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Labordiagnostik - Innenansichten des Körpers

Sie können - mit der Hilfe Ihres Arztes - die Labordiagnostik zu Ihrem Dritten Auge machen. Untersuchungen, die im medizinischen Labor durchgeführt werden, gewähren uns einen Einblick in die vielfältige Innenwelt unseres Körpers. Oft genügt dem Arzt ein Tropfen Blut oder ein wenig Urin, um schon früh Ungleichgewichte im Körper zu erkennen, die im weiteren Verlauf zu Krankheiten führen können. Diese mit Hilfe der Labordiagnostik gewonnenen Einsichten ermöglichen es uns, unsere gesundheitliche Zukunft umsichtig zu gestalten. Lesen Sie, wie Sie zusammen mit Ihrem Arzt und ohne großen Aufwand viel für sich tun können.


Haben Sie einen guten Blick für Ihren Körper?

In der südasiatischen Kulturgeschichte symbolisiert bei göttlichen Wesen ein Drittes Auge die Macht, unmittelbar in das Innere des Menschen zu schauen und den Charakter, die Reinheit und die Krankheiten zu erkennen.

Leider sind wir Menschen nicht dazu fähig, unmittelbar in unser Inneres zu schauen und Wesentliches über das Geschehen in unserem Körper zu erfahren. Doch die moderne Medizin befähigt die Ärzte heute, viele Vorgänge im Körper "sehen" zu können. Dies geschieht im wesentlichen mit Hilfe von labordiagnostischen Tests. Für einen Großteil davon benötigt der Arzt nur ein wenig Blut. Ziel ist es, Körpervorgänge aufzuklären, ohne den Körper wesentlich zu belasten.

Schon aus einem Tropfen Blut oder ein wenig Urin erschließen labordiagnostische Tests Ihnen das Innere Ihres Körpers. Die moderne Diagnostik zeigt Ihnen, ob Sie gesund sind, oder ob bereits Veränderungen vorliegen, die auf eine Krankheit hindeuten könnten; sie hilft Ungleichgewichte im Körperhaushalt zu erkennen und zu beseitigen, bevor diese Ihr Leben beeinträchtigen.

Gymnastik und Gemüsesäfte, Kalorienzählen und Kosmetika, Bildungsreisen und Lebensversicherungen, Meditation und Malkurse: Was tut man nicht alles, um fit und gesund, schlank und attraktiv, gebildet und abgesichert, ausgeglichen und kreativ zu sein. Wir haben so viele Wünsche für die Zukunft und ahnen kaum, wie sie aussehen wird. Wir wissen nicht, worauf wir uns in der heutigen Zeit überhaupt noch verlassen können.

Eins ist sicher: Ihr Körper lügt nicht. Nutzen Sie die Hilfsmittel der modernen Medizin und lernen Sie mit Hilfe Ihres Arztes Ihren Körper und Ihre Gesundheit von einer Seite kennen, die sich Ihrer täglichen Wahrnehmung oft entzieht.


Das persönliche Gesundheitsprofil - Der Check-Up 35

Mit 35 wissen Sie, wie sich ein befriedigendes Leben anzufühlen hat, wo Sie stehen und was Sie vorhaben: eine Beschäftigung, die Spaß macht; eine Familie, der es gut geht; Freunde, die für Sie da sind; ein gutes Gefühl für sich und Ihren Körper. So soll es sein und bitte auch bleiben.

Jeder Mensch hat vom 35. Geburtstag an das Recht auf ein persönliches Gesundheitsprofil. Bitten Sie Ihren Hausarzt, es unter Zuhilfenahme diagnostischer Tests zu ermitteln. Sie können dann mit ihm zusammen herausfinden, ob Körpergefühl und Gesundheit übereinstimmen. Das ist eine Chance, die Sie nutzen sollten. Denn es gibt viele Krankheiten, die in einem frühen Stadium, in dem noch keine offensichtlichen Krankheitszeichen vorliegen, leicht zu behandeln bzw. zu verhindern sind. Die moderne Diagnostik erlaubt es, Ursachen, Auslöser und Veranlagungen für bestimmte Krankheiten festzustellen und so rechtzeitig zu erkennen, daß man vielfach einen Krankheitsausbruch verhindern kann. Durch regelmäßige Check-up-Untersuchungen können Sie Ihre Lebensqualität sichern.

Verglichen mit dem Gewinn ist der eigene Aufwand für diese Untersuchung sehr gering: Sie müssen nur bei Ihrem Hausarzt einen Termin ausmachen; es reichen die Stichworte "Check-up zur Gesundheitsvorsorge".

Bei Ihrem Arztbesuch - Chip-Karte der Krankenkasse nicht vergessen - werden Sie eine Urinprobe abgeben, weiter wird Ihnen ein wenig Blut abgenommen, und der Arzt wird einen neuen Termin mit Ihnen vereinbaren. Es ist auch möglich, daß es in seiner Arztpraxis die technische Ausstattung für eine sogenannte Präsenzdiagnostik gibt. Dann können Sie vor Ort auf die Ergebnisse der Blut- und Urinuntersuchung warten. Wenn die Ergebnisse vorliegen, kann Ihr Arzt Ihnen sagen, ob Sie "an Herz und Nieren" gesund sind und ob beispielsweise Ihr Blutzuckerspiegel in Ordnung ist. Lesen Sie hierzu auch die Kapitel zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Zuckerkrankheit auf den folgenden Seiten.

Ihr Arzt wird Ihnen zunächst ein paar Fragen stellen - über Ihre bisherigen Krankheiten und Erkrankungen oder Veranlagungen, die in Ihrer Familie bekannt sind. Er wird Sie auch zu Ihren Lebensgewohnheiten befragen, z.B. ob Sie rauchen. Erzählen Sie ihm darüber hinaus von sich aus etwas. Ist zum Beispiel Ihr Familienleben oder Ihre berufliche Situation "stressig" oder ausgeglichen?

Danach wird Ihr Arzt Sie untersuchen: Er hört Sie ab und mißt Ihren Puls und Blutdruck. Es ist möglich, daß er Ihr Herz mit einem Ruhe-EKG (Ruhe-Elektrokardiogramm) genauer prüfen möchte.

Anhand der nun vorliegenden Daten kann Ihr Hausarzt Ihr persönliches Risikoprofil erstellen. Am schönsten ist es für Sie, wenn Ihr Arzt Ihnen sagen kann: "Sie sind so gesund, wie Sie sich fühlen. Wir sehen uns dann in zwei Jahren zum nächsten Check-up!".

Ergibt sich aber aus Ihrem Profil ein Risiko, können Sie gemeinsam überlegen, wie eine erkennbare Gefahr abzuwenden ist - oder wie man eine bereits eingetretene Krankheit behandelt. Abgestimmt auf Ihre Bedürfnisse und Vorlieben können Sie nun zusammen ein Gesundheitsprogramm festlegen.


Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig erkennen

Erkrankungen von Herz und Kreislauf sind in Deutschland sehr häufig. Millionen Frauen und Männer sind davon betroffen ohne es zu wissen. Untersuchungen, zu denen auch die labordiagnostischen Tests gehören, erlauben heute oftmals eine Früherkennung, bevor ernsthafte Erkrankungen eintreten.

Arterienverkalkung (Arteriosklerose) ist die häufigste Ursache für Durchblutungsstörungen. Dies betrifft die Herzkranzgefäße ebenso wie die peripheren Gefäße z. B. in den Beinen. Bei der Arteriosklerose kommt es durch entzündliche Prozesse und Ablagerungen von Substanzen an den Innenwänden von Blutgefäßen zu einer Verkleinerung des Innendurchmessers und so zu einer Behinderung des Blutflusses. Dies kann sogar so weit führen, daß durch die betroffenen Gefäße kein Blut mehr fließen kann.


Koronare Herzkrankheiten (KHK)

Durch Verengung der Herzkranzgefäße (Koronararterien) kommt es zu verminderter Durchblutung und damit zur schlechten Versorgung des Herzens mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Die Folgen davon bekommt man meist erst bei erhöhter körperlicher Belastung zu spüren (Brustschmerzen, auch Angina pectoris genannt). Diese, sowie Herzmuskelschwäche (Myocardinsuffizienz) und Herzinfarkt zeugen von einem schlecht versorgten Herzen.

Früher waren in erster Linie Männer von diesen Krankheiten betroffen; heute findet man sie immer häufiger auch bei Frauen. Belastungen durch Beruf und Haushalt und Risikofaktoren wie hoher Tabakkonsum führen zu der - in diesem Fall - betrüblichen Angleichung der Geschlechter.

Die Unterversorgung des Herzens verwandelt sich oftmals ohne spürbare Beschwerden (symptomlos) in eine lebensbedrohliche Krankheit. Dennoch stellt ein "akutes Herzproblem" heute keinen überraschenden Überfall mehr dar. Es sind inzwischen Faktoren bekannt, die nachweislich die Entwicklung von koronarer Herzkrankheit beeinflussen. Man unterscheidet zwei Gruppen sogenannter Risikofaktoren: Solche, die nicht beeinflußbar sind und solche, die der Patient selbst beeinflussen kann oder die der Arzt behandeln kann.

Zur Gruppe der Risikofaktoren, die sich unserem Einfluß entziehen, gehören das Alter, bisweilen das Geschlecht und die familiäre Vorbelastung.

Die beeinflußbaren Risikofaktoren lassen sich zwei Untergruppen zuordnen: die Faktoren der Lebensführung und die des Körperhaushaltes. Rauchen gehört zu der ersten Untergruppe und ist eine der Hauptursachen für Durchblutungsstörungen. Auch Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und Streß können zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Diese eben genannten Punkte kann der Patient selbst erkennen und in der Regel auch ohne Hilfe korrigieren. Es gibt aber auch Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes), die man nur in Zusammenarbeit mit einem Arzt feststellen und beheben kann. Sie sind Ausdruck von Ungleichgewichten im Körperhaushalt und in der Regel gefühlsmäßig nicht rechtzeitig zu erfassen. Die meisten Veränderungen können mit Hilfe einer modernen Labordiagnostik zuverlässig erkannt werden.


Bluthochdruck

Über das Blut versorgt der Körper seine Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen. Für den Transport ist ein bestimmter Druck in den Blutgefäßen notwendig. Der Blutdruck ist nicht immer gleich. Er wird den Umständen, wie z.B. der Tageszeit oder der gerade ausgeübten Tätigkeit, angepaßt. Jedoch kann es, wenn der Blutdruck über eine längere Zeit einen bestimmten Wert überschreitet, zu Schäden am Herzen, den Gefäßen und auch an anderen lebenswichtigen Organen wie Nieren und Gehirn kommen.

An Bluthochdruck (Hypertonie) leiden in Deutschland etwa 20 Millionen Menschen. Zu hoher Blutdruck führt zu Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen. Herz-Kreislauferkrankungen sind die häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrienationen. Die eigentlichen Ursachen für Bluthochdruck sind noch nicht aufgeklärt. Es ist jedoch bekannt, daß manche Nieren- und Drüsenkrankheiten, aber auch falsche Ernährung, Übergewicht und Streß den Blutdruck erhöhen können.

Anfänglich bereitet der Bluthochdruck keine Beschwerden; er erzeugt manchmal sogar ein gewisses Wohlbefinden. Erst nach längerer Zeit macht sich die Krankheit durch Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, Schwindel und Müdigkeit bemerkbar.

Der Blutdruck sollte regelmäßig kontrolliert werden. Er kann einfach mit einem Blutdruckmeßgerät beim Arzt oder auch beim Apotheker gemessen werden. Der Blutdruck sollte im Durchschnitt unter 140/90 mm Hg liegen.


Fettstoffwechselstörungen

Verschiedene Fette - allgemein als Lipide bezeichnet - dienen im Körper der Energiegewinnung (Triglyceride) oder als Baustoff (Cholesterin). In einem gesunden Körper stehen Fettzufuhr und Fettverbrauch in einem Gleichgewicht. Ist dieses durch Veranlagung, übermäßige Ernährung oder eine Krankheit (z. B. Diabetes, Schilddrüsen- oder Leberkrankheiten) gestört, kann es zu einer Arteriosklerose mit der Folge von schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen.

cholesterin-tabelle

Diese Richtwerte sind nur Anhaltspunkte. Über eine etwaige Behandlungsbedürftigkeit (Diät, Medikamente) Ihres Cholesterinwertes entscheidet der Arzt erst nach weiteren Untersuchungen: Ob ein hoher Cholesterinwert von bis zu 260 mg/dl ein Risikofaktor ist, hängt von der Verteilung der verschiedenen Blutfette (Lipoproteine) ab, die alle zu diesem Gesamtwert beitragen. Die Konzentration dieser Lipoproteine wird durch weitere Labortests festgestellt.

Erhöhte Blutfette tun nicht weh und sind auch nicht in jedem Fall gefährlich. "HDL-Cholesterin" wird zum Beispiel "gutes Blutfett" genannt, weil es eine schützende Funktion hat. Deshalb sollte es im Blut immer in ausreichender Menge vorhanden sein. Wichtig ist, daß die Fette in einem ausgewogenen Verhältnis vorliegen. Ihr Ungleichgewicht wird von Fachleuten auch gern als "stumme Gefahr" bezeichnet. Störungen im Fettstoffwechsel (Hypercholesterinämie, Hypertriglyceridämie) sind behandelbar. Man erkennt sie an der Konzentration bestimmter Blutfette (Gesamtcholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin, Triglyceride) im Blut. Ihr Arzt kann ihren Gehalt nach einer Blutabnahme bestimmen.


Diabetes

Auch bei Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) besteht die Gefahr von Durchblutungsstörungen. Die Bestimmung des bei dieser Erkrankung erhöhten Blutzuckers können Sie selbst oder zusammen mit ihrem Arzt durchführen (siehe nächstes Kapitel über Diabetes). Der Zuckergehalt des Blutes sollte im nüchternen Zustand nicht über 100 mg/dl liegen.


Diabetes Mellitus Typ II - Die erworbene Zuckerkrankheit

Jeder Mensch braucht Zucker im Körper. Er wird der Nahrung entnommen und über das Blut zu allen Körperzellen gebracht. Mit Hilfe von Insulin nehmen die Zellen den Zucker ins Innere auf, denn er ist ihre Energiequelle. Viele Zellen können Zucker in bestimmter Form speichern und bei Bedarf auch schnell wieder ins Blut abgeben. Dieses Geben und Nehmen liegt in einem feinen Gleichgewicht. Ein Blutzuckerspiegel zwischen 80 und 100 mg/dl (in nüchternem Zustand) zeigt, daß dieses Gleichgewicht in Ordnung ist. Das Blutzuckersystem wird über Hormone gesteuert. Eines davon ist Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird.

Die Zuckerkrankheit ist eine der großen Volkskrankheiten geworden. Sie ist in den meisten Fällen als Wohlstandsleiden anzusehen.

Nur einer von zehn Diabetespatienten in Deutschland kann kein - oder viel zu wenig - eigenes Insulin produzieren und hat somit Diabetes Typ-I. Alle übrigen - also über 3,5 Millionen Bundesbürger - sind Typ-II-Diabetiker. Es sind meist ältere (über 40 Jahre) und übergewichtige Patienten, teilweise mit einer erblichen Vorbelastung, die ihre insulinproduzierenden Zellen durch falsche Ernährung jahrelang überlastet haben. Seltener leiden junge Menschen an dieser Form der Zuckerkrankheit. Die Betroffenen produzieren zwar noch körpereigenes Insulin, es kommt jedoch - gewissermaßen durch Erschöpfung des Regelmechanismus - nicht mehr genügend zur Wirkung. Diese Form der Zuckerkrankheit ("Altersdiabetes") kann nach einer Gewichtsreduktion in den meisten Fällen durch Umstellung der Ernährungsgewohnheiten gut behandelt werden. Eine rechtzeitige Diagnostik läßt den Beginn der Zuckerkrankheit erkennen, bevor die ersten Schäden auftreten.

Diabetiker scheiden infolge des hohen Blutzuckers Zucker mit dem Urin aus. Dies nutzt der einfachste Nachweis der Zuckerkrankheit: Ein Teststreifen wird kurz in den Urin getaucht. Nach zwei Minuten kann der Zuckergehalt an einer Farbveränderung festgestellt werden.

Die Zuckerkrankeit kann man behandeln. Hierbei helfen labordiagnostische Tests: Die Überprüfung des Blutzuckers sowie der glykosylierten Hämoglobine (z.B. HbA1/HbA1c-Wert) oder die Fructosamin-Messung ergeben wichtige Laborwerte zur Kontrolle des Therapieerfolges.

Immer mehr Deutsche erkranken im Laufe ihres Lebens an der Zuckerkrankheit. Leider kommen viele Patienten erst mit ernsten Folgekrankheiten an Gefäßen (siehe Kapitel Herz-Kreislauf-Erkrankungen), Augen, Nieren und Nerven in die Arztpraxis. Fast die Hälfte aller Diabetes-Fälle wird daher leider oft sehr spät entdeckt.

Wenn Sie Ihre Zuckerausscheidung im Urin in kürzeren Abständen selbst kontrollieren möchten, können Sie sich Harnzucker-Teststreifen in der Apotheke besorgen. Das kostet nicht viel, und man erklärt Ihnen genau wie der Test funktioniert. Sie brauchen den Arzt nur aufzusuchen, wenn Sie dabei Zucker im Harn feststellen. Der Arzt wird dann weitere Untersuchungen bei Ihnen durchführen.

Durch Früherkennung können Sie sich viel ersparen: Durchblutungsstörungen bzw. Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen sowie Augenschäden oder Gewebezerstörung durch schlechte Wundheilung gehören zu den - durch rechtzeitige Behandlung der Zuckerkrankheit - vermeidbaren Komplikationen.


Störungen der Schilddrüsenfunktion - häufig unerkennt

Untersuchungen haben ergeben, daß es bei der Schilddrüsenerkrankung ein deutliches Nord-Süd-Gefälle gibt. In der Alpenregion hat etwa jeder dritte eine vergrößerte Schilddrüse. Die Bildung eines Kropfes (Struma) kann die Folge von Jodmangel sein. Deutschland ist ein Jodmangelgebiet. Die Kropfoperation ist mit 90.000 Fällen pro Jahr der vierthäufigste in Deutschland durchgeführte chirurgische Eingriff. Bei ausreichender Jodversorgung gäbe es deutlich weniger Operationen. Eine ärztliche Untersuchung zeigt Ihnen Funktionsstörungen Ihrer Schilddrüse und hilft Ihnen, diese rechtzeitig zu behandeln.

Die Schilddrüse liegt im Hals unterhalb des Kehlkopfes. Sie bildet lebenswichtige Hormone und gibt sie an das Blut ab. Diese Schilddrüsenhormone steuern den Stoffwechsel, die Wärmeproduktion und die körperliche wie geistige Entwicklung der Kinder. Die Funktion der Schilddrüse ist somit Voraussetzung für das körperliche Gleichgewicht.

Besonders während des Wachstums und in Zeiten hormoneller Umstellung (Pubertät, Schwangerschaft) ist die Jodversorgung von großer Bedeutung. Jod ist ein lebenswichtiger Baustein der Schilddrüsenhormone. Das Spurenelement Jod wird über die Nahrung aufgenommen; enthält diese zu wenig Jod, vergrößert sich die Schilddrüse - es bildet sich ein Kropf. Wenn Sie nicht regelmäßig (mehr als einmal die Woche) Seefisch essen oder jodiertes Speisesalz verwenden bzw. Jodidtabletten einnehmen, sollten Sie sich von Ihrem Arzt gelegentlich die Schilddrüsengröße und -funktion ermitteln lassen. Auch Befindlichkeitsstörungen können in Schilddrüsenkrankheiten ihre Ursache haben. So können z.B. Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit und Müdigkeit sowie Konzentrations- und Lernschwäche auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten. Nervosität und Gewichtsverlust trotz Heißhunger können Anzeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion sein.

Die moderne Diagnostik beantwortet Ihnen Fragen zu Ihrer Schilddrüse. Die Größe der Schilddrüse kann der Arzt durch eine Ultraschalluntersuchung ermitteln. Ein großer Kropf kann auch von Hand ertastet werden. Die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut wird mit labordiagnostischen Tests bestimmt und gibt über die Funktion der Schilddrüse Auskunft.

Sie sollten Ihren Arzt unbedingt darauf hinweisen, wenn in Ihrer Familie schon Schilddrüsenkrankheiten aufgetreten sind.


Hormonhaushalt - Veränderungen in den Wechseljahren

Gut 30 Jahre lang erlebt eine Frau ihren Körper in einem hormonellen Auf und Ab: Angeregt von den körpereigenen Botenstoffen (Hormone) trifft der Körper periodisch Vorbereitungen für eine Empfängnis und mögliche Schwangerschaft. Er stellt sich jedes Mal wieder um, wenn sich kein befruchtetes Ei in der Gebärmutter einnistet. Eine bestimmte Region im Gehirn sendet chemische Botenstoffe an die Eierstöcke (Ovarien), die in einem periodischen Rhythmus die Sexualhormone der Frau produzieren.

Die verschiedenen Sexualhormone regulieren jedoch nicht nur die Reifung der Eizellen und die Vorbereitung der Gebärmutter für eine mögliche Schwangerschaft, sondern wirken zum Beispiel auch auf den Stoffwechsel und die Psyche. So wandelt sich während des Menstruationszyklus nicht nur die Fruchtbarkeit, sondern auch das Körpergefühl und das seelische Befinden.

In den Wechseljahren verändert sich die Situation. Bei Frauen, die zwischen 45 und 50 Jahre alt sind, werden die Eierstöcke gewissermaßen allmählich etwas "träge": Sie reagieren immer weniger auf die chemischen Botschaften aus dem Gehirn. Die Hormonproduktion gerät ins Stocken. Östradiol - eines der wesentlichen weiblichen Sexualhormone wird immer weniger gebildet.

Wenn die Östradiolkonzentration im Körper abnimmt, kann es zu den unangenehmen Beschwerden der Wechseljahre kommen. Sie können den Arzt aber bitten, die Konzentration dieses Hormons in Ihrem Blut zu überprüfen. Durch eine labordiagnostische Untersuchung kann man feststellen, ob Ihr hormonelles Gleichgewicht sich bereits in der Umbruchphase befindet. Falls erforderlich, kann Ihnen Ihr Arzt Medikamente verschreiben, die die Begleiterscheinungen der Wechseljahre völlig beseitigen. Gleichzeitig beugen Sie mit dieser Therapie auch dem gefährlichen Knochenschwund (Osteoporose) vor.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 26. Januar 2009 um 09:42 Uhr
 
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