Antibiotika-Resistenzen: sequentielle Therapie kann helfen

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Eine Studie hat die Wirksamkeit der sequentiellen Antibiotika-Therapie nachgewiesen - zumindest gegen den Keim Pseudomonas aeruginosa. Ein Team des Kiel Evolution Center (KEC) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat gemeinsam mit Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön und der schwedischen Universität Uppsala ein bisher unbekanntes Prinzip aufgedeckt, das eine neue, höchst nachhaltige Therapieform ermöglicht.

Zwei Antibiotika im Wechsel

Am Beispiel des Bakteriums Pseudomonas aeruginosa, das laut WHO zu den kritischsten Keimen mit multiplen Resistenzen gehört, erprobten die Kieler Forschenden die abwechselnde, impulsartige Gabe zweier unterschiedlich wirkender Antibiotika. Dazu untersuchten sie in einem Evolutionsexperiment rund 200 Bakterienpopulationen über insgesamt 500 Generationen und beobachteten, wie sich verschiedene Antibiotika und ein geändertes zeitliches Schema der Medikamenten-Wechsel auswirkten. Ergebnis: Besonders die Abfolge eines Penicillin-ähnlichen Wirkstoffs und eines Aminoglykosids und der schnelle Wechsel mit zufälligen Intervallen wirkte besonders gut. Die Experten stellten fest, dass ein kurzer einleitender Behandlungsimpuls die Zellwände des Keims schwächte, sodass die nachfolgenden Medikamente leichter in die Bakterienzelle eindringen und dort die verbleibenden Krankheitserreger zuverlässig abtöten.

Zelluläres Gedächtnis der Keime zerstören

Diese Wirkung ist nach Studienergebnissen entscheidend von der Reihenfolge des Medikamenten-Wechsels abhängig. Ein schnellerer Wechsel der beiden Medikamente als in der üblichen Antibiotikatherapie und in zufälligen Abständen hemmt die Bildung von Resistenzen offenbar am deutlichsten. Die Ursache für den Erfolg sehen die Wissenschaftler im zellulären Gedächtnis der Krankheitserreger. Durch das erste Antibiotikum werden die zellulären Eigenschaften der Keime über mehrere Generationen hinweg so verändert, dass das zweite Antibiotikum auch mit Verzögerung besser wirken kann.

 

Quelle:

Ärztezeitung online