Bei Darmkrebs auf das Lynch-Syndrom testen lassen

Alle Patienten mit neu diagnostiziertem Darmkrebs sollten auf das Lynch-Syndrom (Erblicher Nicht-Polypöser Darmkrebs, HNPCC) untersucht werden, fordert die US-Fachgesellschaft für Gastroenterologie (AGA). Diese Form der Krebserkrankung vererbt sich zu etwa 50 Prozent an Kinder der Patienten und steigert deren Risiko, an Krebs zu erkranken. Ein spezielles Vorsorgeprogramm für Betroffene trägt dazu bei, Tumorerkrankungen frühzeitig aufzuspüren und behandeln zu können.

Vater, Sohn und Enkel sitzen nebeneinander in einem Garten.
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Gendefekt erhöht Krebsrisiko

Beim Lynch-Syndrom sind Gene verändert, die eigentlich Fehler in der DNA reparieren sollen (DNA-Mismatch-Reparaturgene, MMR). Die Mutationen entstehen bereits bei der Zellteilung der befruchteten Eizelle oder in der mütterlichen oder väterlichen Keimbahn (Keimbahnmutation). Etwa fünf bis sieben Prozent aller Darmkrebsfälle sind auf diesen Gendefekt zurückzuführen. Bei Menschen mit Lynch-Syndrom liegt die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken, bei 80 Prozent. Die DNA-Veränderungen betreffen nicht nur die Zellen der Darmschleimhaut, sondern alle Körperzellen. Deshalb erkranken HNPCC-Patienten auch häufiger an anderen Krebsarten, etwa an den Eierstöcken, an Magenkrebs oder Krebs der Harnwege. Mit Hilfe von molekulargenetischen Tests können Labormediziner die entscheidenden Mutationen im Blut nachweisen.

 

Vorsorgeprogramm für Patienten mit Lynch-Syndrom

Stellt der Arzt das Lynch-Syndrom bei einem Darmkrebspatienten fest, sollten auch Angehörige eine Blutprobe ins Labor geben. Um Tumorerkrankungen frühzeitig zu erkennen, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen für Betroffene ab einem Alter von 25 Jahren jährliche Untersuchungen. Zum HNPCC-Vorsorgeprogramm gehören unter anderem jährlich eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) und eine Laboranalyse des Urins auf Krebszellen. Ist in der Familie Magenkrebs aufgetreten, empfehlen Fachgesellschaften und Experten jährlich eine Magenspiegelung durchführen zu lassen. Jährliche gynäkologische Untersuchungen überwachen bei betroffenen Frauen die Gesundheit von Gebärmutter und Eierstöcken und helfen dabei, bösartige Zellveränderungen frühzeitig zu entdecken. Laut US-amerikanischer Leitlinie reduziert die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) das Risiko für Lynch-Malignome. Betroffene sollten sich mit ihrem Arzt beraten, ob eine Behandlung mit ASS sinnvoll ist.

 

Quellen:

American Gastroenterological Association (AGA)

Medical Tribune, 11.12.2015

Felix Burda Stiftung

 

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