Gonorrhö in Europa auf dem Vormarsch

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Laut dem aktuellen Jahresbericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) breitet sich die Gonorrhö (Tripper) wieder stärker aus. Insgesamt registrierten die Experten 2017 insgesamt 89.239 Erkrankungen, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Problematisch: Die sexuell übertragbare Infektion lässt sich immer schlechter behandeln. Immer mehr der Erreger entwickeln Antibiotika-Resistenzen.

Zweithäufigste STI

Die aktuellen Zahlen für ihren Report sammelten die Experten des ECDC aus denjenigen Ländern der Europäischen Union (EU) und dem Europäischen Wirtschafts­raum (EAA), die eine nationale Meldepflicht für die Gonorrhö haben. Deutschland gehört nicht dazu. Gonorrhö ist nach Chlamydieninfektionen die zweithäufigste sexuell überagbare Infektion (STI) in Europa. Die Infektionszahlen entwickeln sich jedoch regional unterschiedlich. In Frankreich und Portugal haben sich die Erkrankungszahlen versechsfacht. Während es etwa in Dänemark und Irland knapp vier Mal mehr Fälle gab, verzeichnet die Statistik in den vom Zuwachs am stärksten betroffenen Ländern zwischen 36 Prozent (Schweden) und 44 Prozent (Finnland) mehr Gonorrhö-Infektionen.

Therapie immer schwieriger

Mit einem Anteil von 47 Prozent entfällt fast die Hälfte der Erkrankungen auf Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben. Aber auch bei heterosexuellen Männern stellen Ärzte die Diagnose Gonorrhö immer häufiger (plus 36 Prozent). Bei Frauen steigt die Zahl der Betroffenen mit 120 Prozent mehr Diagnosen sogar noch deutlicher. Dies beunruhigt Experten besonders: Die Infektion verläuft bei Frauen zunächst symptomfrei. So können Ärzte die Diagnose oft erst stellen, wenn es bereits zur entzündlichen Beckenerkrankung und/oder zur Unfruchtbarkeit gekommen ist. Die Therapie muss mit Antibiotika erfolgen. Allerdings steigt die Zahl der Länder, aus denen Resistenzen gemeldet wurden, weiter an.

 

Quelle:

Deutsches Ärzteblatt