Harnwegsinfektionen: 70 bis 80 Prozent durch E.-coli-Erreger

Jede zweite Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Harnwegsinfektion; bei jeder vierten Betroffenen tritt die Infektion wiederholt auf. Die allermeisten Harnwegsinfektionen (bis zu 80 Prozent) gehen auf Escherichia-coli-Bakterien zurück. Problematisch: Immer mehr Erregerstämme reagieren nicht mehr auf Antibiotika. Bei einigen Wirkstoffen liegt die Resistenzquote nahe 50 Prozent.

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Bis zu 60 Prozent Resistenzen

Im ambulanten Bereich sind Harnwegsinfektionen einer der häufigsten Gründe, aus denen Ärzt*innen Antibiotika verschreiben. Nicht immer ist dies jedoch notwendig. Zusätzlich problematisch: Obwohl der überwiegende Anteil der Harnwegsinfektionen auf E.-coli-Bakterien zurückgeht, gehören Breitband-Antibiotika wie Amoxicillin oder Ampicillin zu den regelmäßig verordneten Wirkstoffen, mit denen Harnwegsinfektionen bekämpft werden. Breitband-Antibiotika haben den Vorteil, dass sie gegen mehrere Erreger wirken und daher auch gegen eine Vielzahl von Infektionen eingesetzt werden können. Ihr Nachteil: Zu häufig eingesetzt werden auch immer mehr E.-coli-Bakterienstämme gegen die Medikamente resistent. Untersuchungen zufolge liegen die Resistenzanteile dieser Wirkstoffe zwischen 35 und 60 Prozent.

Urinkultur bei der Hälfte der Patient*innen sinnvoll

Gerade bei Patient*innen, die wiederholt an Harnwegsinfektionen leiden, können Urinkulturen aus dem Labor helfen, gezielt das wirksamste Medikament zu verordnen. Der Grund: Die erneut auftretende Infektion kann sowohl durch die gleichen oder andere Erreger verursacht werden. Da sich zugleich häufig die Resistenzlage ändert, kann es sein, dass das vormals wirksame Medikament nun nicht mehr zum Erfolg führt. Fachmediziner*innen empfehlen daher in einer Leitlinie, bei wiederholten Harnwegsinfektionen die Erreger genau zu bestimmen. Einer Studie des Robert Koch-Instituts zufolge kommt es dennoch zu selten dazu. Bei insgesamt 649 der Studienteilnehmer*innen wäre basierend auf den Empfehlungen der Leitlinie eine Urinkultur erforderlich gewesen. Durchgeführt wurde sie jedoch nur bei 409 Personen.