Tuberkulose

Die Tuberkulose kehrt zurück? Falsch: Sie war nie verschwunden. Mit dieser zugespitzten Formulierung wies das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Bulletin zum Welttuberkulosetag im vergangenen März auf die Dringlichkeit des Themas auch für Industrieländer wie Deutschland hin. Die Aufgabe, Tuberkulose endgültig zu beseitigen, stellt auch Länder mit eher niedrigen Erkrankungszahlen vor eine große Herausforderung. Zwar stimmt es, dass heute hierzulande wesentlich weniger Menschen an der bakteriellen Infektion erkranken als zur Zeit ihrer Entdeckung. Dennoch: Seit 2012 steigt die Zahl der Erkrankten auch in Deutschland wieder an. Im Kampf gegen die Tuberkulose spielen Labordiagnostik und die Weiterentwicklung schneller, zuverlässiger Testverfahren eine Schlüsselrolle.

Junge Frau mit Husten wird von Arzt abgehört
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Tuberkulose – darum bleibt sie aktuell

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Zunehmenden Mobilität durch berufliche und private Reisen, Migrations- und Fluchtbewegungen begünstigen heutzutage die Verbreitung der Tuberkulose-Erreger. Auch der Erreger selbst hat es in sich: Zunehmende Resistenzentwicklung sowie die Ko-Epidemie aus Tuberkulose und HIV/AIDS begünstigten die erneute Ausbreitung der Infektion und erschweren bis heute ihre Kontrolle.

 

Für 2016 zählten die Experten des RKI insgesamt 5.915 Tuberkulose-Fälle in Deutschland, 100 Patienten starben an der Erkrankung. Im Durchschnitt kamen demnach sieben Erkrankungsfälle auf 100.000 Einwohner. Für 2017 verzeichneten Experten des RKI erstmals wieder einen ganz leichten Rückgang der gemeldeten Infektionen in Deutschland.

Tückischer Erreger macht es Forschern schwer

Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit. Sie wird durch stäbchenförmige Bakterien aus der Familie der Mykobakterien ausgelöst. Diese sind überall auf der Welt zuhause. Mykobakterien wachsen besonders langsam, Tuberkulosebakterien teilen sich nur etwa einmal am Tag. Zum Vergleich: Darmbakterien teilen sich alle zehn Minuten. Deswegen verläuft die Erkrankung in der Regel schleichend und entwickelt sich langsam über viele Wochen. Das langsame Wachstum der Tuberkulose-Erreger wirkt sich auch auf die Therapie aus: Um wirklich alle Bakterien abzutöten, müssen Patienten über mehrere Monate eine Kombination aus verschiedenen Medikamenten einnehmen. Tuberkulose-Erreger können lange Jahre im Körper schlummern, ohne zu einer Erkrankung zu führen. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem – etwa durch immunsuppressive Therapien (z.B. bei HIV) im Alter oder durch Erkrankungen des Immunsystems – kann eine Tuberkulose auch nach Jahre noch ausbrechen.

Tuberkulose kostet Geld und Leben

Weltweit kostet eine Tuberkulose (TB) fast 1,7 Millionen Menschen das Leben. Damit gehört die Infektion zu den zehn häufigsten Todesursachen weltweit. Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Viertel der Menschheit mit Tuberkulose-Bakterien infiziert ist und damit die Krankheit weitergeben kann. Laut Bericht des RKI vom März 2018 erkrankten im Jahr 2016 über 10 Millionen Menschen weltweit an TB. Nahezu die Hälfte der Betroffenen kämpft bereits mit multiresistenten Erregern, bei denen die wichtigsten Medikamente nicht mehr wirken. Allein in Deutschland steigt die Zahl solcher multiresistenter TB-Erkrankungen jedes Jahr um 20 Prozent an.  Um Tuberkulose weltweit zukünftig effektiv zurückzudrängen, bedarf es neuer Strategien gegen Multiresistenzen. Experten fordern auch mehr Forschung für eine effektive, nebenwirkungsarme Impfung. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) fehlen dafür pro Jahr ganze 1,2 Billionen US-Dollar.

Robert Koch und die Tuberkulose

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Dass Tuberkulose eine bakterielle Infektion ist, entdeckte der Arzt Robert Koch im März 1882. Die Erkrankung hatte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer Volkskrankheit entwickelt. Harte Lebensbedingungen schwächten die Immunabwehr der Menschen, Erkrankte lebten auf engem Raum mit Gesunden – so hatten die Tuberkulosebakterien leichtes Spiel. Etwa ein Siebtel der Bevölkerung im Deutschen Reich starb damals an der Lungeninfektion. Bis es wirksame Therapien gab, dauerte es jedoch noch bis in die 1950er Jahre. Das von Koch als Heilmittel entwickelte Tuberkulin (eine Mischung aus Bestandteilen abgetöteter Tuberkuloseerregern) erwies sich als unwirksam. Allerdings gelang es Koch, mit dem Tuberkulin ein wirksames Diagnostikum zu entdecken. Heutzutage setzen Mediziner Tuberkulin neben neueren Verfahren immer noch ein, um eine Tuberkulose-Infektion festzustellen. Für die Entdeckung der Tuberkulose-Bakterien erhielt Robert Koch 1905 den Nobelpreis für Medizin.

Tuberkulose-Diagnose und Therapie – ohne Labortests geht es nicht

Tuberkulose ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Die Krankheit wird von Mykobakterien ausgelöst. Der häufigste Erreger von Tuberkulose-Infektionen beim Menschen ist M. tuberculosis. Die Bakterien werden von Mensch zu Mensch weitergegeben. Allerdings: Nicht jeder, der die Erreger in sich aufnimmt, erkrankt auch an TB. Eine behandlungsbedürftige Tuberkulose bricht bei fünf bis zehn Prozent der Infizierten aus, bei etwa der Hälfte von ihnen tritt sie in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Infektion auf. Für Menschen mit schwachem Immunsystem und Kleinkinder sind die Erreger deutlich gefährlicher: 20 bis 40 Prozent von ihnen entwickeln nach der Infektion recht schnell eine aktive Tuberkulose. Mitunter dauert es jedoch auch Jahre, bis die Erkrankung ausbricht, etwa wenn mit zunehmenden Lebensjahren auch die Körperabwehr schwächelt. Die Heilungschancen sinken jedoch mit dem Alter. Daher weisen Experten darauf hin, dass auch latente Infektionen so früh wie möglich erkannt werden müssen.

Nicht immer nur die Lunge

Am häufigsten befallen die Bakterien die Lunge. Etwa 80 Prozent der Patienten erkranken an Lungen-Tuberkulose. Die Erreger besiedeln das Lungengewebe und bilden dort Infektionsherde. Wenn diese sich auf die Bronchien ausbreiten, sprechen Mediziner von einer offenen TB – solche Patienten sind hoch ansteckend, da sie die Tuberkulose-Bakterien ausatmen. TB kann jedoch auch außerhalb der Atemwege ausbrechen und etwa Lymphknoten, Harnwege, Knochen, Gelenke und Verdauungsorgane befallen. Diese Patienten können andere Menschen in aller Regel nicht anstecken.

Unklare Symptomatik

Für alle Formen der Tuberkulose gilt: Die Erkrankung kann sich vielgestaltig äußern. Auch Patienten mit Lungen-TB leiden häufig zu Beginn der Erkrankung nicht an ganz eindeutigen Beschwerden. Sie fühlen sich womöglich schwach und unwohl, verlieren Appetit und Gewicht, bekommen leichtes Fieber oder schwitzen vermehrt. Ein eher typisches Symptom für Tuberkulose ist Husten. Mediziner raten daher dazu, jeden länger als drei Wochen bestehenden Husten gründlich abzuklären – vor allem, wenn Brustschmerzen und Atemnot mit dem Husten einhergehen. Blutiger Auswurf muss ohnehin unverzüglich abgeklärt werden. Besonders tückisch ist das Fehlen eindeutiger Symptome, wenn die TB bei Kindern ausbricht. Erkranken die Kleinen, zeigen sich in über der Hälfte der Fälle gar keine Beschwerden. Sie fallen höchstens durch eine verzögerte Entwicklung auf.

Tuberkulose – Krankheitslast weltweit ungleich verteilt

Experte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzen, dass etwa 80 Prozent der Tuberkulose-Neuerkrankungen in Südostasien (45 Prozent) und Afrika (25 Prozent) auftreten. Auf Europa fallen etwa drei Prozent aller Tuberkulose-Neuerkrankungen, vor allem in osteuropäischen Staaten. Zu den fünf Ländern mit den meisten Tuberkulose-Neuerkrankungen (insgesamt 56 Prozent) gehören Indien, Indonesien, China, die Philippinen und Pakistan. In Deutschland tritt TB trotz steigender Tendenz verhältnismäßig selten auf selten auf. Die Wachsamkeit der Gesundheitsbehörden ist groß.

Impfen gegen Tuberkulose?

Frau erhält Impfung in den Oberarm.
Bild: Rio Patuca Images - Fotolia

Gegen viele Infektionskrankheiten kann man sich mit einer Impfung schützen. Auch gegen TB gibt es einen Impfstoff, das BCG. Die Impfung enthält Bakterien, die beim Menschen keine Krankheit verursachen, aber das Immunsystem trainieren sollen. Allerdings schützt die Impfung Erwachsene nicht ausreichend vor an einer Ansteckung oder einer Erkrankung. Darum raten Experten in Deutschland – wie auch in anderen Ländern, in denen Tuberkulose heute selten ist – von der Impfung sowohl für Kinder als auch für Erwachsene ab.

Mit Labortests der Tuberkulose auf der Spur

Moderne Labormedizin unterstützt Ärzte dabei, eine Tuberkulose-Infektion nachzuweisen. Dazu können sie den Tuberkulin-Hauttest (THT) mittels Mendel-Mantoux-Methode sowie Interferon-Gamma-Tests (IGRA) nutzen. Für alle Labortests gilt: Sie erhärten den Verdacht auf eine Infektion. Fallen die Tests positiv aus, so folgen in der Regel Röntgenuntersuchungen. Da diese jedoch durch die Strahlung den Organismus belasten, helfen die Labortests, unnötige Röntgenuntersuchungen zu vermeiden.

Bild: Greg Knobloch - Centers for Disease Control and Prevention's Public Health Image Library (PHIL)

Tuberkulintest:
Tuberkulosebakterien gehen unter die Haut

Beim THT spritzen Ärzte den Verdachtspatienten eine bestimmte Anzahl von Eiweißen aus den Tuberkulosebakterien unter die Haut. Falls der Organismus schon einmal Kontakt zu Mykobakterien hatte, reagiert das Immunsystem auf das Tuberkulin: An der Einstichstelle bildet sich innerhalb von drei Tagen eine Hautverdickung. Je nachdem, wie groß diese Verdickung ausfällt, erhärtet oder verflüchtigt sich der Krankheitsverdacht. Die Testergebnisse allein sind nicht in allen Fällen eindeutig. Darum müssen Mediziner auch auf individuelle Risikofaktoren achten. Bei ansonsten völlig gesunden Menschen darf sich die Hautverdickung über 10 Millimeter im Durchmesser erstrecken, ohne dass Ärzte auf eine Erkrankung schließen müssen. Leiden Patienten etwa an Immunschwächen oder hatten sie direkten Kontakt zu Menschen mit offener Tuberkulose, signalisiert bereits ein Durchmesser von fünf Millimetern eine Erkrankung.

IGRA: Tuberkulose-Diagnose aus dem Blut

IGRA steht für Interferon-Gamma Release Assay. Diese Tests messen aus Blutproben, wie sehr das Immunsystem nach dem Kontakt mit Tuberkulosebakterien einen bestimmten Abwehrstoff, das Interferon Gamma, ausschüttet.

Gentest zur Diagnose von aktiver Tuberkulose?

© Infozentrum für Prävention und Früherkennung (IPF) / DiaSorin Deutschland GmbH

Sowohl der IGRA- als auch der THT eigenen sich ausschließlich für die Diagnose einer latenten Tuberkulose. Das bedeutet: Die Betroffenen tragen die Bakterien zwar in sich – was Labortests bestätigen. Ob die Krankheit ausgebrochen ist, lässt sich jedoch mit Labortests nicht bestimmen. Dafür bedarf es bildgebender Verfahren wie Röntgen oder Computertomografie. Wissenschaftler der US-amerikanischen Stanford Universität verglichen in einer Studie nun Erbmaterial von Menschen mit latenter TB und tatsächlich erkrankter Patienten. Sie stellten fest: Bei einer Gruppe von über 2.500 infizierten Probanden fanden sie genetische Unterschiede zwischen latent und aktiv erkrankten Patienten in drei Genen. Dies bestätigte sich auch an einer weiteren Gruppe von Probanden. Der Test befindet sich noch in der Entwicklung. Die Wissenschaftler hoffen, dass er zukünftig sowohl zur Diagnose aktiver Erkrankungen als auch zur Verlaufsbeobachtung während der Behandlung zum Einsatz kommen kann.

 

Quelle:

Lungeninformationsdienst

Resistente Tuberkulose-Erreger – Herausforderung für Labordiagnostik und Therapie

Mit der endgültigen Diagnose einer TB-Erkrankung ist der Einsatz von Labortests jedoch noch nicht beendet. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, die die Bakterien bekämpfen. Patienten müssen die Medikamente in der Regel ein halbes Jahr lang nach einem festgelegten Schema einnehmen. Damit die Therapie anschlägt, müssen Labormediziner zudem den Erregertyp genau bestimmen. Nur so können Ärzte die vielversprechendsten Medikamente gezielt einsetzen. Weltweit beobachten Mediziner jedoch, dass immer mehr Stämme der Mykobakterien gegen Antibiotika resistent werden. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich zwischen 2009 und 2015 die Fälle von multiresistenten TB-Fällen (MDR-TB) unter den neu Infizierten in Europa mehr als verdoppelt.

 

 

Moderne Labortests verschaffen schneller Klarheit

Um eine Resistenz nachzuweisen, legen Labormediziner in der Petrischale aus Sputum von Patienten Kulturen der Mykobakterien an und prüfen, auf welche antibiotischen Wirkstoffe die Bakterien reagieren. Der Nachweis dauert jedoch zwei bis drei Monate. Schnelltests können diese Form der Resistenz-Testung ergänzen und verkürzen. Dazu können Labormediziner die DNA der Erreger mit verschiedenen Methoden untersuchen. Solche Testverfahren liefern schneller Ergebnisse, allerdings liegt auch ihre Genauigkeit nicht so hoch wie bei der Anzucht von Bakterienkulturen. Dennoch sprechen Wissenschaftler sich dafür aus, auch solche Schnelltests einzusetzen. In Ländern, in denen Tuberkulose häufig auftritt oder bei Patienten in Deutschland, in deren Heimatländern TB sehr verbreitet ist, erlauben die Tests es, die Therapie schnell an das Testergebnis anzupassen. Und für den Kampf gegen die Tuberkulose gilt: Je schneller die Diagnose, desto weniger Resistenzen entwickeln sich.

Multiresistenzen begünstigen Multiresistenzen

Eine Langzeittherapie gegen MDR ist für betroffene Patienten oft ein qualvoller Prozess mit vielen unangenehmen Nebenwirkungen. Die größte Gefahr besteht darin, dass Patienten die Therapie abbrechen. Studien zufolge kommt dies in bis zu 30 Prozent aller MDR-TB-Therapien vor. Durch nicht ausgeheilte Tuberkulose-Infektionen und vorzeitig abgebrochene Behandlungen erhalten die Erreger jedoch die Chance, weitere Resistenzen auszubilden. Zudem sinken die Möglichkeiten, die Erkrankung bei einer wieder aufgenommenen Behandlung erfolgreich zu bekämpfen.

Prävention und Therapie -
das können Sie tun

Wie kann man sich schützen?

Beraten lassen: Tuberkulose ist schwer übertragbar. Wer dennoch befürchtet, sich auf Reisen oder im Kontakt zu Betroffenen angesteckt zu haben, kann sich bei seinem zuständigen Gesundheitsamt beraten lassen.

 

Kombinieren: Ein Drittel der Tuberkulosepatienten hierzulande haben sich auf Reisen in Gebiete, in denen Tuberkulose noch häufig vorkommt, angesteckt. Wer nach einer solchen Reise hartnäckigen Husten bekommt, nachts stark schwitzt und Gewicht verliert, sollte sich auf Tuberkulose untersuchen lassen.

Wie kann ich die Therapie unterstützen?
Was muss ich bei einer Therpaie beachten?

Medikamente einnehmen: Jeder Tuberkulosepatient kann durch einfache Maßnahmen selbst zur Heilung beitragen. Der Behandlungserfolg hängt entscheidend davon ab, dass alle Medikamente täglich eingenommen werden. Wer Probleme bei der Einnahme hat, sollte die Therapie nicht selbstständig unterbrechen, sondern so schnell wie möglich den behandelnden Arzt fragen und gemeinsam eine Lösung finden.


Lebensstil anpassen: Gesund leben, sich gut ernähren und häufig an die frische Luft gehen unterstützen den Heilungsprozess. Nikotin, Alkohol und andere Drogen sind tabu – sie beeinträchtigen die körpereigene Abwehr und verstärken die Nebenwirkungen der Medikamente. Innenräume, in denen Patienten sich aufhalten, sollten regelmäßig gelüftet werden.


Wechselwirkungen prüfen: Tuberkulosemedikamente können die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. Alle Medikamente sollten daher auf Wechselwirkungen geprüft werden. Auch die medikamentöse Empfängnisverhütung („Pille“) kann unter der Tuberkulosetherapie weniger wirksam sein.

19.06.2018