Hitzewelle: Darauf sollten Ärzte bei ihren Patienten achten

Auf bis zu 40 Grad soll das Thermometer diese Woche klettern. Die andauernde Hitze stellt ein Gesundheitsrisiko für Kleinkinder, Senioren und vor allem für Menschen mit chronischen Erkrankungen dar. Das gilt besonders, wenn diese bestimmte Medikamente einnehmen müssen.

Hitzebedingte Mortalität

Die Notaufnahmen in der Republik stellen sich schon auf mehr Patienten ein, die wegen Hitzefolgen behandelt werden müssen. Dass die Hitze tatsächlich zu mehr Todesfällen führen kann, hatte jüngst erst das Robert Koch-Institut gezeigt. Im vergangenen Sommer, dem zweitheißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnung, sind demnach allein in Berlin und Hessen über 1200 Menschen an den Folgen der Sommerhitze gestorben (Epi Bull 2019; 23:193).

 

Erkrankugen mit besonderem Hitze-Risiko

Zu den Krankheiten, die bei Hitze besonders überwacht werden sollten, gehören

Warnzeichen erkennen

Vor allem die Menschen, die auf dauerhafte Medikation angewiesen sind, brauchen besondere Aufmerksamkeit, wenn sie mit Beschwerden in die Praxis kommen. Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) empfiehlt Ärzten, auf typische unerwünschte Medikamenten-Wirkungen zu achten, die bei verschiedenen Arzneimitteln unter Hitzeexposition auftreten können. Dazu gehören:

  • erhöhte Körpertemperatur etwa bei Anticholinergika, Antidepressiva;
  • Hemmung der zentralen Thermoregulation unter Neuroleptika, SSRI;
  • verringertes Schwitzen bei Muskarinrezeptor-Antagonist;
  • Sedierung durch dopaminerge und Parkinsonarzneien, die die Wahrnehmung der Hitzeerschöpfung senken;
  • Dehydratation und Elektrolytimbalance durch eine Hyponatriämie, die Diuretika auslösen können;
  • Reduzierung der Herzleistung etwa durch Betablocker, die die Hitzeadaption beeinträchtigen können;
  • erhöhte Toxizität durch eine Dehydratation, die die Wirkstoffkonzentration im Körper steigen lässt oder etwa bei transdermalen Systemen die Wirkstofffreisetzung verstärkt.

Das Landesgesundheitsamt in Niedersachsen (NLGA) weist Hausärzte zudem uf Risiken durch weitere Arzneien hin. Dazu zählten nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Sulfonamide, Antiarrhythmika, Biguanide und Sulfonylharnstoffe, H1-Antihistaminika oder auch Pseudoephedrin.

Zum Ratgeber der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit

Quelle:

Ärztezeitung