Volkskrankheit Diabetes

Sechs Millionen Menschen in Deutschland haben Diabetes – Tendenz steigend. Experten der Deutschen Diabetes-Hilfe vermuten zudem, dass bei zwei bis fünf Millionen Betroffenen die Krankheit zwar schon ausgebrochen, aber noch nicht diagnostiziert ist. Die Folgen wiegen schwer: Diabetiker sterben bis zu sechs Jahre früher als Nichtdiabetiker. Moderne Labormedizin unterstützt dabei, die Krankheit frühzeitig zu diagnostizieren, konsequent zu behandeln – und ermöglicht Diabetikern, ihre Gesundheit selbst im Blick zu behalten.

Hände halten Buchstaben, die das Wort Diabetes bilden
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Auf den Typ kommt es an

Diabetes ist eine Stoffwechselkrankheit: Damit der Körper Zucker (Glukose) als Energielieferant verarbeiten kann, produziert die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin. Es schleust die Glukose aus dem Blut in die Zellen. Wenn die Insulinproduktion gestört ist oder die Zellen das Insulinsignal zur Zuckerverarbeitung nicht mehr wahrnehmen können, sammelt sich die Glukose im Blut an – der Blutzuckerspiegel steigt.

Typ 1-Diabetes

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    Ursachen

    Kleiner Junge misst seinen Blutzuckerwert
    Bild: rkris - Fotolia.com

    Wenn der Körper sich selbst angreift

    Typ 1-Diabetes gehört zu den Autoimmunerkrankungen: Die Abwehrzellen zerstören die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Das lebenswichtige Hormon gelangt dann nicht mehr in den Organismus, die Körperzellen können keine Glukose mehr aufnehmen – und der Zucker sammelt sich im Blut an. Diese Diabetesform tritt hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen auf.

    Behandlung

    Insulin spritzen

    Betroffene müssen sich ihr Leben lang mehrfach am Tag Insulin spritzen und ihren Blutzuckerspiegel mit Selbstmessungen kontrollieren. So beugen sie akuten Stoffwechselentgleisungen wie Unter- oder Überzuckerung (Hypo- bzw. Hyperglykämie) mit teils lebensgefährlichen Folgen vor.

    Gut zu wissen

    Warnzeichen Diabetes-Autoantikörper

    Schon bevor die Krankheit ausbricht, können Labormediziner im Blut sogenannte Diabetes-Autoantikörper nachweisen. Dafür untersuchen sie das Blutserum auf Inselzellantikörper, Insulinautoantikörper, GAD- und IA2-Antikörper. Je nach Anzahl und Konzentration der nachgewiesenen Proteine beurteilen sie dann das Risiko für eine Erkrankung. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) empfiehlt zwar kein generelles Screening. In medizinischen Studien könne die Reihenuntersuchung für bestimmte Bevölkerungsgruppen jedoch sinnvoll sein.  

Typ 2-Diabetes

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    Ursachen

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    Insulinproduktion bis zur Erschöpfung

    Bei einem Typ 2-Diabetes werden die Körperzellen nach und nach unempfindlich für das Hormon Insulin. Dann können sie die Glukose im Blut nicht mehr aufnehmen – es kommt zur Insulinresistenz. Um die Resistenz auszugleichen, produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin und versagt schließlich. Übergewicht und Bewegungsmangel fördern die Entwicklung eines Typ 2-Diabetes.

    Behandlung

    Lebensstil und Medikamente

    Nicht jeder Typ 2-Diabetiker muss Insulin spritzen. Je nach Krankheitsverlauf kann es bereits ausreichen, die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zu ändern, um den Blutzuckerwert zu regulieren. Welcher Wert angemessen ist, sollten Fachärzte individuell mit dem Patienten entscheiden (mehr dazu lesen Sie unter „Diabetes behandeln“). Liegt der Langzeitblutzuckerwert (HbA1c-Wert) trotz Gegenmaßnahmen dauerhaft zu hoch, helfen Tabletten und schließlich auch Insulinspritzen, den Blutzucker stabil zu halten.

    Gut zu wissen

    Risiko aus den Genen

    Diagnose Typ 2-Diabetes – selbst schuld? Nicht unbedingt. Heute weiß man: Die Veranlagung zu Typ 2-Diabetes ist erblich. Leiden Eltern oder Geschwisterkinder unter der Krankheit, erkrankt man mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 60 Prozent ebenfalls im Laufe des Lebens. Faktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel fördern jedoch, dass die genetische Disposition zu Tage tritt.

Sonderformen des Diabetes

Diabetes in der Schwangerschaft

Etwa vier Prozent der Schwangeren entwickeln einen Diabetes, auch wenn sie zuvor normale Blutzuckerwerte hatten. Durch die Hormonumstellung setzt der Körper vermehrt Glukose frei, die Bauchspeicheldrüse produziert mehr Insulin. Weil die Zellen die Glukose jedoch nicht verwerten können, reichert sich der Zucker im Blut an. Seltener kommt es vor, dass die Bauchspeicheldrüse der Schwangeren zu wenig Insulin produziert. Betroffene müssen ihre Ernährung umstellen und/oder Insulin spritzen.

 

In der Regel verschwindet die Diabeteserkrankung nach der Geburt. Allerdings liegt das Risiko für betroffene Frauen, im Laufe ihres Lebens an einem Typ 2-Diabetes zu erkranken, bei rund 50 Prozent. Zur Früherkennung sollten Risikopatientinnen alle zwei Jahre einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) machen.

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Eine akute oder chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreas-Entzündung) schädigt in der Regel auch die insulinproduzierenden Zellen des Organs. Gleiches gilt bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Erkrankten müssen daher Insulin spritzen – ähnlich wie Typ 1-Diabetiker.

Autoimmuner Diabetes im Erwachsenenalter (LADA)

LADA steht für „Late Autoimmune Diabetes in Adults“ und bezeichnet einen autoimmunen Diabetes, der jedoch erst im höheren Alter auftritt. Die Symptome entwickeln sich in der Regel sehr langsam. Das erschwert die Diagnose: Nicht immer lässt sich LADA sofort von Typ 2-Diabetes abgrenzen. Für die Behandlung ist die Unterscheidung jedoch wesentlich: LADA-Patienten müssen Insulin spritzen. Lebensumstellung und Tabletten helfen ihnen – ähnlich wie Typ 1-Diabetikern – nicht.

Erwachsenendiabetes bei Kindern (MODY)

Erwachsenendiabetes, der bei Kindern und Jugendlichen auftritt, bezeichnen Mediziner als „Maturity Onset Diabetes in the Young“, kurz MODY. Dieser Diabetes vererbt sich über einzelne Gene. Daher leiden oft mehrere Familienmitglieder unter dieser Erkrankung. Ähnlich wie ein Typ 2-Diabetes kann MODY durch Ernährungsumstellung und Tabletten behandelt werden. Je nach Verlauf müssen die Betroffenen aber auch Insulin spritzen.

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

© Infozentrum für Prävention und Früherkennung (IPF)

Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Experten der Deutschen Diabetes-Hilfe und der Deutschen Diabetes Gesellschaft gehen davon aus, dass hierzulande

über 31.000 Kinder und Jugendliche  unter 20 Jahren an Typ 1-Diabetes leiden. So

 

Zudem erkranken pro Jahr etwa 200 Kinder und Jugendliche neu an Typ 2-Diabetes. Problematisch: Nach Zahlen der Deutschen Diabetes-Hilfe haben 13 Prozent der Kinder in Deutschland Übergewicht, sechs Prozent sind sogar stark übergewichtig (adipös). Das erhöht das Risiko, eine Typ 2-Diabeteserkrankung zu entwickeln.

Krankheit mit Folgen

Diabetiker erkranken häufiger an Herz-Kreislauf-Leiden, bekommen eher einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und ihre Nieren versagen öfter. Langfristig führen Gefäßschäden vermehrt zu Augenproblemen und schlecht heilenden Wunden, die öfter als bei Nichtdiabetikern Amputationen erforderlich machen. Zudem steigt das Risiko, im Alter dement zu werden. Auch die Seele leidet: Depressionen treten bei Menschen mit Diabetes doppelt so häufig auf wie bei Nichtdiabetikern. Ein gutes Gesundheitsmanagement ist für Diabetes-Patienten daher besonders wichtig.

 

 

Diabetes behandeln

Typ 1-Diabetes: intensive Therapie verlängert Leben

Menschen aller Altersgruppen geben das Signal "Daumen hoch" für die Diabetes-Forschung
Bild: wildworx - fotolia.de

Mit Diabetes zu leben, bedeutet nicht automatisch weniger Lebensqualität. So belegen US-amerikanische Langzeitstudien, dass Typ 1-Diabetiker deutlich gesünder bleiben, wenn sie frühzeitig und intensiv behandelt werden – sie ihre Blutzuckerwerte durch engmaschige Insulingaben also so sicher wie möglich auf einem normalen Level halten. Die Effekte der intensiven Therapie konnten die Forscher noch Jahrzehnte später beobachten: Komplikationen wie Netzhautschäden traten zu 76 Prozent seltener auf als bei schlecht eingestellten Diabetikern, Nervenschmerzen zu 60 Prozent und Nierenschäden zu 50 Prozent seltener.

Typ 2-Diabetes: Therapie nach Maß

Laborärzte untersuchen Blutproben auf erhöhte Blutzuckerwerte
Bild: Minerva Studio - fotolia.de

Auch für Typ 2-Diabetiker gelten gut eingestellte Blutzuckerwerte als Schlüssel, um Gefäße, Organe und Seele langfristig gesund zu erhalten. Anders als bei der Behandlung von Typ 1-Diabetikern sind die Mediziner inzwischen davon abgerückt, die Werte mit aller Macht an die Norm anzupassen. Vielmehr stellten Wissenschaftler in den USA mit zwei Langzeitstudien fest: Am wichtigsten ist es, schwere Unterzuckerungen zu vermeiden, vor allem bei Diabetikern mit weiteren Krankheiten und Patienten, die schon lange Diabetes haben. Dafür muss der Zielwert für jeden Patienten individuell festgelegt werden – je nachdem, welche Vorerkrankungen bestehen, wie alt der Patient ist und wie sehr er motiviert und in der Lage ist, seine Krankheit im Alltag zu managen.

Schlüsselwert HbA1c

Ob Lebensführung, Tabletten oder Insulinspritze: Wie der Patient auf die Behandlung anspricht, überprüft der Arzt anhand des Langzeitblutzuckerwerts mit dem HbA1c-Test. Der HbA1c-Wert verrät, wie gut der Patient über die vergangenen acht bis zwölf Wochen durch Insulin oder Medikamente eingestellt war. Denn: Glukose bindet sich über Wochen an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin (Hb). Bei einem unzureichend behandelten Diabetes „hängen“ zu viele Glukosemoleküle am Blutfarbstoff.

 

Mehr lesen:

IPF-Faltblatt „Blutzucker- und Cholesterintests“

Studien für Diabetiker – mitmachen möglich!

Zu Diabetes forschen auch in Deutschland viele Wissenschaftler an unterschiedlichen Einrichtungen. Diabetiker und Angehörige können an bestimmten Studien teilnehmen. Eine Übersicht finden Interessierte auf der Webseite des Deutschen Diabetes-Zentrums und des Kompetenznetzes Diabetes.

Selbstmanagement bei Diabetes

Verantwortung übernehmen für die Gesundheit

Blutzucker messen, auf die Ernährung achten, für Bewegung sorgen – wer so gut und so lange wie möglich mit seiner Diabeteserkrankung leben möchte, muss viel Eigenverantwortung und Disziplin mitbringen. Der persönliche Einsatz lohnt sich aber. Wissenschaftler fanden in einem Forschungsprojekt am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) heraus: Patienten, die sich und ihre Krankheit engagiert und sorgfältig managen, haben deutlich bessere HbA1c-Werte – und sterben deutlich seltener an Folgeerkrankungen des Diabetes. 

Kleiner Junge als Gelehrter verkleidet in Vortragspose
Bild: Robert Kneschke - Fotolia.com

Nach der Diagnose zur Schulung!

Diabetiker sollten unmittelbar nach der Diagnose spezielle Schulungen nutzen. Dort lernen sie mit anderen Betroffenen, wie Blutzuckermessgeräte funktionieren, wie sie ihren Blutzucker selbst prüfen, die Messwerte richtig deuten und sich korrekt Insulin spritzen.

Was tun bei Unterzuckerung?

Die Unterzuckerung (Hypoglykämie) gehört zu den schwerwiegendsten Komplikationen bei Diabetes. Wenn der Blutzuckerspiegel steil abfällt, treten Symptome wie Herzrasen, Zittern oder Heißhunger auf. In schweren Fällen kommen neurologische Störungen beim Sprechen, Sehen und Bewegen hinzu. Unbehandelt kann Unterzuckerung sogar zu einem Koma führen.

 

Als Gegenmaßnahme empfehlen Experten des Deutschen Diabetiker Bundes, bei den ersten Anzeichen schnell wirksame Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Dafür eignen sich Traubenzucker, zuckerhaltige Limonaden, Säfte oder Cola-Getränke (keine Light-Getränke!). Fetthaltige Süßigkeiten wie Schokolade oder Sahneeis wirken nicht schnell genug: Das Fett verzögert die Zuckeraufnahme ins Blut. 

Blutzuckerselbstmessung unverzichtbar

Ein wesentlicher Baustein für erfolgreiches Diabetes-Selbstmanagement ist die Blutzuckerselbstmessung. Sie zeigt den Betroffenen so unmittelbar wie kein anderes Behandlungsinstrument, ob ihre Bemühungen um stabile Blutzuckerwerte erfolgreich sind, und helfen ihnen dabei, Hypoglykämien zu vermeiden. Aus diesem Grund leben auch Typ 2-Diabetiker, die Tabletten zur Anregung der Insulinproduktion einnehmen, mit Blutzuckermessungen gesünder: Sie sind besonders anfällig für Unterzuckerungen.

Messgeräte – präzise nach Norm

Was ein Blutzuckermessgerät können muss, legt das Deutsche Institut für Normung (DIN) fest. Die Anforderungen an Blutzuckermesssysteme wurden mit der ISO-Norm 15197 noch einmal verschärft: Die Geräte müssen nun noch genauer die Blutzuckerwerte messen und für Patienten auch ohne vorherige Einweisung gut zu handhaben sein. Bis zum 14. Mai 2016 gilt noch eine Übergangsfrist. Danach müssen alle Blutzuckermesssysteme im Handel den Vorgaben der ISO-Norm entsprechen.

Erstattungsanspruch für insulinpflichtige Diabetiker

Für Typ 1- und Typ 2-Diabetiker, die mit Insulin behandelt werden, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Blutzuckermessgeräte und die erforderlichen Teststreifen. Dabei gelten keine Obergrenzen für die Menge der Teststreifen: Der Arzt kann frei entscheiden, was medizinisch erforderlich ist. Auch gibt es keine verbindlichen Vorgaben der Kassen, welche Testgeräte der Arzt verschreiben muss.

 

Quelle: Diabetes-Forum

Kostenerstattung auch ohne Insulinpflicht möglich

Typ 2-Diabetikern, die kein Insulin spritzen, dürfen Geräte und Teststreifen seit einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) von 2011 nur in besonderen Fällen verordnet werden. Auch hier gilt: Der Arzt entscheidet, ob Patienten die Kriterien erfüllen. Betroffene sollten mit ihrem Arzt klären, ob sie Anspruch auf die Teststreifen haben.

 

Quelle: Diabetes-Forum

Fehlerquellen – darauf müssen Sie achten

Tisch mit Diabetes-Teststreifen, Diabetes-Testgerät und Diabetes-Tabletten
Bild: Sherry Yates - Fotolia.com

Auch das sensibelste Messgerät schützt nicht vor Fehlmessungen. Oft stecken jedoch Anwenderfehler hinter den falschen Werten:

 

So können die Teststreifen nur genug Blut für eine Messung aufnehmen, wenn sie den Bluttropfen aufsaugen können. Blut auf die Streifen zu tropfen oder die Teststreifen auf den Einstich zu pressen, führt daher zu falschen Werten.

 

Wer seine Fingerkuppe zusammenquetscht, um ausreichend Blut auf den Teststreifen zu bringen, riskiert ebenfalls falsch-niedrige Werte, weil Gewebeflüssigkeit mit auf den Teststreifen gerät und die Blutprobe „verwässert“. Richtig: Die Fingerkuppe leicht massieren, bis nach dem Stich genug Blut fließt.

 

Die Einstichstelle müssen Diabetiker vor dem Piks übrigens nicht desinfizieren. Wenn doch, dann bitte warten, bis das Mittel vollständig in die Haut eingetrocknet ist. Sonst können wiederum falsch-niedrige Werte die Folge sein.

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