Antibiotika: BfArM warnt vor Fluorchinolonen – fast immer gibt es gute Alternativen

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In einem Rote-Hand-Brief rät das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Ärzten, Chinolon- bzw. Fluorchinolon-Antibiotika nur noch in Ausnahmefällen zu verordnen. Länger anhaltende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen können die Lebensqualität von Patienten einschränken. Fast immer können Mediziner für die Therapie auf andere Antibiotika ausweichen.

Gefährliche Nebenwirkungen

Die EMA hat mögliche Nebenwirkungen systematisch untersucht. Sie betreffen hauptsächlich den Bewegungsapparat und das Nervensystem. Im Bereich des muskuloskelettalen Systems nennen Experten Gangstörungen, Gelenkschwellungen, Muskelschwäche, Sehnenrupturen, Tendinitiden bzw. Myalgien. Hinzu kommen aus dem neurologischen Bereich periphere Neuropathien, Schlaflosigkeit, Depressionen, Fatigue, Einschränkungen des Erinnerungsvermögens sowie Seh-, Hör-, Geruchs- und Geschmacksstörungen. Aortenaneurysmen und -dissektionen wurden ebenfalls dokumentiert.  Bereits Ende 2018 hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) starke Einschränkungen bei der Verwendung von Fluorchinolon-Antibiotika beschlossen Jetzt wenden sich die Zulassungsinhaber in Abstimmung mit dem BfArM und mit der EMA an Ärzte. Ihr Rote-Hand-Brief betrifft die Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin sowie Ofloxacin.

Alternativen wählen, Patienten aufklären

Fluorchinolone sind in Deutschland bei keiner Indikation Mittel der Wahl, außer bei der Pyelonephritis. Es gibt im klinischen Bereich für fast alle  Fälle alternative Antibiotika, die Fluorchinolonen vorgezogen werden sollten. Einschränkung: Bei Nierenbeckenentzündungen stehen für die orale Gabe nicht immer so gute Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung. Hier können Mediziner gegebenfalls auf Cotrimoxazol, Cefpodoxim oder Amoxicillin-Clavulansäure ausweichen. Das Institut rät Ärzten, Fluorchinolone in vielen Fällen nicht mehr einzusetzen. Konkret werden leichte bzw. selbstlimitierenden Infektionen, etwa eine Pharyngitis, Tonsillitis oder eine akute Bronchitis genannt, ebenso präventive Gaben, um etwa einer Reisediarrhoe oder einer rezidivierenden Infektion der unteren Harnwege vorzubeugen. Nicht bakterielle Entzündungen, etwa eine chronische Prostatitis, werden ebenfalls als tabu aufgeführt.

 

Quellen:

BfArM warnt vor Fluorchinolonen – fast immer gibt es gute Alternativen - Medscape - 10. Apr 2019.

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte