Prostatakrebs: Möglicher Prognosemarker entdeckt

Bild: Eisenhans -Fotolia

Ein erbgutveränderndes Enzym ist offenbar für die früh auftretenden Mutationen bei Prostatakrebs verantwortlich. Forscher entdeckten zudem einen möglichen Biomarker, der früh auf einen aggressiven Verlauf der Erkrankung hinweisen könnte und entwickelten ein Computermodell, das dabei hilft, besser zwischen aggressiven und weniger aggressiven Tumoren zu unterscheiden.

Enzyme befeuern Mutationen

Viele Patienten mit Prostatakrebs stehen nach der Diagnose vor einer schwierigen Entscheidung: Ist eine Operation oder eine Strahlentherapie notwendig oder reicht es, lokal begrenzte Tumoren aktiv zu überwachen?  Ärzte könnten Patienten in dieser Situation besser beraten, wenn sich aggressive von weniger aggressiven Tumoren anhand von Biomarkern unterscheiden ließen. Ein Team von internationalen Wissenschaftlern hat unter der Federführung des Deutschen Krebsforschungszentrums DKFZ dazu das Erbgut von Prostatatumoren einer umfassenden molekularen Analyse unterzogen. Die Wissenschaftler kombinierten Sequenzanalyse mit Untersuchungen der Genaktivität und der epigenetischen Markierungen, die an das Erbgut angeheftet sind. Sie konzentrierten sich besonders auf sehr frühe Tumoren, um herauszufinden, was überhaupt dazu führt, dass Prostatakrebs entsteht. Beim Vergleich mit bereits weiter fortgeschrittenen Tumoren konnten sie beobachten, wie im Verlauf der Tumor-Evolution neue Mutationen hinzukommen. Ihr Fazit: Die meisten dieser frühen Mutationen gehen vermutlich auf APOBEC-Enzyme zurück.

ESRP1 : neuartiges Onkogen

Die Forscher fanden zudem ein mutmaßliches neuartiges Onkogen bei Prostatakrebs. ESRP1 ist mit sehr schnell teilendem und hochaggressivem Prostatakrebs assoziiert. Die Korrelation zwischen Aggressivität und der Verdopplung des ESRP1-Gens konnten die Wissenschaftler an einer Sammlung von fast 12.000 Gewebeproben von Prostatatumoren bestätigen. Die ESRP1-Mutation bewerten sie daher als einen aussichtsreichen Prognosemarker, der sich bereits im frühen Stadium der Krebserkrankung nachweisen lässt. Die Forscher nutzten epigenetische Marker, um einen Prostatakrebs-Index zu entwickeln, der eine einfache Vorhersage der Tumoraggressivität erlaubt. In Kombination mit einem speziellen Computermodell soll der Index bei der Vorhersage helfen, wie sich Prostatakrebs bei einem bestimmten Patienten entwickeln wird. Das Modell wird derzeit in der Charité in Berlin in die klinische Versorgung implementiert. In etwa zwei bis drei Jahren könnte es als integraler Bestandteil der Klinikprozesse umgesetzt sein.

 

Quelle:

Ärztezeitung