Kardiologie als Krebsentdecker

Venöse Thromboembolien oder Blutungen unter Gerinnungshemmern können auf Tumor hinweisen. Expert*innen gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent aller venösen Thromboembolien im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung stehen. Eine Studie zeigt, wie Thromboembolien und Blutungskomplikationen dabei helfen könnten, Tumore früher zu entdecken.

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Krebs als Risikofaktor für Thrombosen

Bestimmte Faktoren begünstigen die Entstehung für eine Thrombose oder einer Embolie, die in Zusammenhang mit einer unentdeckten Krebserkrankung steht. Zu den Risikofaktoren gehören höheres Alter, männliches Geschlecht, zu wenig oder zu viele rote Blutkörperchen im Blut sowie eine COPD-Erkrankung. Behandelnde Ärzt*innen sollten bei diesen Patient*innen eine Krebserkrankung als Ursache der Blutgerinnsel in Betracht ziehen und gegebenenfalls ein Krebsscreening durchführen. Dies umfasst in der Regel eine ausführliche Anamese, Labortests sowie Untersuchungen der Brust, Prostata, Haut oder dem Magen-Darm-Trakt. Treten Thromboembolien im Rahmen einer Immobilisation (z.B. nach einem chirurgischen Eingriff) auf oder kommt es wiederholt zu Gefäßverschlüssen, ist eine Krebserkrankung als Ursache der Blutgerinnsel weniger wahrscheinlich.

Blutung unter gerinnungshemmender Therapie als Warnhinweis

Viele kardiologische Krankheitsbilder werden zudem mit einer gerinnungshemmenden Therapie behandelt, die zu Blutungen führen kann. Auch diese Blutungen können auf Krebserkrankungen hinweisen. In einer Analyse der COMPASS-Studie untersuchten Expert*innen Anzahl und Art von Krebserkrankungen bei den Patient*innen, die gegen Thrombose behandelt wurden und im Zuge dieser Behandlung eine Blutungskomplikation erlitten. Bei vier Prozent der Betroffenen lag eine neue Krebsdiagnose vor, die jedoch unabhängig von der erhaltenen antithrombotischen Therapie war. Bei 24 Prozent der Krebspatient*innen traten Blutungskomplikationen auf; zehn Prozent der Patienten mit Blutungen hatten eine Krebsdiagnose. Trat die Blutung im Magen-Darm-Trakt auf, trugen die Betroffenen ein um das zwanzigfach erhöhte Risiko, einen Tumor in Magen oder Darm zu haben; bei Blut im Urin lag das Risiko für einen Blasentumor sogar um das 32fache höher. Fachleute empfehlen daher, Patient*innen mit Blutungen unter Gerinnungshemmern umgehend weiter fachspezifisch untersuchen zu lassen – auch dann, wenn die Blutung nur leicht ist.

Quelle:

Kardiologen als Krebsentdecker: Venöse Thromboembolien oder Blutungen unter Gerinnungshemmern können auf Tumor hinweisen - Medscape - 12. Apr 2021.

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