Muttermilch übertragbar

Dieses Virus verursacht bei gesunden Erwachsenen auch wiederum nur selten Krankheitszeichen, aber: Kommt es bei einer Schwangeren zu einer Erstinfektion, besteht ein etwa zehnprozentiges Risiko, dass das Neugeborene schwer krank ist (Schädigung von Gehirn, Lunge, Leber, Augen).

Labortest schafft Klarheit

Auch hier verschafft ein Labortest Klarheit: Hat eine schwangere Frau ausreichenden Abwehrschutz, also genügend Antikörper, schützen diese auch das Kind. Auch später besteht noch ein Risiko für das Kind: Das CMV kann nämlich auch über die Muttermilch oder über den Speichel an den Säugling weitergegeben werden.

Chlamydien – Achtung!

Bakterien

Etwa jede zehnte Frau ist – ohne es zu merken – mit Chlamydien infiziert. Die Bakterien können durch sexuellen Kontakt übertragen werden. Sie verursachen meist keine offensichtlichen Beschwerden und bleiben daher unerkannt. 

Infektion gefährdet Neugeborene

Schwangere mit einer Chlamydien-Infektion gefährden jedoch die Gesundheit des Neugeborenen (z. B. Lungenentzündung). Ein Labortest, mit dem der Arzt Chlamydien diagnostizieren kann, gibt über die Infektion Aufschluss. Sie kann dann mit Antibiotika behandelt werden.

War es das?!

Es gibt natürlich noch weitere Krankheitserreger, die dem Kind während der Schwangerschaft gefährlich werden können. Hierzu zählen zum Beispiel Herpes simplex, HIV, Hepatitis B, Parvoviren, Listerien sowie Windpocken. Der Frauenarzt weiß über all diese Infektionen bestens Bescheid. 

Ein Tropfen Blut für alle Untersuchungen

Einige Untersuchungen auf mögliche Krankheitserreger wird er vielleicht auch schon vorgenommen haben – denn man braucht hierfür wirklich nur ein klein wenig Blut, selbst wenn nach allen diesen Erregern auf einmal geforscht wird!

Ärztin und schwangere Patientin
Gespräch mit dem Arzt suchen

Wer Sicherheit über das Risiko haben möchte, welche eigenen Infektionen seinem Kind gefährlich werden könnten, sollte seinen Frauenarzt darauf ansprechen. Er kann, eventuell nach einer weiteren Blutuntersuchung, sicherlich Auskunft geben.

Weitere Tests bei Schwangeren und Neugeborenen

Blutgruppenbestimmung

Blutuntersuchung zur Bestimmung der Blutgruppen von Mutter und Kind, da Unterschiedlicher Rhesusfaktor von Mutter und Kind kann das Kind gefährden.

Hormonüberwachung

Überwachen der Schwangerschaftshormone bei Risikoschwangerschaften.

Pränatalscreening

Ultraschallbestimmung der Nackentransparenz und Blutuntersuchungen zur Bestimmung der schwangerschaftsbedingten Eiweißkörper PAPP-A und freies ß-HCG im Blut der Mutter bei Verdacht auf Down-Syndrom im ersten Schwangerschaftsdrittel.

Triple-Test

Das Blut der Mutter wird bei Verdacht auf Down-Syndrom und Spina bifida auf bestimmte Hormonwerte getestet.

Folsäure-Messung

Zu wenig Folsäure im Blut der Mutter kann zu verschiedenen Entwicklungsstörungen des Neugeborenen führen.

Neugeborenen-Screening

Routineüberprüfung auf Phenylketonurie, Schilddrüsen- und andere Stoffwechselstörungen.

Neugeborenen-Untersuchung

Bluttest zur Bestimmung des Procalcitonin-Wertes bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion.

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