Corona-Pandemie: weniger Infektionen mit Legionellen

Die Zahl der Erkrankungen durch Legionellabakterien ist in Deutschland im letzten Jahr erstmals seit der Einführung der Meldepflicht deutlich gesunken. Expert*innen des Robert-Koch-Instituts (RKI) führen dies auf den Rückgang der reiseassoziierten Infektionen im ersten Pandemiejahr zurück.

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Infektion aus der Wasserleitung

Legionellen sind Bakterien, die beim Menschen unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen, von grippeartigen Beschwerden bis zu schweren Lungenentzündungen. Ob eine Lungenentzündung auf Legionellen zurückgeht, zeigen nur Labortests. Die Erreger gedeihen in Warmwasserleitungen, Bädern und Klimaanlagen. Sie gelangen mit Wasserdampf in die Luft und werden dann eingeatmet. Seit der Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 stieg die Zahl der Meldungen von 692 Fällen im Jahr 2010 auf 1.548 Fälle im Jahr 2019 um mehr als das doppelte. Expert*innen des RKI registrierten im Jahr 2020 insgesamt 17 Prozent weniger Fälle (1.281 Erkrankungen). Als Ursache für den Rückgang vermuten die Fachleute die Abnahme von Fernreisen. Legionellen werden häufig in Hotels übertragen, deren Trinkwassersystem anders als in Deutschland nicht regelmäßig auf die Bakterien überprüft wird.

Weniger Legionellen-Infektionen auf Reisen

Der Anteil der reiseassoziierten Infektionen liegt in Deutschland bei etwa einem Fünftel. Im Jahr 2020 kam es hier zu einem Rückgang um 60 Prozent. Besonders deutlich sanken die Meldungen während der ersten Welle im Frühjahr 2020, die in Deutschland mit Reiseeinschränkungen verbunden war. Nach deren Aufhe­bung kam es im Sommer zu einer Zunahme. Die Zahl der reiseassoziierten Erkrankungen erreichte jedoch auch in den Sommermonaten 2020 höchstens die Hälfte der Vorjahreswerte. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass die meisten Menschen ihren Urlaub im Inland verbrachten, wo das Infektions­risiko geringer ist. Reiseassoziierte Infektionen sind mit einem geringen Sterberisiko verbunden. Die Letalität lag in den letzten 10 Jahren nur bei 2,6 Prozent. Infektionen im privaten Umfeld führten bei 5,2 Prozent der Patient*innen zum Tod.

Quelle:

Ärzteblatt