Gut informiert durch die Schwangerschaft

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Laut einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung nehmen 99 Prozent der Schwangeren mehr Untersuchungen wahr als die Mutterschaftsrichtlinien (MSR) vorsehen. Viele wissen nicht, welche Leistungen zu den MSR gehören und welche zusätzlich möglich sind. Hinzu kommt: Einige der zusätzlichen Tests werden zwar von Experten empfohlen, aber nicht von der GKV bezahlt. Das IPF unterstützt Schwangere dabei, das Für und Wider zu bestimmten Maßnahmen selbstbestimmt abzuwägen.

Experten empfehlen Test auf Streptokokken

Zu den zusätzlich in Anspruch genommenen Vorsorgeuntersuchungen gehört der Labortest auf β-Streptokokken. Etwa drei von vier der befragten Schwangeren ließen einen Vaginalabstrich auf die bakteriellen Erreger untersuchen, die unerkannt eine Blutvergiftung beim Neugeborenen (Neugeborenensepsis) auslösen können. Fällt der Test positiv aus, wird die Schwangere während der Geburt mit Antibiotika behandelt, die das Neugeborene gegen eine Infektion schützen. Obwohl die Untersuchung nicht zu den Regelleistungen der Schwangerschaftsvorsorge gehört, empfiehlt eine Behandlungsleitlinie unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie (DGGG), jede werdende Mutter zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche auf β-Streptokokken zu testen.

 

RKI-Kommission fordert Toxoplasmose-Test als Standarduntersuchung

Bis 1990 gehörte ein Test auf Toxoplasmose in den neuen Bundesländern zu den obligatorischen Untersuchungen für Schwangere. Die aktuellen MSR sehen den Test nur bei einem „begründeten Verdacht“ vor, also dann, wenn Schwangere klinische Symptome entwickeln. Über 90 Prozent der Erstinfektionen verlaufen jedoch unauffällig. In der Hälfte der Fälle überträgt sich der Erreger auf das Ungeborene, so Experten der Beratenden Kommission Toxoplasmose und Schwangerschaft am Robert Koch-Institut. Sie plädieren ebenso wie der Berufsverband der Frauenärzte dafür, alle Schwangeren zu untersuchen. In Österreich und Frankreich gehört die Untersuchung bereits zur regelmäßigen Schwangerschaftsvorsorge. Das Infektionsrisiko sank von 78 Infektionen je 10.000 Lebendgeburten in den frühen 1970er Jahren bis heute auf etwa 1:10.000 Fälle.

 

Quellen:

Bertelsmann-Stiftung, Gesundheitsmonitor 3/2015

AWMF-Leitlinie Prophylaxe der Neugeborenensepsis (frühe Form) durch Streptokokken der Gruppe B

Deutsches Gesundheitsblatt: Pränatale Übertragung der Toxoplasmen von der Mutter auf das Kind

 

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