Enteroviren: Polio-ähnliche Erkrankung immer häufiger

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Seit fünf Jahren beobachten Experten, dass zum Herbstbeginn in den USA und in Europa vermehrt Polio-ähnliche Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen auftreten. Verursacht wird die Akute schlaffe Myelitis (AFL) durch das Enterovirus D68 (EV68). Der Labornachweis gestaltet sich mitunter schwierig.

Erkrankungsschübe alle zwei Jahre

Offenbar verdoppeln sich die Krankheitsfälle alle zwei Jahre. Hatten Ärzte in den USA im Jahr 2014 noch 120 AFL-Fälle in 34 US-Staaten registriert, waren es 2016 bereits 149 und 2018 insgesamt 228 Fälle in 43 US-Staaten, berichtete Dr. Teri Schreiner von der Kinderklinik in Aurora auf dem Kongress der American Academy of Neurology (AAN) in Philadelphia. In ungeraden Jahren stoßen Mediziner dagegen kaum auf Patienten mit AFL. In Deutschland registrierte das Robert Koch-Institut in Deutschland 16 Fälle im Jahr 2016. Die AFL-Dunkelziffer könnte jedoch deutlich höher sein, da viele Erkrankungen nicht gemeldet oder korrekt diagnostiziert werden.

Enterovirus D 68 nachweisen

AFL betrifft primär Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Charakteristisch für ist eine fokale asymmetrische Muskelschwäche oder Lähmung, die sich über Stunden bis Tage hinweg entwickelt. Meist sind die oberen proximalen Extremitäten betroffen, Reflexe verschwinden, die Sensorik bleibt aber intakt. Typischerweise geht den Beschwerden eine fiebrige Atemwegs- oder Magendarminfektion voraus. Fallberichte zeigen, dass mitunter nur aufwändige Labordiagnostik den Erreger nachweisen kann. Umfangreiche Serum- und Liquoranalysen ermitteln mitunter nur erhöhte Lymphozytenzahlen, jedoch keine typischen ZNS-Erreger oder oligoklonale Banden. Im Serum entdeckten sie lediglich EBV-Antikörper, aber keine Erreger, welche die Symptome erklären konnten. Stuhlproben und rektale Abstriche waren ebenfalls unauffällig. In einzelnen Fällen konnte EV68 erst per PCR aus einem Nasenabstrich nachgewiesen werden.

 

Quelle:

Ärztezeitung online