Darmkrebs - Vorsorge rettet Leben

Die gute Nachricht: Früherkennungsuntersuchungen auf Darmkrebs zahlen sich aus – in Gesundheit und Lebenszeit. Das Robert Koch-Institut veröffentlichte im Februar 2017 ermutigende Zahlen – die Neuerkrankungsrate für Krebserkrankungen des Dickdarms und des Enddarms hat sich in Deutschland zwischen 2003 und 2013 insgesamt um etwa 16 Prozent verringert. Darmkrebs gilt unter Experten als eine Krebserkrankung, deren Ausbruch durch Vorsorgeuntersuchungen tatsächlich verhindert werden kann. Dennoch nutzen immer noch zu wenige Vorsorgeberechtigte in Deutschland die Möglichkeiten der Früherkennung. Ab dem 1. April 2017 bieten Labortests in Kombination mit dem bewährten Verfahren der Darmspiegelung noch mehr Sicherheit bei der Früherkennung.

Menschen aller Altersgruppen geben das Signal "Daumen hoch" für die Diabetes-Forschung
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Darmkrebs früh erkennen

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Bei der zukünftigen Darmkrebsvorsorge bieten Labortests in Kombination mit dem bewährten Verfahren der Darmspiegelung noch mehr Sicherheit bei der Früherkennung. Wie jede Reihenuntersuchung richtet sich auch die Darmkrebs-Früherkennung an Personen, bei denen keine Hinweise auf Darmkrebs vorliegen. In diesen Unter­suchungen sollen zum einen langsam wachsende, gutartige Darmpolypen erkannt werden, bevor sie bösartig werden. Zum anderen sollen Karzinome identifiziert werden, bevor sie Beschwerden bereiten und Metastasen bilden. So können insgesamt die Sterblichkeit und die Erkrankungshäufigkeit nebst ihren Folgekomplikationen gesenkt werden.

Darmkrebsvorsorge: neue Regelungen

In Sachen Krebsvorsorge tut sich dieses Jahr einiges: Seit Januar 2017 gilt die neue Krebsfrüherkennungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sie regelt, welche Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen für die Früherkennung von Brustkrebs, Darmkrebs, Hautkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Prostatakrebs übernehmen.

Anspruch auf Vorsorge bleibt, Verfahren ändert sich

Älterer Mann lässt sich von Ärztin zu Behandlung bei Prostatakrebs beraten.
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Wie bisher stehen Untersuchungen zur Darmkrebsvorsorge allen Versicherten ab 50 Jahren zu. Sie können jährlich ihren Stuhl im Labor untersuchen lassen. Zukünftig nutzen Ärzte dazu jedoch andere Testverfahren als bisher: Vom 1. April 2017 an zahlen die Versicherungen die Kosten für einen immunologischen Stuhltest (iFOBT). Ab 55 Jahren können Patienten sich zudem entscheiden, ob sie weiter alle zwei Jahre mit dem Stuhltest vorsorgen möchten oder eine Darmspiegelung wünschen. Diese wird bei unauffälligem Ergebnis nach zehn Jahren wiederholt. Ergibt der Stuhltest ungewöhnliche Werte, übernehmen die Krankenkassen auch für diese Patienten die Kosten für eine abklärende Darmspiegelung. Eine weitere Neuerung für Patienten besteht darin, dass Hausärzte den Stuhltest zukünftig auch im Rahmen des Check-up 35 anbieten dürfen – sofern die Versicherten bereits 50 Jahre alt sind. Vorteil: Versicherte sparen sich einen zusätzlichen Vorsorgetermin.  

Hand in Hand – Labormedizin und Darmspiegelung

Stuhprobenröhrchen
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Die wichtigste Änderung in der Darmkrebsvorsorge ist der Wechsel auf das immunologische Stuhltestverfahren. Schon bisher stellten Labortests auf verborgenes Blut im Stuhl einen wichtigen Bestandteil der Darmkrebsfrüherkennung dar. Die für das bloße Auge unsichtbaren Blutspuren gelten als Warnhinweise für Gewebeveränderungen im Darm: Sie können sowohl durch Darmkrebs-Vorstufen (Polypen) als auch Gewebeveränderungen im Frühstadium einer Darmkrebserkrankung in den Stuhl gelangen.

Vom gFOBT …

Bis zur Änderung der Richtlinien zur Darmkrebsfrüherkennung führten Ärzte und Labormediziner das Screening auf verborgenes Blut im Stuhl mit dem sogenannten gFOBT durch (FOBT = Fecal Occult Blood Test), auch Guajak-Test genannt. Der Test basiert auf einer chemischen Reaktion zwischen dem mit Guajakharz in den Teststreifen, menschlichen Spuren des Blutfarbstoffs Hämoglobin und einer Wasserstoffperoxid-Lösung, die auf die Teststreifen geträufelt wird. Befindet sich Blut im Stuhl, verfärben sich die Streifen blau. Problematisch: Verschiedene Nahrungsmittelbestandteile im Stuhl verfälschen unter Umständen das Testergebnis, weil sie ebenfalls eine blaue Farbreaktion auslösen. Auch einige Medikamente können zu falschen Resultaten führen.

… zum iFOBT

Seit der Änderung der Krebsfrüherkennungsrichtlinie fahnden Ärzte und Labormediziner mit dem iFOBT nach verborgenen Blutspuren. Der Test nutzt spezifische Antikörper, die sich an den menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin binden. Studien haben gezeigt, dass der iFOBT auf diese Weise besonders treffsicher gesunde von darmkrebsgefährdeten Patienten unterscheiden kann. Dazu kommt: Patienten und Ärzte müssen kaum verfälschte Ergebnisse durch bestimmte Nahrungsmittel und Medikamente befürchten.

Darmspiegelung – bei positivem Testergebnis unabdingbar

GGebückte Tonfigur mit medizinischem Spiegel veranschaulicht das Prinzip der Darmkrebsvorsorge.
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Ob iFOBT, enzymatischer Stuhltest oder Bluttest auf Biomarker: Fällt das Testergebnis positiv aus, sollten Patienten unbedingt eine Darmspiegelung in Anspruch nehmen. Bei dieser Untersuchung überprüft der Arzt nicht nur, ob im Darm tatsächlich auffälliges Gewebe wuchert. Er kann zudem bestimmte Krebsvorstufen – die ja ebenfalls durch den iFOBT angezeigt werden – gleich entfernen. Findet der Arzt verändertes Gewebe, wird er Proben entnehmen. Labormediziner untersuchen diese anschließend im Labor. So lässt sich feststellen, wie aggressiv die Krebszellen sind.

Früherkennung aus dem Labor – weitere Optionen

Neben dem zukünftig von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlten immunologischen Stuhltest gibt es weitere Laborverfahren, die bösartige Gewebeveränderungen im Darm frühzeitig anhand von Stuhl- oder Blutproben erkennen können. Die Kosten für diese Untersuchungen müssen gesetzlich Versicherte jedoch selbst übernehmen.

 

  • Enzymatischer Stuhltes
    Mit einem enzymatischen Stuhltest suchen Labormediziner nicht nach verstecktem Blut im Stuhl, sondern nach dem Enzym M2-PK. Es kommt bei verschiedenen Krebsarten in größeren Mengen im bösartig veränderten Gewebe vor – darunter auch bei Darmkrebs oder bösartig veränderten Darmpolypen.

  • Bluttest auf Biomarker
    Tumore geben bereits in frühen Stadien DNA in den Blutkreislauf ab. Darmkrebs hinterlässt auf diese Weise eine typische Spur – den Biomarker SEPT9. Diesen Biomarker können Labormediziner mittels Bluttest nachweisen.

 

 

Eine Frage der Qualität – Anforderungen an den iFOBT

Damit die Darmkrebsfrüherkennung bestmögliche Ergebnisse erbringt, müssen die immunologischen Stuhltests eine Reihe von Qualitätsanforderungen erfüllen:

 

Garantierte Sensitivität

Der Test muss empfindlich genug sein, um mit nur einer Stuhlprobe sowohl fortgeschrittene Vorstufen von Darmkrebs (Adenome) als auch bestehende Krebsgeschwüre (Karzinome) entdecken zu können (Sensitivität). Statistisch gesehen müssen die Tests Krebsgeschwüre im Darm bei Adenome bei 90 Prozent aller erkrankten Patienten anzeigen können.

 

Einfache Handhabung für Versicherte

Dem Test muss ein Stuhlprobenentnahmesystem mit verständlicher Anleitung beiliegen. Versicherte müssen den Stuhl einfach und hygienisch aufnehmen können. Dazu gehören auch eine Stuhlauffanghilfe für die Toilette und ein Behälter, in dem die Probe mindestens fünf Tage bei Raumtemperatur unbeschadet lagern kann.

 

Wirksamkeit geprüft per Studie

Studien müssen belegen, dass die immunologischen Tests alle Anforderungen erfüllen. Zudem prüfen unabhängige Gremien die Testverfahren, ob sie im Rahmen des Darmkrebsscreenings in den GKV-Leistungskatalog aufgenommen werden dürfen.

 

 

Darmkrebsvorsorge wirkt

Fröhliche Frau mit roten Haaren und gelbem T-Shirt
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Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wie Darmspiegelungen und Stuhltests könnten 80 bis 90 Prozent der Erkrankungen verhindern, vermuten Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Auch die Epidemiologen des Robert Koch-Instituts bestätigen: Seit 2003 stellen Ärzte hierzulande diese Diagnose immer seltener. Da sich dieser Trend international nicht zeigt, führen Experten die Entwicklung auf das Darmkrebsscreening zurück. Und Studien belegen: Seit Einführung des Darmkrebsscreenings wurden etwa 180.000 Darmkrebsfälle verhütet. Bei über 40.000 Patienten fanden die Ärzte außerdem Tumoren frühzeitig – also in einem Stadium, in dem zumeist noch eine Heilung möglich ist.

Vermeiden statt leiden: Auf zur Darmkrebsvorsorge!

Trotz der nachgewiesenen lebensrettenden Effekte der Darmkrebsvorsorge nutzen gesetzlich Versicherte die Angebote der gesetzlichen Krankenkassen immer noch zu wenig. Zahlen des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland zufolge sorgten im Jahr 2014 nur jede siebte weibliche (15 Prozent) und nur etwa jeder neunte männliche Versicherte (11 Prozent) im Alter zwischen 55 und 74 Jahren mit einem Stuhltest vor. Die Teilnahmezahlen für die Darmspiegelung liegen noch einmal deutlich niedriger: Nur je knapp zwei Prozent der Männer und Frauen zwischen 55 und 74 Jahren ließen sich 2014 in präventiver Absicht koloskopieren. Die Folgen können fatal sein.

 

Das IPF rät allen gesetzlich Versicherten dazu, regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge zu gehen.

Besondere Vorsorge für Risikopatienten

Infografik Alarmknopf
Bild: Alex White - Fotolia

Nach Angaben der Felix-Burda-Stiftung gehen insgesamt etwa 30 Prozent der Darmkrebserkrankungen auf ein familiäres Risiko zurück. Bei fünf bis acht Prozent der Menschen mit Darmkrebs lösen genetische Veränderungen die Erkrankung aus, bei 20 bis 25 Prozent der Betroffenen tritt der Darmkrebs in der Familie gehäuft auf. Für beide Gruppen gilt, dass die Patienten häufig deutlich vor der 50-Jahre-Altersgrenze für regelmäßige Vorsorge erkranken. Auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn erhöhen die Darmkrebs-Gefahr.

Früher in die Darmkrebsvorsorge einsteigen

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten einer intensiveren Darmkrebsvorsorge, wenn in der Familie bereits Darmkrebs aufgetreten ist. Dann empfehlen Mediziner eine Darmspiegelung bereits zehn Jahre vor dem Alter, in dem bei einem Familienmitglied der Darmkrebs erstmals aufgetreten ist. Bei Verdacht auf erblich bedingten Darmkrebs bezahlen gesetzliche Kassen zudem häufigere Untersuchungen beim Spezialisten. Betroffene können bereits ab einem Alter von 25 Jahren eine Darmspiegelung durchführen und diese mindestens alle zehn Jahre wiederholen lassen. 

Familiäres Darmkrebsrisiko checken

 

Diese Faktoren erhöhen das Risiko für familiären Darmkrebs:

 

  • Beim Patienten selbst oder bei direkten Verwandten wurden Darmpolypen festgestellt.
  • In der Familie ist bereits einmal Darmkrebs aufgetreten. Das Risiko steigt, die Betroffenen bei Krankheitsbeginn jünger als 50 Jahre alt waren.
  • Bei Patienten oder direkten Verwandten haben Ärzte eine andere Krebsart wie beispielsweise Gebärmutterkrebs oder Eierstockkrebs diagnostiziert.

 Quelle: Felix-Burda-Stiftung

Bei erblich bedingtem Risiko: Vorsorge mit Molekulardiagnostik

Vater, Sohn und Enkel sitzen nebeneinander in einem Garten.
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Gibt die Familiengeschichte Hinweise auf erbliche Darmkrebserkrankungen, finden Betroffene Unterstützung und Hilfe bei humangenetischen Beratungsstellen oder bei auf familiären Darmkrebs spezialisiert Zentren – unabhängig davon, ob sie tatsächlich erkrankt oder gesund sind. Bei dringendem Verdacht besteht zudem die Möglichkeit, ein erbliches Darmkrebssyndrom in der Familie mit Hilfe molekulargenetischer Tests nachzuweisen. Die Analyse von DNA im Labor zeigt Genveränderungen an, die eine Darmkrebserkrankung wahrscheinlich machen. Durch frühzeitig einsetzende Vorsorge besteht die Chance, der Krebsgefahr wirksam zu begegnen.

29.03.2017