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Patienten

Darmkrebs
Vermeiden statt Leiden

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Alle 20 Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an Darmkrebs. Fast 27.000 Todesfälle und mehr als 65.000 Neuerkrankungen weist die Statistik des Robert Koch-Instituts jährlich für Deutschland aus. Darmkrebs fordert siebenmal mehr Opfer als der Straßenverkehr und ist damit eine der häufigsten Krebserkrankungen überhaupt. Die Rate der Neuerkrankungen ist im EU-Vergleich besonders hoch: Jeder Zwanzigste erkrankt im Laufe seines Lebens an Darmkrebs.

Darmkrebs entwickelt sich fast immer aus zunächst gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut. Der Krebs wächst langsam und lange Zeit, ohne dass der Betroffene etwas merkt. Beschwerden machen sich meist erst dann bemerkbar, wenn das Krebsgeschwür groß ist oder schon Metastasen gebildet hat. Unbehandelt führt Darmkrebs dann häufig innerhalb von zwölf Monaten zum Tod. Das muss nicht sein.

Darmkrebs ist eine vermeidbare Erkrankung
Keine andere Krebserkrankung kann durch Früherkennung so gut vermieden werden wie Darmkrebs.  Aufgrund seines langsamen Wachstums ist Darmkrebs durch konsequente Vorsorgeuntersuchungen fast vollständig vermeidbar. Seine Vorstufen, Polypen und Adenome, lassen sich früh erkennen und können rechtzeitig entfernt werden. Auch im Frühstadium ist Darmkrebs noch gut heilbar.

Vorbeugung, wie gesunde Ernährung, körperliche Aktivität, Verzicht auf Alkohol und Nikotin oder die Vermeidung von Übergewicht kann zwar das Risiko einer Erkrankung senken, ist allein aber nicht ausreichend: Ab dem 45. Lebensjahr steigt unabhängig davon das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Deshalb sind Früherkennungsmaßnahmen essenziell – je früher, desto besser. Daher gehören die Früherkennungsuntersuchungen auf Darmkrebs seit 1971 zum Vorsorgeprogramm der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Jahre 2002 wurden sie wesentlich überarbeitet und die Darmspiegelung wurde neu aufgenommen.

Was die gesetzliche Krankenkasse zahlt:

  • Versicherte im Alter ab 55 Jahre haben die Möglichkeit, eine Darmspiegelung (Koloskopie) machen zu lassen und diese bei befundfreiem Ergebnis zehn Jahre später zu wiederholen.
  • Vor diesem Einstiegsalter können Versicherte in der Altersgruppe 50 bis 54 Jahre jährlich den Labortest zur Entdeckung von okkultem Blut im Stuhl (sogenannter Guajak-Test) durchführen lassen.
  • Soweit Vorbehalte gegen die Darmspiegelung bestehen, können Versicherte in der Altersgruppe ab 55 Jahre den Stuhltest im zweijährigen Turnus fortsetzen.

Die Darmspiegelung (Koloskopie) gilt als Goldstandard bei der Früherkennung von Darmkrebsrisiken. Dabei wird ein flexibler Schlauch mit Lichtquelle, Minikamera und chirurgischem Gerät in den Dickdarm eingeführt. Vorteil der Koloskopie: Entdeckte Krebsvorstufen können gleich entfernt werden. Und solche Vorstufen werden immerhin bei jeder vierten Untersuchung entdeckt, Krebsgeschwüre bei jedem hundertsten Patienten.

Dennoch sinkt die Inanspruchnahme der Darmspiegelung. Die Koloskopie wird häufig für schmerzhaft gehalten oder als unangenehm empfunden. Wer sich nicht für eine solche Untersuchung erwärmen kann, für den sind Labortests eine Alternative.

Welche Labortestverfahren gibt es?
Im Rahmen der gesetzlichen Früherkennung von Darmkrebs wird von den Krankenkassen nur eine bestimmte labordiagnostische Methode bezahlt:

  • Der Guajak-Test
    Dieser chemische Stuhltest funktioniert auf der Guajakharzbasis. Durch eine chemische Reaktion werden verborgene (okkulte) Blutspuren in den Stuhlproben der Patienten nachgewiesen. Allerdings können verschiedene Nahrungsbestandteile oder Medikamente das Testergebnis beeinflussen. Patienten müssen deshalb vorübergehend auf bestimmte Nahrungsmittel (etwa blutiges Fleisch) verzichten oder ihre Medikamente absetzen.

Während der vergangenen Jahre wurde eine Reihe neuer labordiagnostischer Verfahren entwickelt. In den wissenschaftlichen Leitlinien finden diese zunehmend Erwähnung. Die verschiedenen Testverfahren werden in Arztpraxen und Apotheken angeboten, bislang jedoch von den Krankenkassen nicht bezahlt:

  • Immunologischer Stuhltest
    Immunologische Labortests fahnden ebenfalls nach okkultem Blut, das durch Vorstufen (Polypen) oder Frühstadien des Darmkrebses in den Stuhl gelangt. Sie lassen sich durch spezifische Antikörper gegen Bestandteile des menschlichen Bluts nachweisen. Falsche Ergebnisse durch Nahrung und Medikamente sind kaum zu befürchten. Die Stuhlprobe wird wie beim Guajak-Test in der Regel im Labor der Arztpraxis ausgewertet.
  • Enzymatischer Stuhltest
    Beim enzymatischen Stuhltest handelt es sich um einen Test, der nicht nach verstecktem Blut sucht, sondern ein für Krebs typisches Enzym im Stuhl nachweisen kann. Das Enzym kommt im bösartig veränderten Gewebe von verschiedenen Krebsarten in größeren Mengen vor – darunter auch bei Darmkrebs oder Vorstufen (Polypen). Auch hier sind falsche Resultate durch Nahrungsbestandteile nicht zu erwarten. Die Handhabung des Tests ist vergleichbar mit den anderen Stuhltests.
  • Bluttest
    Krebsgeschwüre geben bereits in frühen Stadien Erbinformationen in den Blutkreislauf ab. Darmkrebs hinterlässt auf diese Weise eine typische Spur – einen Biomarker. Dieser Biomarker ist mit einem Bluttest nachweisbar. Der Arzt nimmt hierfür beim Patienten eine Blutprobe ab und schickt sie an ein Labor zur Messung und Auswertung.

Fazit:
Darmkrebs ist vermeidbar. Labortests zur Darmkrebsfrüherkennung, bei der Blut oder Stuhlproben außerhalb des Körpers im Labor untersucht werden, sind ein zuverlässiges Instrument, Krebsrisiken zu erkennen oder auszuschließen. Sie können und sollen die Darmspiegelung nicht ersetzen, sind aber eine aussagekräftige Einstandsdiagnostik und ersparen den Menschen, denen die invasive Untersuchung unangenehm ist, diesen Eingriff. Ist das Laborergebnis positiv, sollten Sie jedoch nicht zögern, diesen Eingriff zur Abklärung des Krankheitsstadiums vornehmen zu lassen.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 18. Juni 2012 um 11:09 Uhr
 
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