Präeklampsie: Gefahr fürs Herz

Bei drei bis fünf Prozent der Schwangeren in Deutschland steigt der Blutdruck in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft gefährlich an (Präeklampsie). Unbehandelt kann diese Schwangerschaftskomplikation lebensbedrohliche Folgen haben. Ist die Entbindung jedoch glücklich überstanden, normalisiert sich der Blutdruck in der Regel wieder. Eine neue Studie zeigt allerdings: Das Herz der Schwangeren kann dauerhaft Schaden genommen haben.

Ärztin misst den Blutdruck einer Schwangeren.
drubig-photo - fotolia.com

Bluthochdruck in der Schwangerschaft verändert das Herz

Wissenschaftler der Universität Tor Vergata in Rom beobachteten, dass Schwangere mit Präeklampsie auf Dauer sichtbare Schäden am Herzen davontrugen. Das Ultraschallbild zeigte den Forschern bei den Betroffenen eine vergrößerte linke Herzkammer. Diese Veränderung der Herzstruktur beeinträchtigt auch die Pumpfunktion des Herzens. Langfristig, so die Wissenschaftler, kann sich daraus eine Herzinsuffizienz entwickeln. Dazu kommt: Patientinnen mit Präeklampsie erleiden im Weiteren deutlich mehr Herzinfarkte, sie gilt als ein ähnlich starker Risikofaktor wie Rauchen. Die American Heart Association hat Präeklampsie daher als ersten geschlechtsspezifischen Risikofaktor für Herzinfarkte anerkannt. Deutsche Mediziner empfehlen, betroffene Frauen auch nach der Entbindung regelmäßig zu untersuchen. Eine Herzinsuffizienz lässt sich etwa mit Labortests frühzeitig erkennen.


Präeklampsie besser vorhersagen
Erkrankt eine Schwangere an Präeklampsie, steigt ihr Risiko, dass der Blutdruck bei weiteren Schwangerschaften ebenfalls wieder gefährliche Höhen erklimmt: Bis zu 35 Prozent der Frauen müssen auch in folgenden Schwangerschaften damit rechnen. Aufgrund des Zusammenhangs zwischen Präeklampsie und Herzgesundheit erwägen Mediziner, individuelle Schwangerschaftsrisiken zukünftig nicht nur anhand von Fragen nach Rauchgewohnheiten und Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck einzuschätzen, sondern auch Herzprobleme zu erfragen. Bei der Vorhersage, ob tatsächlich eine Präeklampsie droht, helfen bereits heute Biomarker. Per Bluttest ermitteln Ärzte das Verhältnis der Proteine sFlt-1/PlGF. Je nach Ergebnis können sie eine Präeklampsie innerhalb der nächsten Woche beziehungsweise in den kommenden vier Wochen ausschließen. Die BKK RWE finanziert als erste Krankenkasse in Deutschland den neuen Biomarker-Test. 

 

Quellen:

Medscape, 14.03.2016 (kostenlose Anmeldung erforderlich)

American Heart Association, 22.02.2016

 

Mehr lesen:

IPF-Faltblatt Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf der Spur

IPF Im Fokus: Labortests in der Schwangerschaft

Weitere Informationen zu diesen Themen