HIV: längere Lebenserwartung braucht gründliche Früherkennung

Eine HIV-Diagnose bedeutet heute kein unmittelbares Todesurteil mehr. Grund zur Sorglosigkeit gibt es jedoch nicht, trotz der erreichten Fortschritte. Gegen die immer noch hohe Anzahl von Spätdiagnosen sowie für die Früherkennung von lebensverkürzend wirkenden Folgeerkrankungen helfen labortestgestützte Präventionsstrategien.

Zahl der Spätdiagnosen verbessert sich nicht

Etwa 85.000 Menschen leben in Deutschland mit HIV. Schätzungsweise 13.000 wissen nichts von ihrer Infektion und tragen damit maßgeblich zu ihrer Verbreitung bei. Die Zahl der Neu-Infektionen liegt seit Jahren bei deutlich über 3000 pro Jahr. Die Zahl der Spätdiagnosen bleibt unverändert. Etwa 1200 Menschen erfahren Jahr für Jahr erst dann von ihrer Infektion, wenn der Immundefekt bereits fortgeschritten ist. Da die Behandlung dann schwieriger wird, wirkt sich eine späte Diagnose oft auch ungünstig auf die Lebenserwartung und Lebensqualität aus.

Immer mehr Diagnosen bei Älteren

Kürzlich berichtete „The Lancet HIV“, dass sich in Europa immer häufiger ältere Menschen, insbesondere heterosexuelle Männer, mit HIV infizieren. Etwa jede sechste Neudiagnose geht an über 50-Jährige, besonders in Deutschland. Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass die HIV-positiven Männer die Infektion zu 42 Prozent durch heterosexuelle Kontakte aufnehmen. Ärzte sollten auch diese Patienten daher im vertraulichen Gespräch auf sexuell übertragbare Infektionen informieren. Im Zweifelsfall schafft der HIV-Test Klarheit und die Betroffenen können zügig behandelt werden.

Krebsprävention wichtig

Experten beobachten, dass es immer weniger Kaposi-Sarkome oder ZNS-Lymphome bei HIV-Kranken gibt. Andererseits scheint die Häufigkeit von Hodgkin-Lymphomen, von Anal- und Zervixkarzinomen sowie von Bronchialkarzinomen zuzunehmen. Für HIV-positive Patienten spielt die Krebsvorsorge daher eine wichtige Rolle. Impfungen gegen Hepatitis B und HPV reduzieren das Risiko für Leberkrebs und Zervixkarzinom. Zudem wichtig: Tests auf Koinfektionen wie Hepatitis B und C. Auch auf ein regelmäßiges Hautkrebsscreening sollten Ärzte HIV-positive Patienten hinweisen.

 

Quelle:

Ärztezeitung online