Personalisierte Medizin bei Brustkrebs: Experten fordern umfangreiche Molekulardiagnostik

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Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken rund 69.000 Frauen pro Jahr hierzulande neu an Brustkrebs. Er ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Die Entwicklung immer genauerer molekulargenetischer Testverfahren eröffnet Betroffenen Wege zu möglichst passgenauen Therapien. Experten fordern umfangreiche molekulare Diagnostik bei jeder individuellen Erkrankung auf allen Ebenen der Zelle.

Analyse von Erbgut und Genaktivität

Die Ergebnisse von molekulargenetischen Untersuchungen machen deutlich, dass sich die Mammakarzinome zwischen Patientinnen deutlich unterscheiden. Selbst Tumoren bei einer Patientin können unterschiedliche Expressionsmuster aufweisen. Diese Erkenntnis beeinflusst auch die Entscheidungsfindung, welche Therapiestrategie zu wählen ist. Auf dem Weg zur personalisierten Medizin spielen Analysen von Erbgut und Genaktivität eine wesentliche Rolle. Onkologen stützen sich längst nicht mehr nur auf die morphologische Klassifikation, sondern nutzen auch Genexpressionsprofile der Tumoren. Dieses soll sich zukünftig auf genomische und epigenomische sowie auf die Transkriptomebene erstrecken, so Experten des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Intelligente Kombinationstherapien gegen Brustkrebs

Die Registerstudie CATCH ("Comprehensive Assessment of Clinical Features and Biomarkers To Identify Patients with Advanced or Metastatic Breast Cancer for Marker Driven Trials in Humans") zeigt, dass die Analyse von Erbgut und Genaktivität Frauen mit Brustkrebs Therapien ermöglicht, mit denen sie länger und besser leben können. Dafür identifizieren die Mediziner die individuelle Beschaffenheit der Tumorzellen und erstellen auf Basis der Analysen Kombinationstherapien. Auf diese Weise konnten sie zum Beispiel einer Patientin helfen, deren Mammakarzinom auf bisherige Therapien nicht ansprach. Die Behandlung mit dem Checkpointhemmer Pembrolizumab und dem PARP-Hemmer Niraparib führte dazu, dass die Lungenmetastasen sich zurückgebildet hatten.

 

Quelle:

Ärztezeitung