Immundefekte: Leichtes Spiel für Bakterien

Angeborene Immundefekte treten hierzulande eher selten auf. Experten schätzen, dass etwa 100.000 Menschen in Deutschland daran leiden. Häufiger schwächen Medikamente die körpereigene Abwehr. Manche Erkrankungen können Ärzte zum Beispiel nur durch Medikamente behandeln, die das Immunsystem bremsen. Zu den Patienten mit einer erworbenen Immunschwäche gehören auch Menschen, die sich mit HIV angesteckt haben. Das Virus befällt für das Immunsystem wichtige Zellen und macht es Bakterien leichter, den Organismus zu infizieren.

 

 

 

Frühchen: Noch nicht abwehrbereit

Das Immunsystem von sehr kleinen Frühgeborenen kann Bakterien noch nicht wirksam bekämpfen. Der Grund: Für Ungeborene übernimmt vor allem das mütterliche Immunsystem die Erregerabwehr. Erst im letzten Drittel der Schwangerschaft lernt das Immunsystem des Kindes um. Bis dahin sind die Zellen, die Proteine des Immunsystems produzieren, noch nicht voll entwickelt. Deshalb verlaufen Infektionen bei Frühchen häufig sehr schwer; jeder normalerweise harmlose Keim bedroht das Leben der Winzlinge.

Alter: Immunabwehr lässt nach

Mit fortschreitendem Alter büßt das Immunsystem an Wirksamkeit ein. Die körpereigene Abwehr kann immer schlechter zwischen eigenen und fremden Zellen unterscheiden. Das gilt auch für eindringende Bakterien. Experten gehen davon aus, dass alte Menschen ähnlich anfällig für Infekte sind wie Patienten, deren Immunsystem aufgrund einer Grunderkrankung oder einer medikamentösen Behandlung geschwächt ist.

Intensivpatienten: Besonders anfällig für Bakterien

Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden müssen, sind für bakterielle Infektionen besonders anfällig. Lebensbedrohliche Grunderkrankungen, schwere Operationen und starke Medikamente schwächen ihren Organismus. Auch lebenserhaltende Maßnahmen bieten Bakterien viele Möglichkeiten, von außen in den Organismus einzudringen – zum Beispiel über Beatmungsschläuche, Infusionen, Magensonden und Katheter.